Dominique Strauss-Kahn von

Auf ins neue Leben

Ex-IWF-Chef erhält seinen Reisepass zurück. Besuch in ehemaliger Wirkungsstätte geplant

Dominique Strauss-Kahn - Auf ins neue Leben © Bild: Reuters/Joyce

Lässig in T-Shirt und Sportschuhen gekleidet steht Dominique Strauss-Kahn an einer Straßenecke und wartet gemeinsam mit seiner Gattin Anne Sinclair auf ein Taxi. Es ist einer dieser lauschigen Sommerabende in New York, die der frühere IWF-Chef nach der Einstellung seines Vergewaltigungsverfahrens jetzt wieder besonders genießt. Und wenn er will, kann er jetzt auch zurück nach Paris fahren. Denn "DSK" hat seinen Reisepass zurückerhalten.

Dass Strauss-Kahn seine Papiere nach der Einstellung des Verfahrens am Dienstag zurückbekommen habe, sei zwar normal, sagte Taubman, der zuvor eine Stunde mit ihm in dessen Stadthaus in Manhattan verbracht hatte. "Symbolisch" sei es dennoch wichtig für den Franzosen, der am 14. Mai wegen eines angeblichen sexuellen Angriffs auf ein New Yorker Zimmermädchen festgenommen worden und fünf Tage später von der Spitze des IWF zurückgetreten war.

In Würde abtreten
Strauss-Kahn und seine Frau Anne Sinclair seien "sehr glücklich" über die neue Lage, sagte Taubman. "Sie werden bald nach Washington fahren, sie haben viel zu erledigen." Für den 62-Jährigen sei es "sehr wichtig", noch einmal zum Internationalen Währungsfonds zurückzukehren, um "in Würde" abtreten zu können. In den kommenden Monaten werde Strauss-Kahn in seine Heimat zurückkehren und sich nach der "Prüfung" der vergangenen Wochen ein neues Leben aufbauen, sagte sein Vertrauter. "DSK", wie die Franzosen den früheren Finanzminister auch nennen, hatte bis zu seiner Festnahme als Favorit der Präsidentschaftswahl im Frühjahr gegolten.

Privater Besuch im IWF geplant
IWF-Sprecher David Hawley sagte vor Journalisten, er habe zudem gehört, dass Strauss-Kahn der Finanzinstitution "einen persönlichen Besuch" abstatten wolle. Möglicherweise werde Strauss-Kahn "schon kommende Woche" vorbeikommen. Wie jeder andere frühere Chef des Währungsfonds könne der Franzose den Sitz der Einrichtung gerne besuchen, sagte der Sprecher - "wenn es einen solchen Besuch geben sollte, wäre es aber ein persönlicher und im Wesentlichen privater Besuch". Ein Mitarbeiter des IWF sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass Strauss-Kahn "keinen Jubel" erwarten dürfe. "Mein Eindruck ist, dass es den Leuten hier egal ist." Die Mitarbeiter hätten Strauss-Kahn gern gemocht, aber sie hätten "wirklich nicht die Zeit", sich mit ihm zu befassen.

Das zuständige New Yorker Gericht hatte das Verfahren gegen Strauss-Kahn am Dienstag eingestellt, weil die Klägerin als unglaubwürdig eingeschätzt wird. Die Polizei hatte den damaligen IWF-Chef im Mai unmittelbar vor seinem Abflug nach Frankreich im Flugzeug festgenommen, nachdem ein 32-jähriges Zimmermädchen ihn beschuldigt hatte, sie in seiner Suite in einem New Yorker Hotel unter anderem zum Oralsex gezwungen zu haben.

Nächste Anklage wartet schon
In Frankreich muss Strauss-Kahn derweil mit einer weiteren Anklage wegen versuchter Vergewaltigung rechnen. Eine französische Schriftstellerin wirft dem früheren Finanzminister vor, er sei bei einem Interview in Paris über sie hergefallen. Einer Umfrage zufolge wären vier von fünf Franzosen dagegen, dass Strauss-Kahn bei der parteiinternen Vorwahl der französischen Sozialisten für die Präsidentschaftswahl antritt. Selbst unter den Anhängern der Linken lehnten dies 77 Prozent ab, wie die am Freitag veröffentliche Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes BVA zeigte.