Dominik Wachtas Kolumne: Agenturchef schreibt über Magersucht im Modelbusiness

Traurige Realität: Viele Models hungern noch immer Mädchen mit 50 Kilo bei 1,80 m finden sich zu dick!

Dominik Wachtas Kolumne: Agenturchef schreibt über Magersucht im Modelbusiness © Bild: Reuters/Bondareff

Die Kolumne von letzter Woche über Marina Schneider hat einigen Staub aufgewirbelt. Mission geglückt. Dass sich aber ausgerechnet Marina Schneider, die eigentlich bei der Kolumne sehr gut ausgestiegen ist, bei mir darüber beschwert, hat mich doch sehr verwundert. Offenbar habe ich sie doch deutlich überschätzt. Schade.

Was mich aber weit mehr beschäftigte, war unser erstes Casting für Österreichs Nächstes Topmodel im Salon von Szenefigaro Josef Winkler.

Die Qualität der Bewerbungen war sensationell, jedoch schockte mich die Tatsache, dass es beim Thema Magersucht nach wie vor kein Umdenken gibt.

Eine kurze Zeit war es „in“, dass manche Designer und KollegInnen sich in den Medien gegenseitig mit ihren Parolen gegen Magersucht überschlugen. Kein Schmäh war billig genug, um aus der medialen Versenkung alternder Ex-Größen wieder aufzutauchen.

Damals freute ich mich, dass alle auf meine jahrlangen Forderungen einzusteigen schienen. Sie erkannten offenbar die Berechtigung meiner Forderungen. Gleichzeitig befürchtete ich, dass es nur Lippenbekenntnisse bleiben würden.

Und genau das ist die Realität: NICHTS HAT SICH VERÄNDERT! Weder international noch national.

Da kommen 16-jährige Mädchen zum Casting, mit 50 Kilo auf 1,80 m. Auf die Aussage „Dein Gewicht ist bei der Größe aber schon bedenklich!“ kommt die unfassbare Antwort: „Ja, ich weiß, ich bin eh grad beim abnehmen!“

Für einen kurzen Augenblick war sogar ich schmähstad. Wer mich kennt, weiß, dass dieser Zustand weder lange anhält, noch allzu häufig vorkommt.

Ich fragte also nach, ob das ihr Ernst sei. „Ja, weil im Ausland müssen die Models ja 40 Kilo haben….“ Unglaublich, einfach unglaublich! Noch unglaublicher ist die Tatsache, dass ähnliche Wortmeldungen gleich von einigen weiteren Teilnehmerinnen kamen.

Doch wir reden nicht, wir handeln! Tatsächlich sind wir aufgestanden und haben „Stopp“ gesagt: Einige Mädchen wurden wegen ihres Untergewichtes nicht zum Bewerb zugelassen. Sie können wieder zu einem Casting antreten, wenn sie ein paar Kilo zunehmen und sich beraten lassen.

Es ist einfach ein Unterschied zwischen dünn und dürr. Es ist auch ein Unterschied zwischen Fettreduktion durch Hungern oder durch hartes Training. Julia Ganster ist übrigens ein Musterbeispiel für ein top-trainiertes Model.

Das und vieles mehr macht mich so stolz auf sie.

Einige weitere Bewerberinnen beim Casting bekamen zudem Auflagen für unsere landesweite Modelwahl. Sie müssen ein Gespräch mit einem Ernährungsberater führen. Diesen haben wir seit heuer als fixes Team-Mitglied. Die Teilnehmerinnen werden daher von uns genau beobachtet und regelmäßig abgewogen.

Im Anschluss daran werden sie von Starkoch Harry Brunner zum Hummeressen eingeladen, nach dem Motto „Harry Brunners Rezept gegen Mager-Models“.

Nur so kann man etwas erreichen!

Ebenfalls auf den Magen geschlagen hat mir die Aussage eines weiteren Models, das gewichtmäßig schon sehr grenzlastig war. Ihre alte Agentur hatte ihr geraten, weiter abzunehmen…

Erraten! Es war eine Agenturchefin, die sich für einen kurzen medialen Augenblick selbst den Kampf gegen die Magersucht auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Mir ist es vollkommen gleichgültig, ob es gerade „in“ ist, gegen Magersucht zu kämpfen oder nicht, ich kämpfe aus ehrlicher Überzeugung.

Diesen Kampf führe ich daher nicht für einen kurzen und billigen PR-Gag, diesen Kampf führe ich 24 h am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr.

Dominik Wachta ist Inhaber der Model-Agentur "Jademodels International".