TV-Doku-Rezension von

Feindbild Fracking

Geologe Ian Stewart auf Spurensuche: Welche Gefahren birgt die Gasfördermethode?

Menschen protestieren gegen "Fracking". © Bild: Spencer Platt/Getty Images

"Hydraulic Fracturing", kurz "Fracking", boomt in den USA - aber auch in Europa und Österreich ist die umstrittene Gasfördermethode auf dem Vormarsch. Doch was bedeutet "Fracking" eigentlich für uns und welche Folgen hat es für Mensch und Umwelt? In der BBC-Doku "Fracking: The New Energy Rush" (deutsche Version: "Feindbild Fracking") geht der britische Geologe Ian Stewart diesen Fragen nach. Und bleibt den Zuschauern dabei einige Antworten schuldig.

Beim "Fracking" werden Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepumpt, um diese unter großem Druck aufzubrechen ("fracken") und so Gasvorkommen im Schiefergestein anzuzapfen. Kritiker befürchten, dass die Chemikalien, die in die Erde gepresst werden, um das Gas freizusetzen, das Grundwasser verseuchen könnten. Doch die Fördermethode hat ihren Vorteil: Sie erlaubt es selbst dort Erdgas zu gewinnen, wo andere Methoden versagen und ist enorm gewinnbringend.

Geologe Ian Stewart begibt sich bei der Suche auf Antworten in die USA, dort hat "Fracking" schon so manche Leute reich gemacht, aber auch zu heftigen Protesten gegen die Gasgewinnungsmethode geführt. Er will herausfinden, warum Fracking die Energiebranche verändern kann und was wir Europäer aus den Erfahrungen der Amerikaner lernen können.

Schwacher Start

Die Dokumentation geht diesen Fragen jedoch viel zu langsam auf den Grund. Zuerst besucht der Geologe eine Bohrstelle im US-Bundesstaat Pennsylvania. Von da an werden rund 20 Minuten lang ausdauernd die allgemeinen Fakten zum Schiefergas und zu der Technologie an sich beleuchtet, ohne auf die Problematik näher einzugehen. Die Chemikalien werden am Rande erwähnt, stattdessen begeistert sich der Geologe für die Methode als "clevere Gas-Revolution". Ebenfalls unerwähnt bleibt die Skandal-Firma "Halliburton", deren Name auf der Bohrstelle immer wieder auftaucht.

Reich durch Schiefergas

Nachdem die Basisinformationen gründlich aufbereitet worden sind - inklusive Höhlentour und geologischem Expertengespräch - trifft Stewart auf einen Schiefergas-Millionär (engl. "Shaleionaire"). Der Farmer ist durch den Verkauf der Bohrrechte auf seinem Grund reich geworden. Aber auch in diesem Gespräch bleiben kritische Fragen ungestellt und damit unbeantwortet.

"Fracking" zu welchem Preis?

Zum Kernthema gelangt die Doku erst nach mehr als der Hälfte der Filmlänge. "Fracking" ist in den USA allgegenwärtig. Energiekonzerne vermuten, dass es mehr Schiefergasvorkommen in den USA als Erdöl in Saudi-Arabien gibt. Man geht von einer Million "Fracking"-Bohrlöchern aus. Dass die lukrative Fördermethode daher auch Einfluss auf Politik und Wirtschaft nimmt, sei nicht von der Hand zu weisen, heißt es in der TV-Doku. Und dann schlägt man den Bogen zu den gravierenden Umweltbedenken, die mit "Fracking" einhergehen. In Pennsylvania geht der Geologe den Berichten über durch Gas und Chemikalien kontaminiertes Grundwasser nach, spricht mit den Menschen vor Ort.

Doch auch beim Thema Gefahren und Risiken werden nicht alle Fragen zufriedenstellend beantwortet: Ein Gespräch mit einem betroffenen Ehepaar, das über verseuchtes Trinkwasser klagt, soll Klarheit über die gesundheitlichen Folgen schaffen. Wirklich wissenschaftlich nachweisbar sei der Zusammenhang zwischen "Fracking" und den Erkrankungen aber nicht, wird berichtet. Und damit eröffnen sich weitere Fragen: Warum gibt es keine medizinischen Untersuchungen zu den Auswirkungen von "Fracking"? Und woher kommen die vielen Krankheiten der Bewohner dann stattdessen?

Problematik der Transparenz

Lediglich kurz gestreift wird das Thema der Transparenz. Die genaue Zusammensetzung des beim "Fracking" verwendeten Chemikaliengemisches muss in den USA nämlich nicht bekannt gegeben werden. Folglich kann es passieren, dass ein Patient in den USA auch nicht erfährt, wenn die Gesundheit durch eine "Fracking"-Chemikalie zu Schaden gekommen ist. Wie eine Ärztin erzählt, müssen die Mediziner eine Geheimhaltungsklausel unterzeichnen, wenn sie beispielsweise Mitarbeiter einer Bohrfirma behandeln, und dürfen die genauen Inhaltsstoffe selbst gegenüber ihren Patienten nicht preisgeben.

In Großbritannien sind Bohrfirmen allerdings verpflichtet, die Bestandteile der benutzten Chemikalien offen zu legen. Also wäre die Transparenz in Europa gegeben und die Umweltauswirkungen somit besser zu kontrollieren? Dieser Frage geht die Dokumentation ebenfalls nicht nach.

Zuletzt zeigt die Doku Bilder, die man bereits aus dem Film "Gasland" kennt: Untersuchte Trinkwasserbrunnen in Pennsylvania weisen extrem hohe Werte an Methangas auf. Zündet man das Wasser an, brennt es. "Fracking"-Flüssigkeiten seien aber explizit nicht nachgewiesen worden, lautet das Fazit.

Unbefriedigendes Ende

Am Ende bleibt man mit einer Menge an Basisinformationen und nur Ausschnitten an interessanten Einblicken zurück, weiß aber noch immer nicht genug über die brennenden Fragen, mit denen uns die Dokumentation allein zurück lässt: Was sollen wir tun? Wollen wir "Fracking"? Und was ist der ultimative Preis, den wir dafür zahlen werden?

Kommentare

Lasst uns unser über Jahrzehnte sorgsam behütetes Trink- und Grundwasser auch noch verseuchen. Es reicht nicht, dass wir Unmengen an radioaktiven Müll aus den Kernkraftwerken oberirdisch rumliegen haben, wir müssen die Erde nun nicht nur aushöhlen, sondern auch noch so richtig verseuchen. Nur zu, es gibt sicher ein paar große Energieunternehmen, die die Kosten dem Steuerzahler aufs Auge drücken.

So richtig Neues war dem Artikel auch nicht zu entnehmen. Fracking ist ein Verbrechen an der Natur und am Menschen. Warten wir doch erst einmal ab, wie lange unsere Freunde über dem großen Teich sich das noch leisten können und wie lange deren Trinkwasserreserven sauber bleiben. Alle bekannten "Nachteile" brauchen nicht dauernd diskutiert werden.

Wer Fracking unterstützt, macht sich eines Verbrechens an Umwelt, Mensch und Tier verantwortlich. Persönlich.

Wollen wir Fracking? Nein wollen wir nicht. Und immer noch kann mir keiner dieser Industriekaptäne sagen, welche Auswirkungen das Einbringen von etlichen hundert zum Teil hochtoxischen Chemikalien ins Erdreich hat. Und die Frage, warums dazu keine medizinischen Untersuchungen gibt, ist leicht zu beantworten: weils keiner bezahlt ( is halt ein Dilemma, wenn Universitätsinstitute von Drittmittelfinanzierung durch Konzerne abhängig sind).
Und bevor ich nicht absolut sicher bin, dass die Schlange nicht giftig ist, lass ich mich nicht beißen. Überleben heißt sich an der richtigen Stelle gefürchtet zu haben.

Was zählt der Mensch eigentlich noch? Längst hat Gott Mammon das Steuer übernommen...
Die letzten Fragen wären einfach zu beantworten. Wären. Wir wollen Fracking natürlich nicht. Niemand kann derzeit beantworten, was im Inneren der Erde geschieht, wenn wir so weitermachen. Und es gibt immer noch genügend Potenzial, Energie zu sparen. Und es gibt erneuerbare Energien. Und, und, und....

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Eine riesige Blase die am Platzen ist. Die Investitionen in Fracking sind 2013 deutlich zurück gegangen. Die US Energieagentur sieht das Fördermaximum bereits 2017 erreicht, nachdem bedeutende Änderungen nach unten an den Schätzungen vorgenommen wurden.

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das ist doch nicht mal das Problem, sondern die Tatsache dass die Industrienationen im Westen an den Punkt angelangt sind wo sie anfangen mit der Brechstange das Energieproblem zu lösen! Allen voran die Amis!

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