Doch kein baldiger Abzug? Britische Soldaten könnten bis 2012 im Irak bleiben

Geheimbericht steht im Gegensatz zu Blair-Plänen Zahlreiche Tote und Verletzte bei neuer Gewaltwelle

Britische Soldaten könnten einem Zeitungsbericht zufolge deutlich länger als bisher angenommen im Irak stationiert bleiben. Der "Sunday Telegraph" berichtete unter Berufung auf Geheimpläne ranghoher Militärvertreter, dass britischen Truppen noch bis 2012 dort bleiben könnten.

Der Bericht steht im Gegensatz zu Äußerungen von Regierungschef Blair, der vor kurzem eine erste Truppenreduzierung von 7.100 auf 5.500 Soldaten bereits zur Mitte des Jahres angekündigt hatte. Im Irak starben bereits 140 britische Soldaten.

Zahlreiche Todesopfer nach Anschlagsserie
Bei neuen Gewalttaten im Irak sind mindestens 24 Menschen getötet und rund 50 weitere verletzt worden. Bei einer Explosion in der 30 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt Mahmudiya wurden mindestens 15 Menschen getötet und mehr als 25 weitere verletzt.

Über die Ursache der Explosion in Mahmudiya gab es zunächst unterschiedliche Angaben. Während die Polizei von einem Raketenangriff sprach, handelte es sich dem Bürgermeister Muaid al-Amiri zufolge um die Detonation einer Autobombe. Amiri gab die Zahl der Todesopfer mit 17 an und sprach von 26 Verletzten. Die Explosion riss einen zehn Meter breiten Krater in den Boden. Geschäfte und Wohngebäude wurden schwer beschädigt. Viele der Verletzten hatten sich zum Zeitpunkt der Explosion in ihren Häusern aufgehalten.

Bei einem Selbstmordanschlag in Bagdad wurden unterdessen mindestens fünf Menschen getötet. 20 Personen wurden verletzt. Vier US-Soldaten starben nördlich von Bagdad bei einem Bombenanschlag. Die US-Streitkräfte erklärten, die Explosion habe sich am Samstag in der Nähe des Fahrzeugs der Soldaten ereignet. Ein weiterer Soldat sei verletzt in ein Militärspital gebracht worden. Allein seit Monatsbeginn sind im Irak 21 US-Soldaten ums Leben gekommen.

US-Armee nahm ranghohes Al-Kaida-Mitglied fest
Die US-Armee teilte mit, der festgenommene Verdächtige gelte als "Vertrauter des Emirs der Al-Kaida in Bagdad". Er sei an "zahlreichen Autobombenanschlägen in der Gegend von Bagdad" beteiligt gewesen. Bei seiner Festnahme sei er in Begleitung zweier weiterer Verdächtiger gewesen. Einer von ihnen sei ein "bekanntes Mitglied" einer Zelle, die Autos für Bombenanschläge präpariere. Armeesprecher Christopher Garver sagte, die Festnahme sei "ein bedeutender Schritt" in den Bemühungen, das Netzwerk zu zerschlagen, das Fahrzeuge mit Bomben präpariere.

Maliki durfte nicht über Iran fliegen
Der irakische Premier Maliki wurde von Teheran daran gehindert, über iranisches Territorium nach Japan zu fliegen. Maliki konnte daher nicht pünktlich zu einem offiziellen Besuch in Tokio eintreffen. Der iranische Außenamtssprecher Mohammad Ali Hosseini verwies darauf, dass die irakische Regierungsmaschine keine Überflugerlaubnis gehabt habe. Alle Flüge über iranisches Territorium bräuchten eine Genehmigung, betonte er. Es handle sich um eine "technische Frage".
(APA/red)