Wer ist Anna F.?

Austro-Sängerin provoziert derzeit mit der Zeile "I just wanna fuck your friend"

Wenn diese Dame provoziert, so geschieht es nicht, um Lärm zu schlagen. Das braucht man nicht, wenn man die 2.600 Seelen der Heimatgemeinde Friedberg und den international begrenzt verwertbaren Namen Wappel einmal hinter sich hat. Die jetzt so genannte Anna F. ist 27 und hat in Österreich schöne Erfolge erzielt: ein Amadeus Award, gut dotierte Werbedeals, viele Fans. Nun aber ist ihr Austria "too small“ geworden. Die Lust auf Dimensionen jenseits der Alpenrepublik hat sie gepackt, Anna F. begegnet der Herausforderung in Berlin und rotzfrech. Singt im aktuell auch auf Ö3 hörbaren Lied "DNA“, was sich üblicherweise nicht zu singen ziemt: "It‘s okay, I just wanna fuck your friend“.

von Anna F. © Bild: APA/Neubauer

Sex ist provokanter als Tod

Im zugehörigen Video wirft die zuvor eher esoterisch Verstrubbelte laszive Blicke und vollführt explizit anmutende Tänze. "Achtung, diese Frau will mit deinem Freund schlafen!“, warnte schon das deutsche Musikorgan VIVA. Tatsächlich lukrierte das Resultat 145.000 Klicks auf Youtube. Anna F. könnte die gezielt eingesetzte Aufregung mit genussvollem Lächeln quittieren. Das aber ist nicht nach der Art der ehrgeizigen Steirerin. "Diese Schlagzeile war wirklich billig, weil darum geht es gar nicht“, schmollt sie im NEWS-Interview wider die Unholde von VIVA. Sondern vielmehr: "Es geht um eine Person, die glaubt, sich alles erlauben zu können, und sich danach auf ihre DNA beruft. Die sagt:, Ich bin halt so‘.“ Andererseits wurde die vieldiskutierte Zeile noch in letzter Minute zum Wachrüttler geschärft. "Ursprünglich hieß es an dieser Stelle, I just wanna kill your friend’. Wir haben das in einer Nachtsession noch geändert, weil es provokanter ist, und ich wollte, dass wirklich klar wird, worum es geht.“

An marketingbefördernden Tabubruch will sie dabei nicht gedacht haben. "Ich habe mir keine Reaktionen ausgemalt, sondern einfach meinen Song so gemacht, wie er sein soll. Und letzten Endes: "Mein Gott, ja dann provoziere ich jetzt halt einmal“, sagt sie versonnen. Philosophischer Nachsatz: "Völliges Ignorieren von Grenzen ist nicht mein Ding, aber als Künstler gibt es hier eine Gratwanderung: Einerseits musst du bei dir bleiben, anderseits emphatisch bleiben und nicht nur deinen Ego-Trip haben.“

Die Zeichen auf Hit

Nun scheint tatsächlich ein Hit geglückt. Der Song sollte zunächst bloß im Internet auf Annas 2014 erscheinendes Album "King In The Mirror“ Lust machen. Nun wird er, im Gefolge großer Nachfrage, als Single veröffentlicht und per Radiotour und Konzertserie in Deutschland unter die Hörerschaft gebracht. Österreich ist dabei von keiner Bedeutung mehr. Die Wiener Wahlheimat erwies sich zuletzt als kontraproduktiv im kreativen Prozess. "Ich habe Songwriting-Sessions zuhause gemacht. Ein Songwriter aus Los Angeles kam sogar extra nach Wien, aber das hat am wenigsten funktioniert.“ Auszubrechen aus dem Gewohnten - die Strategie der vergangenen beiden Jahre.

Berlin, nunmehr ihre Heimat, ist eine der Stationen. Dann ging es nach Los Angeles und New York, wo sie mit Songschreibern wie Rick Nowels (Madonna, Santana, Celine Dion) arbeitete. Die Klientel wurde damals mit Kurzfilmen aus der Ferne versorgt: Anna F. am Strand tanzend, in der Straßenmitte meditierend, in Zwiesprache mit ihrer Gitarre. "Ich habe einfach Spaß an der Selbstdarstellung“, erklärt sie sich selbst zur Hauptklientin dieser Aktionen. "Spaß daran mich nicht zu ernst zu nehmen. Mein Freund Max und ich gehen einfach ohne Konzept los und finden immer etwas, das uns zu Filmchen inspiriert.“

Sexy? Nein! Single? Ja!

Nicht falsch verstehen, bitte. Max, ist tatsächlich bloß ein Freund und Anna F. zufriedener Single. Mehr will die ehemals mit Musiker, Mentor und Manager Alex Deutsch Liierte nicht sagen. Auch nicht über Förderer Lenny Kravitz, der die 2009 als Vorgruppe Agierende auch für die anderen Konzerte seiner Tour engagierte. Von einem Song des neuen Albums wäre Kravitz besonders beeindruckt, sagt sie geheimnisvoll, erklärt sich darob aber nicht beeindruckt. "Ich habe gelernt, auf das zu hören, was ich selbst gut finde.“ Dergleichen war die wichtigste Lehre in den USA.

"Ich ging mit soviel Respekt hinüber, bis ich merkte: Das sind auch nur Menschen!“ Am Ende entschied sie sich bewusst gegen die amerikanischen Gepflogenheiten. "Was drüben passiert, ist ein bisschen wie Fließbandarbeit. Die wollen unbedingt Hits schreiben, auf Druck. Und das hört man auch, das ist mir zu gewollt, nicht mein Ding“. Also wird ein Deutscher namens Philipp Steinke das neue Album produzieren. Branchenriese Universal Music Deutschland steckt dahinter. Man glaubt an den Erfolg der 27-Jährigen mit den wilde Locken und dem lasziv-ungeschminkten Augenaufschlag. Gekonnt spielt sie mit der eigenen Attraktivität, als würde sie von deren Vorhandensein überrascht. "Sexy? "Keine Ahnung? Weiß ich wirklich nicht, das ist eine schwierige Frage.“

Anna denkt, Gott lenkt

Beantwortbarer ist die Frage nach aktuellen Prioritäten der Sängerin, die 2011 im durchaus expliziten deutsch-österreichischen Psychodrama "Invasion“ erste Erfolge als Filmschauspielerin feierte. "Es gibt ein sehr spannendes Filmangebot, aber mein Album geht vor. Vielleicht wird‘s trotzdem was.“ Das Schicksal wird es entscheiden. "Ich habe ein Urvertrauen, dass die Dinge so geschehen, wie sie sollen. Auch Dinge, die nicht klappen, wie ich mir gewünscht hätte, sehe ich entspannt. In einigen Jahren werde ich verstehen, warum das gut so war. “Wir nehmen sie beeindruckt beim Wort.

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