Diskussionen um Wörtherseebühne: SPÖ und ÖVP für Aussetzen der Saison 2005!

FPÖ will trotz der hohen Verluste 2004 heuer spielen

Angesichts der hohen finanziellen Verluste der Wörtherseebühne im vergangenen Sommer treten SPÖ und ÖVP dafür ein, die diesjährige Spielsaison auszusetzen. Die FPÖ mit Kulturreferent Landeshauptmann Jörg Haider spricht sich hingegen für eine Bespielung aus. Derzeit steht allerdings offiziell noch nicht fest, was überhaupt zur Aufführung gelangen soll.

Der Stellvertretende SPÖ-Landeshauptmann Peter Ambrozy hat am Montag angesichts eines angeblichen Bilanzverlustes von zumindest 2,1 Millionen Euro in der Spielsaison 2004 Alarm geschlagen und von einem "Konkursfall" gesprochen. Eine Bespielung in dieser Saison sei dem Steuerzahler nicht zumutbar, die Wörtherseebühne müsste vielmehr sowohl in wirtschaftlicher als auch in künstlerischer Hinsicht "generalüberholt" werden.

SPÖ-Kultursprecherin Nicole Cernic assistierte, man sollte eine Lösung des Vertrages mit dem designierten Intendanten Renato Zanella in Erwägung ziehen. Es sei "undenkbar, weiter Millionen Euro aus öffentlichen Steuermitteln für einen Sanierungsfall aufzuwenden, der nicht mehr zu sanieren ist". Wenn man die Bühne ab 2006 wieder bespielen wolle, gehe das nur mit einem völlig neuen finanziellen, organisatorischen und künstlerischen Konzept "und vor allem mit Verantwortlichen, die ihre Profession verstehen".

In das selbe Horn stößt auch die ÖVP. Mit dem Verzicht auf eine Spielsaison 2005 würde sich die Chance eröffnen, die "finanziell und künstlerisch desolate" Bühne zu retten. ÖVP-Chef LR Josef Martinz: "Wir halten die Wörtherseebühne weiterhin für ein wesentliches kulturelles Aushängeschild des Landes. Ohne professionelles Management sowohl in künstlerischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht, bleibt die Bühne aber was sie ist - ein feuchtes Millionengrab." Der ÖVP-Obmann tritt für die Installierung einer Festspielkommission nach dem Beispiel Salzburgs ein.

Für eine Bespielung der Wörthersee-Bühne auch im laufenden Jahr plädiert hingegen der Landeshauptmann. Wenn man die Bühne politisch nicht habe wolle, müsse man dies klar sagen, betonte Haider. Die Wörtherseebühne sei ein geringer Kostenträger und ihre Ablehnung wäre ihm daher unverständlich.

Der für Finanzen zuständige freiheitliche LHStv. Karl Pfeifenberger nannte die von SPÖ-Chef Ambrozy verbreitete Bilanzzahl für 2004 "nicht korrekt". In den kolportierten 2,1 Mio. Euro seien nämlich fälschlicherweise auch die Ratenzahlungen für die erfolgte Olympiabewerbung Kärntens miteingerechnet worden. "Die künstliche Aufregung ist daher nicht gerechtfertigt", sagte Pfeifenberger.

Wie hoch der Abgang tatsächlich ist, wird in der Aufsichtsratssitzung der Wörthersee-Festspiele am (morgigen) Dienstag auf den Tisch gelegt werden. Die Produktion "Tosca - amore disperato" von Lucio Dalla in der Saison 2004 war zwar beim Publikum zumeist gut angekommen, entpuppte sich aber als ein finanzieller Flop. (apa)