Dirk Stermann von

Buchpräsentation "Stoß im Himmel"

Kabarettist veröffentlicht zweiten Roman - Untertitel "Schnitzelkrieg der Kulturen"

Dirk Stermann © Bild: APA: HERBERT PFARRHOFER

Die Familie Gluske hat es nicht leicht. Von Schicksalsschlägen geprägt musste sich Oma Hilde dem Lungenkrebs geschlagen geben, Sohn Ludger als wandelndes Grippeopfer beim deutschen Wehrdienst zermürben lassen und schließlich die Enkel Rudi und Rosa ihre eigenen Kämpfe austragen - wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen. Dirk Stermanns zweiter Roman "Stoß im Himmel" ist zwar als "Schnitzelkrieg der Kulturen" untertitelt, greift aber bei weitem mehr auf als absurde Tendenzen der Integrationsdebatte. Gekonnt verwebt der Kabarettist kulturelle Unterschiede mit einer ebenso unterhaltsamen wie melancholischen Familien- und Liebesgeschichte, in der Eier eine ganz besondere Rolle spielen.

Wie schon bei seinem Debüt "6 Österreicher unter den ersten 5" fungiert für Stermann dabei Wien als Ankerpunkt. Wo aber vor drei Jahren noch persönliche Erlebnisse in der Wahlheimat des gebürtigen Deutschen die österreichische Mentalität aufgriffen und mit einem stets wahre Kern karikierten, führt diese Familiengeschichte den Leser auch nach Düsseldorf, in ein kleines Dörfchen im Burgund sowie die kargen Weiten South Dakotas. Im Zentrum steht dabei der kleine, schmächtige und mit ellenlangen roten Haaren ausgestattete Rudi.

Kurioser Schnitzelskandal

Über ihn bricht nicht nur die Liebe in Form der energischen Französin Laetitia, sondern auch ein Sturm der Entrüstung herein, verwechselt der Nebenerwerbslehrer doch an einer Wiener Schule Schweine- und Hühnerschnitzel für die christliche und muslimische Schülerschaft. Angelehnt an einen Vorfall in Deutschland im Jahr 2010 beschreibt Stermann hier die Macht der Medien und vor allem des Boulevards in leider nur zu realistischer Manier, während der friedfertige Rudi nebenbei mit dem Schicksal seiner Schwester Rosa und seines Vaters konfrontiert wird.

Entlang mehrere Erzählstränge, durch Briefe von Rosa und einen fiktiven Roman über Ludger eingeschoben, hangelt sich Stermann von einer Szenerie zur nächsten und besticht besonders durch die zwar knappen, aber atmosphärisch dafür umso dichteren Beschreibungen der Handlungsorte. Gewinnt man zu Beginn den Eindruck eines erneut ganz auf Kleinteiligkeit ausgerichteten Werks, werden zusehends Fäden geknüpft, Lücken geschlossen und muss sich Stermann, der als Freund und Gluske-Chronist in Erscheinung tritt, schon mal die Textkritik seines transsexuellen Falafelverkäufers am Naschmarkt gefallen lassen.

Gekonnte Charakter-Porträts

Besonders in der liebevollen Charakterzeichnung liegt erneut die Stärke des 47-jährigen Autors: Eine ganze Horde von Figuren eilt Familie Gluske und allen voran Rudi zu Hilfe, von Laetitias kämpferischem, 107-jährigen Ururgroßvater Ulysse über wortgewandte Cobrabeamte bis zu einem Russen, der für jeden Notfall "einen Mann" (oder gleich mehrere) parat hat. "Wer könnte uns jemals besiegen?" fragt Laetitia angesichts dieser voll Tatendrang vibrierenden Armada.

Als Verbindung dient einerseits die Wohnung der Gluskes im Stoß im Himmel 3 im ersten Wiener Bezirk, andererseits ein verhängnisvoller Plan, der Grippeviren und Eier beinhaltet. Mit diesen "Kampfeiern" wird auf zwei Kontinenten Unwesen getrieben, denn Widerstand hat noch keinem geschadet, wie es Ulysse wohl ausdrücken würde. Dirk Stermann ist mit "Stoß im Himmel" erneut ein kurzweiliger Roman geglückt, der mit einigen neuen, oft nachdenklicheren Facetten überrascht. Am morgigen Samstag präsentiert der Autor seinen Zweitling um 20 Uhr im Wiener Rabenhof, unterstützt wird er dabei von Naked Lunch-Frontmann Oliver Welter.

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