Diplomatische Krise im Golf: Iran nimmt 15 britische Marinesoldaten nach Inspektion fest

London fordert sofortige Freilassung der Matrosen Außenministerin zitierte Teherans Botschafter zu sich

Iranische Truppen haben im Persischen Golf 15 britische Marinesoldaten festgenommen und damit eine neue diplomatische Krise ausgelöst. Die Briten seien illegal in iranische Hoheitsgewässer gefahren, hieß es in Irans Staatsfernsehen. Die Regierung in London erklärte jedoch, der Vorfall habe sich im irakischen Teil der Wasserstraße ereignet. "Wir sind extrem beunruhigt", sagte die britische Außenministerin Margaret Beckett. Der Ölpreis stieg in Folge des Zwischenfalls auf über 63 Dollar pro Barrel.

"Um etwa 10.30 Uhr irakischer Zeit wurden 15 britische Marinesoldaten, die zu dem Zeitpunkt routinemäßig Handelsschiffe in irakischen Gewässern kontrollierten, von einem iranischen Marineboot festgenommen", erklärte das britische Außenministerium. Der iranische Botschafter wurde ins Außenamt einbestellt. "Die britische Regierung forderte die sofortige und sichere Rückkehr unserer Leute sowie unserer Ausrüstung." Die Begegnung sei "lebhaft, aber herzlich" verlaufen, sagte ein hochrangiger Ministeriumsvertreter. Irans Außenamt antwortete, indem es den britischen Geschäftsträger in Teheran einbestellte. Die Regierung habe "ernsthaft protestiert".

Der zuständige britische Marinekommandeur Nick Lambert sagte: "Ich hoffe, dass es sich nur um ein Missverständnis handelt und wir bald die Freilassung meiner Leute sehen werden." Ähnliches verlautete aus Regierungskreisen. "Wir erwarten, dass der Fehler korrigiert wird," erklärte ein Regierungsvertreter. Der Iran hatte ein Militärmanöver in der Region gestartet.

Die Festnahmen wecken Erinnerungen an einen ähnlichen Zwischenfall vor drei Jahren: Damals verbrachten acht britische Soldaten drei Nächte in iranischer Gefangenschaft, bevor sie von einer iranischen Spezialeinheit wieder freigelassen wurden. Die iranischen Behörden warfen den Briten damals vor, in iranische Hoheitsgewässer vorgedrungen zu sein, was Großbritannien bestritt.

Zu dem aktuellen Zwischenfall sagte ein irakischer Fischer der Nachrichtenagentur Reuters in Basra, er habe die Festnahmen in der Siban-Region nahe der Halbinsel Al-Fau beobachtet. Die iranischen Soldaten hätten keine Gewalt angewendet, berichtete der Fischer, der namentlich nicht genannt werden wollte.

(apa/red)