Dioxin-Skandal zieht immer weitere Kreise:
11 der 16 deutschen Bundesländer betroffen

Bis zu 150.000 Tonnen Futter mit Gift verseucht Bauern fordern Entschädigung von Futterherstellern

Dioxin-Skandal zieht immer weitere Kreise:
11 der 16 deutschen Bundesländer betroffen © Bild: Reuters/Fassbender

Der Schaden im deutschen Dioxin-Skandal wird immer größer. Mit Hessen ist nun das elfte von 16 Bundesländern betroffen. Die Bauern pochen auf eine Entschädigung von der Futtermittelindustrie und fordern einen Fonds. Die Firma, die die Verunreinigung mit Dioxin festgestellt hatte, sieht das eigene Überleben trotz Insolvenz-Gerüchten gesichert.

Auch in Rheinland-Pfalz sind erstmals Eier aus einem Betrieb entdeckt worden, der mit dioxinhaltigen Futtermitteln beliefert wurde. Es gehe um 540 Eier aus einem Betrieb in Nordrhein-Westfalen, teilte das Umweltministerium mit. Nach Veröffentlichung von Eier-Stempelnummern habe eine Verbraucherin am Info-Telefon berichtet, dass sie entsprechende Eier auf einem Wochenmarkt in der Vorderpfalz gekauft habe. Lebensmittelkontrollore suchten den Markthändler auf und überzeugten sich vor Ort, dass die Eier den Suchkriterien entsprechen. Die Eier werden entsorgt.

Bis zu 150.000 Tonnen Futter mit dem krebserregenden Gift hatten in Deutschland Unmengen von Schweinefleisch und Geflügelprodukten verseucht. Woher das Dioxin kommt, ist laut Regierung in Berlin immer noch unklar. Im Fokus der Ermittlungen steht der Futtermittelkomponenten-Hersteller Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein. Bei diesem war die Verunreinigung von Futtermitteln mit Dioxin festgestellt worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Unternehmen. Bei Razzien im Firmensitz und bei einem Partnerbetrieb im niedersächsischen Bösel hatten die Behörden bereits am Mittwoch zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt. Den Geschäftsführern werden Verstöße gegen das Lebens- und Futtermittel-Gesetzbuch vorgeworfen. Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde der Betrieb in Bösel illegal betrieben und deshalb nicht kontrolliert.

Dioxin-Alarm jetzt auch in Hessen
In Osthessen wurde am Donnerstag in einem Mastbetrieb Dioxin-Alarm geschlagen. 320 Ferkeln hatten in Thüringen belastetes Futtermittel gefressen und waren danach nach Hessen geliefert worden. In Baden- Württemberg erklärte das zuständige Ministerium, dass möglicherweise dioxinbelastete Ware ins Land gelangt ist.

Den Schaden haben vor allem die Bauern, rund 1.000 Höfe in ganz Deutschland wurden bereits gesperrt. Deshalb fordert der Branchenverband einen Entschädigungsfonds.

(apa/red)

Kommentare

Sie wundert das? Kein Wunder, wenn Essen immer billiger werden soll, und die Erzeugerkette unter dem Wahnsinns-Druck des LEH steht. Wenn dann ein Glied dieser Kette "reisst", so spürts jeder, auch der Konsument. Geiz ist geil!
Ein Schwein frisst pro Tag 4-6 kg Futter, und wird ca. 100 Tage bis zur Schlachtung gefüttert. Daraus kann man errechnen , was eine Menge von 150.000 Tonnen bedeutet, das sind 150 Mio. kg!! Ich denke, daß man diese Futtermenge realistisch nicht bis in den letzten Winkel zurückverfolgen kann. So mancher Konsument wird das essen, was er nie wollte, aber vom Handel als "billig und gut" angepriesen bekam.

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