Diözesanbischof Aichern tritt zurück: Wechsel an der Spitze der Linzer Kirche

"Sicherlich nicht" wegen Kritik aus konservativen Kreisen Kardinal Schönborn und Politiker würdigen den Bischof

Der Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern ist aus Altersgründen zurückgetreten. Sein von Papst Benedikt XVI. angenommenes Rücktrittsgesuch wurde am Mittwoch um 12.00 Uhr wirksam und veröffentlicht. Aichern antwortete in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz auf die Frage, ob sein Rücktritt wegen der Kritik aus konservativen Kreisen an seiner toleranten Amtsführung erfolge: "Sicherlich nicht. Da hätte ich schon viel früher zurücktreten müssen". Der Rückzug löste allseits Bedauern aus.

Aichern bekräftigte, der Rücktritt sei allein aus Altersgründen erfolgt: "Es ist nicht gut, wenn überall Opas am Werk sind". Erneuerung sei wichtig. Aichern lehnte es ab, einen "Wunschnachfolger" nennen. Der Prozess für die Bischofsfindung sei noch gar nicht eingeleitet. Aber dieser sollte auf dem Boden gewachsen sein, für den er später kirchlich verantwortlich sein soll, weil es wegen der Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern sonst Jahre dauere, bis er eingearbeitet sei. Es könne aber auch gut sein, wenn jemand von woanders komme, gab er zu bedenken und nannte als Beispiel Innsbruck. Der Nachfolger sollte "ein glaubendes Herz, viel glaubende Substanz haben, eine gesunde Menschenfreundlichkeit und ganz schön weltoffen sein, damit er nicht übersieht, was vor sich geht".

Seinem Nachfolger legte er unter anderem die Glaubensweitergabe, sowie die Kinder und die Jugend ans Herz, die die Zukunft und Heimat der Kirche seien. Außerdem machte er auf die Option für die Armen aufmerksam: "Die Verteilungsgerechtigkeit müsste uns allen auf der Seele brennen" - in Österreich und in der so genannten Dritten Welt.

Schönborn und Politiker würdigen den Bischof Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, erklärte zum Rücktritt, die Diözese Linz und die gesamte Kirche in Österreich verliere mit Aichern einen bewährten und in vielerlei Hinsicht engagierten Hirten. Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (V) lobte Dialogfähigkeit und Menschennähe von Aichern. Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider (S) sprach vom "sozialen Gewissen in unserem Land", Landesrat Rudi Anschober (G) von einem "schweren Verlust für eine weltoffene Kirche".

Günther Steinkellner, Obmann der Freiheitlichen Partei Oberösterreich, zeigte Verständnis für Aicherns Entschluss. Der Präsident der Arbeiterkammer und Vorsitzende des ÖGB Oberösterreich Johann Kalliauer würdigte ihn als "Arbeiterbischof". Der Präsident der Caritas-Österreich Franz Küberl betonte besonders Aicherns Wirken als "Sozial-Bischof". Die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) Luitgard Derschmidt drückte ihr tiefes Bedauern über den Rückzug "einer vorbildlichen und dialogbereiten Führungspersönlichkeit in der österreichischen Kirche" aus. Der evangelische Bischof Herwig Sturm und der oö. Superintendent Hansjörg Eichmeyer bezeichneten Aichern als "vorbildlich ökumenisch".

Gebürtiger Wiener und Sohn eines Fleischhauers
Maximilian Aichern, am 26. Dezember 1932 als Sohn eines Fleischhauers in Wien geboren, war 23 Jahre Bischof von Linz, nachdem er Abt des Benedikter-Stiftes St. Lambrecht in der Steiermark gewesen war. Er erwarb sich rasch die Zuneigung des Kirchenvolkes. Lediglich ein kleiner Kreis von extrem konservativen Katholiken, die ihn auch in Rom anzeigten, übte immer wieder Kritik an dem toleranten Bischof.

Innerhalb der österreichischen Bischofskonferenz war Aichern u.a. zuständig für Sozialfragen sowie die Bereiche Orden, die Katholische Aktion und die Arbeitnehmerseelsorge. Unter seiner Federführung erarbeiteten die Bischöfe den "Sozialhirtenbrief", der 1990 erschienen ist. Aichern, dem das Thema "Frau und Kirche" ein besonderes Anliegen ist, gilt als ein vehementer Verfechter des arbeitsfreien Sonntags und des Erhalts der kirchlichen Feiertage.

(apa/red)