Dinko Jukic von

Als Sechster ins Finale

Österreicher steht über 200-Meter-Delfin erstmals in einem Olympia-Endlauf

Dinko Jukic - Als Sechster ins Finale © Bild: APA/Schlager

Dinko Jukic steht zum ersten Mal in seiner Karriere in einem Olympiafinale. Über 200-Meter-Delfin schwamm der Österreicher im Londoner Aquatics Center in 1:54,95 als Sechster der Halbfinali in den Endlauf. Danach ließ Jukic erneut aufhorchen, diesmal aber nicht mit Kritik sondern einer Kampfansage. "Alle acht können in die Medaillenränge kommen und auch gewinnen", erklärte der Österreicher. Auch er selbst könne gewinnen. 2008 in Peking war der 23-Jährige über diese Distanz noch Zehnter gewesen. Die Medaillenentscheidung fällt heute Abend um 20.49 Uhr MESZ.

Jukic war wie im Vorlauf neben Michael Phelps geschwommen, diesmal aber auf Bahn vier und der US-Superstar auf drei statt umgekehrt. Das OSV-Ass riss auf den ersten 150 m noch mehr Rückstand als am Vormittag auf, dafür legte er auf der letzten Länge noch mehr zu. "Ich habe ein bisschen zu sehr auf meine Stärke auf den letzten 50 Metern vertraut", erklärte Jukic. "Die ersten 150 Meter waren eher zurückhaltend." Bei der letzten Wende war er bloß Elfter des 16er-Feldes.

"Nach der letzten Tauchphase habe ich aber gewusst, dass es sich ausgeht", fügte der SC-Austria-Wien-Athlet an. "Auf den 30 Metern der letzten Länge habe ich alles herausgeholt, die letzten 15 Meter waren dann wieder eher locker. Den Anschlag habe ich dann nicht gut erwischt." Demzufolge sieht Jukic für den Endlauf noch einiges an Reserven. "Es ist noch einiges drinnen. Aber ich bin schon jetzt in meinem ersten Olympia-Finale und habe gezeigt, dass ich bei der Weltspitze dabei bin."

Enges Finale zu erwarten
Der neunfache Medaillengewinner bei Großereignissen schätzt das Feld sehr ausgeglichen ein. Und in der Tat lagen im Semifinale zwischen dem Japaner Takeshi Matsuda (1:54,25) und dem achtplatzierten Serben Velimir Stjepanovic (1:55,13) nicht einmal 9/10 Sekunden. Die weiteren Finalteilnehmer sind Chad le Clos (RSA), Chen Yin (CHN), Phelps, Tyler Clary (USA) und Pawel Korzenowski (POL). Jukic: "Alle acht können in die Medaillenränge kommen und auch gewinnen."

Jukic selbst traut sich also auch den Sieg zu, auch wenn er trotz der Bestzeit im Vorlauf (1:54,79) nicht der erste Anwärter darauf ist. Dass selbst Phelps schlagbar ist, hat man bei diesen Titelkämpfen allerdings auch schon gesehen. "Der österreichische Rekord muss auf alle Fälle fallen", meinte Jukic wie selbstverständlich. Seine nationale Bestleistung von 1:54,42 wird in der Tat kaum für eine Medaille reichen. "Ich glaube, dass man 1:53 für eine Medaille braucht und 1:52 hoch für Gold."

Jukic setzt auf sein Finish
Taktisch wird Jukic in der Entscheidung wieder auf sein Finish setzen, aber auch schon vorher Gas geben. "Ich darf keine Hektik hineinkommen lassen. Ich muss wieder mehr auf Zug schwimmen, damit ich besser vorankomme." Mit seinem Trainervater Zeljko Jukic wollte er noch besprechen, vielleicht schon 75 Meter vor dem Anschlag zum Endspurt anzusetzen. "Wenn ich da schon anfange zu drücken, habe ich auch noch die Wende und die Tauchphase."

Nicht ins Finale geschafft hat es u.a. Laszlo Cseh, nachdem ihm das schon über 400 m Lagen nicht gelungen war. Der Ungar gilt als einer der ersten Rivalen von Markus Rogan über 200 m Lagen auf Bronze. Schon so gut wie auf dem Heimweg ist Nick D'Arcy, der Australier wurde einen Platz hinter Cseh 13. Das nationale olympische Komitee seines Landes hatte ihn zur Heimfahrt nach dem Bewerb vergattert, da er in sozialen Netzwerken auf Fotos mit Schusswaffen zu sehen war.

Rogan hat Recht
Ungewöhnliche Zustimmung zeigte Dinko Jukic gegenüber den Aussagen von Markus Rogan. "Im Schwimmsport ist es so: je weniger man nachdenkt, desto besser ist es. Je weniger Gedanken du dir über das Rennen und die Gegner machst, desto besser wird es klappen. Markus hat das zwar ein bisschen stolperhaft ausgedrückt, aber so wie er es gemeint hat, hat er recht."