Digitalisierung von

Kinder & Jugendliche gefangen im Netz

© Video: News.at

"Ich erlebe Jugendliche, die sich im direkten Gespräch mit einer Person sehr schwer tun. In der Kommunikation über das Handy ist es hingegen kein Problem", erzählt Dr. Susanne Skriboth-Schandl im News-Interview auf der "News bewegt"-Messe in der Krieau. Natürlich seien digitale Begleiter aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch für Kinder und Jugendliche. Aber: "Es ist wichtig, dass es auch noch anderen Aktivitäten gibt."

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Ab wann spricht man von Internet-Sucht?

Die Psychologie spricht von der Diagnose 'Internet Gaming Disorder' dann, wenn mehrere Kriterien zutreffen. Unter anderem kommt es darauf an, wie viel Zeit vor dem Bildschirm verbracht wird. Ab einer Dauer von sechs bis acht Stunden wird es problematisch. "Weiters kommt es in der Schule oder der Arbeit zum Leistungsabfall, da sich betroffene Personen nicht mehr konzentrieren können", so die Psychotherpeutin. Soziale Beziehungen sind nur noch minimal bis gar nicht mehr vorhanden, bzw. bestehen nur noch über Soziale Netzwerke und dergleichen. Internetsüchtige nehmen an keinen Aktivitäten mehr teil und machen falsche Angaben dazu, wie viel Zeit sie tatsächlich im Netz verbringen.

Was macht Kindheit heutzutage so anders?

Laptop, Smartphone und Co. sind ein Teil unseres Alltages geworden und insofern wachsen Kinder heutzutage damit auf. Man muss diese Dinge aber als Gebrauchsgegenstand oder Arbeitstool sehen und verwenden. Viele Dinge, die man damit machen kann, sind natürlich toll. Oft kommt es aber zu einem problematischen Umgang damit. Manches kommt dadurch aber zu kurz. Zum Beispiel körperliche Dinge. Die Kinder bewegen sich weniger, sie sind weniger draußen in der Natur. "Daraus resultieren Haltungsprobleme, die Sehfähigkeit ist deutlich beeinträchtigt und vieles mehr."

»"Wir müssen unsere Kinder so erziehen, dass sie medien-kompetent sind." «

Wie holt man Kinder und Jugendliche aus dem "Netz"?

"Wir müssen unsere Kinder so erziehen, dass sie medien-kompetent sind." Um Kindern das zu vermitteln, muss man sich laut Expertin den Umgang der ganzen Familie mit digitalen Angeboten ansehen. "Wenn etwa die Regel lautet, beim Essen gibt es kein Handy, müssen sich auch alle daran halten. 'Für mich ist es ja die Arbeit' darf nicht gelten." In der ganzen Familie soll es handyfreie Zeiten und Zonen geben, wie etwa am Esstisch oder auf gemeinsamen Ausflügen. Auch die Schulen seien gefordert, den Kindern einen gesunden Umgang mit Smartphone und Co. zu vermitteln, sagt Dr. Susanne Skriboth-Schandl.

Ab welchem Alter darf das Kind vor den Bildschirm?

"Als Kinderärztin erlebe ich es sehr oft, dass Eltern schon Babys das Handy geben. Das ist ganz schwierig, das überfordert Baby und Kleinkinder sehr!" In der Volksschule geben Eltern Kindern oft ein Handy, um den Nachwuchs erreichbar zu machen. Hierfür zeigt die Expertin Verständnis. Wichtig sei es, genau darauf zu achten, worauf die Kinder Zugriff haben. "Ist der Internetzugang offen, werden erfahrungsgemäß schon in der Volksschule Pornos geschaut." Kindgerechte Sperren sind unbedingt erforderlich. Spiele sollen gemeinsam mit den Eltern gespielt werden. Nur so können sich diese ein genaues Bild davon machen, welchen Inhalten ihre Jüngsten ausgesetzt sind.

»"Mit echten Menschen echte Gespräche führen"«

Welche drei Dinge sollten Kinder regelmäßig tun - abseits von digitalen Angeboten?

Kinder sollten sich regelmäßig bewegen, mit Freunden treffen und bestenfalls noch in Kontakt mit Musik kommen. "Weil: Alle Erfahrungen, die wir machen machen auch ein Abbild in unserem Gehirn." Neuronale Netzwerke werden etwa von Erlebnissen in der Natur stimuliert. Genauso verhält es sich mit Musik. "Man weiß, dass Musik das räumliche Denken schult und mathematische Fähigkeiten werden durch das Spielen eines Musikinstruments deutlich verbessert." Essentiell ist, sich mit Freunden und Familie zu treffen. "Mit echten Menschen echte Gespräche führen, das finde ich auch noch wichtig", sagt Kinderärztin und Psychotherapeutin Dr. Susanne Skriboth-Schandl.

Zur Person:
Dr. Susanne Skriboth-Schandl ist Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde und Psychotherapeutin in Wien.
www.skriboth.at