Vierschanzentournee von

Skispringen: Diethart
holt sich Tournee-Gesamtsieg

21-jähriger Niederösterreicher schreibt in Bischofshofen Skisprung-Geschichte

Skispringen: Thomas Diethart holt sich den Tournee-Gesamtsieg. © Bild: APA/EPA/BARBARA GINDL

Über 20.000 Zuschauer an der Paul-Außerleitner-Schanze, Millionen an den Fernsehgeräten und viele Experten konnten es kaum glauben: Senkrechtstarter Thomas Diethart zog am Dreikönigstag in Bischofshofen seine Flug-Show bis zum Schluss durch, holte seinen zweiten Weltcup-Sieg und krönte sich als Debütant bei der Vierschanzen-Tournee zum Triumphator.

Sein großes Vorbild Thomas Morgenstern und der weiter ohne Tourneesieg dastehende Simon Ammann (SUI) mussten sich dem neuen Stern am Springerhimmel geschlagen geben. Morgenstern zog bei der Siegerehrung demonstrativ seine Mütze vor dem coolen 21-Jährigen aus Michelhausen bei Tulln. Der hatte mit Sprüngen auf 138,5 und 140 m und perfekter Landung den Angriff der beiden vielfachen Olympiasieger abgewehrt.

Sieger: "Es ist so geil"

"Es ist so geil. Ich habe den Sprung so gut getroffen und so durchgezogen und es ist echt ein Wahnsinn. Ich freu mich so", stammelte ein überwältigter, aber selbst in der Freude cool wirkender Diethart. 18,3 Punkte vor Morgenstern, 20,2 vor Ammann. Der Gesamtsieg war letztlich sogar ein recht klarer. Erst kurz vor der Tournee ins ÖSV-Team gerutscht, sorgte ausgerechnet er für den sechsten rot-weiß-roten Titel bei der Traditionsveranstaltung en suite.

Diethart setzte den i-Punkt nach dem Sieg im Neujahrsspringen und holte im achten Weltcup-Bewerb seiner Karriere in Bischofshofen sogar bereits den zweiten Tagessieg. "Ich habe es so genossen da oben. Es war beim Thomas schon so eine geile Stimmung", sagte Diethart, der die Tournee wie in Trance abgewickelt hat. "Es wird noch ein Zeiterl dauern, bis ich es realisiert habe." Über den nun wohl fixen Olympia-Platz wolle er nicht nachdenken. "Wenn ich den Kopf ausschalte, dann funktioniert es."

Diethart begründete seinen rasanten Aufstieg aus dem Nichts mit der mentalen Seite: "Ich würde sagen, das zeigt, wie schnell es im Skispringen gehen kann. Es gibt genug körperlich gute Leute, aber es kommt nur drauf an, dass man es mental umsetzt."

Erfolgreiches Comeback für Morgenstern

Ein großartiges Comeback nach schwerem Sturz Mitte Dezember hat der "andere" Thomas gefeiert. Morgenstern war im ersten Moment aber doch ein bisserl verärgert, obwohl er Ammann im Finish dank eines Supersatzes auf 142 m noch abfing, die Landung ähnlich wie Ammann im ersten Sprung aber verpatzte.

"Grundsätzlich waren es aber wieder zwei super Sprünge. Zweiter zu werden bei der Tournee mit den Voraussetzungen, hätte ich nicht gedacht", sah Morgenstern, der als Einziger des Favoriten-Trios die Tournee ja schon einmal gewonnen hatte, dann doch die Positiva. Und er zollte allen Respekt dem Shooting-Star im eigenen Team: "Thomas ist ein absolut würdiger Sieger, er hat das absolut megamäßig gemacht."

Er selbst habe bis Olympia noch viel zu arbeiten. "Aber es ist alles auf einer guten Ebene. Der zweite Rang ist extrem viel wert, weil viele gute Dinge passiert sind bei dieser Tournee", meinte Morgenstern.

Das Ärgernis vom Windspringen in Innsbruck habe er freilich nicht vergessen. Morgenstern hoffte, dass man in Zukunft daraus lernt. "Heute war einer der fairsten Wettkämpfe seit Ewigkeiten. Da hat Thomas bewiesen, dass er in bestechender Form ist und absolut würdiger Tourneesieger ist."

Auch Ammann, dem der Gang zur Siegerehrung ob des auch bei seiner 16. Tournee neuerlich versäumten Gesamtsiegs innerlich wohl schwer gefallen ist, zeigte sich als überaus sportlicher Verlierer. "Ich habe zu Thomas gesagt, ich weiß ja wie es ist, wenn ein Junger einem Arrivierten ein Schnippchen schlägt", erzählte der vierfache Olympiasieger lächelnd.

Zum Phänomen Diethart meinte der Schweizer: "Wenn man zum richtigen Zeitpunkt gewinnt, dann bekommt man einen Riesenlauf. Echt cool. Das ist eine gute Geschichte, dass es ein so junger Springer in so einem starken Team wie Österreich schaffen kann", erklärte Ammann, der übrigens weiterhin auf österreichischem Boden ohne Weltcupsieg blieb.

Über 16.000 Euro Siegesprämie

Diethart durfte sich damit nur über die Siegertrophäe, einen goldenen Adler, freuen, sondern über zusätzliche 20.000 Schweizer Franken (16.248,27 Euro) für den Titel. Er ist damit auch der erste Tournee-Debütant seit dem Norweger Anders Jacobsen 2006/07, der gleich die Gesamtwertung gewonnen hat. Es war das insgesamt erst achte Weltcup-Springen für Diethart.

Die Vierschanzen-Tournee bleibt damit weiter fest in österreichischer Hand: Seit der Tournee 2008/09 (Wolfgang Loitzl) sorgte Diethart nun für den sechsten ÖSV-Triumph in Folge.

Kommentare