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Mein Karriere-Sprung

Österreichs neuer Skisprung-Held Thomas Diethart erzählt seine Erfolgsstory.

Österreichs neuer Skisprung-Held Thomas Diethart erzählt seine Erfolgsstory. © Bild: GEPA pictures

Bischofshofen, 6. Jänner 2014, kurz vor 19 Uhr. Es ist das Finale der Vierschanzentournee. Oben am Zitterbalken sitzt Thomas Diethart, 21. Er führt nach dem ersten Durchgang des letzten Springens und in der Gesamtwertung, nur noch ein Sprung trennt ihn vom Tournee-Sieg. Unten im Stadion schreien sich mehr als 20.000 Fans die Seele aus dem Leib. Behält er die Nerven? Bleibt er cool? Diethart fährt an, hebt ab, springt so locker, als ob es nur Training wäre, setzt bei 140 Metern einen Telemark in den Schnee. Ohrenbetäubender Jubel brandet auf, allen voran feiern Vater Gernot, Mutter Christa, Schwester Nadine und Freundin Anna.

Diethart hat die Sensation geschafft. Er holt bei seiner ersten Tournee den Gesamtsieg und als Draufgabe den Tagessieg. „Das ist so geil. Ich freu’ mich so“, sagte er im Auslauf fassungslos vor Glück.

Ein Sportmärchen ist wahr geworden. Vor dem Beginn der Vierschanzentournee war Diethart nur Insidern ein Begriff. Erst vier Weltcupspringen hatte er im Gepäck, als er beim Auftaktbewerb in Oberstorf auf Anhieb Dritter wurde. In Garmisch- Partenkirchen ließ er seinen ersten Sieg folgen, sprang Stars wie Vorjahressieger Gregor Schlierenzauer oder Olympiasiegern wie Thomas Morgenstern und dem Schweizer Simon Ammann auf und davon. Österreichweit entbrannte Euphorie um den neuen Star, der sich seinen Erfolg so hart erkämpfen musste.

Aus dem Flachland an die Spitze.

Thomas Diethart stammt aus Michelhausen im Bezirk Tulln in Niederösterreich. Ein flaches Land, weit und breit keine Berge, die nächste Schanze 200 Kilometer entfernt. Dennoch hatte er schon als kleiner Bub eine Vorliebe für Höhenluft. Er kletterte auf Bäume, Lichtmasten und Dächer. „Ich kann mich noch gut erinnern, dass er immer auf die Garage seiner Eltern hinaufgeturnt ist und von dort auf das Hausdach“, sagt Gerhard Veselinov, der Nachbar der Familie Diethart. „Er hatte überhaupt keine Angst.“

Der kleine Thomas beschloss früh: Ich möchte Skispringer werden. Seine Eltern Christa und Gernot Diethart unterstützen seinen Traum. Jedes Wochenende fuhr sein Vater mit ihm ins Skisprung-Zentrum Hinzenbach in Oberösterreich, wo er das Rüstzeug seines Sports erhielt. Mehr als 50.000 Kilometer im Jahr legten Vater und Sohn zurück. „Für mich war das nie ein Problem“, sagt der neue Sport-Star im NEWS-Interview. „Es war eher für meine Eltern anstrengend, weil sie so weit fahren mussten. Als ich angefangen habe zu springen, habe ich mir gleich vorgenommen, dass ich einmal ganz oben stehen werde. Das war schon immer mein Ziel.“

Dafür nahm die Familie viel auf sich. Weil das Geld knapp war, packten Thomas und Gernot Diethart oft eine Matratze ins Auto und schliefen in einer Hütte unweit der Schanze oder im Zelt. An diese Zeiten erinnert sich die Michelhausener Trafikantin Marion Regenspurger: „Der Vater ist immer zu uns Lotto spielen gekommen“, sagt sie, „Er hat gesagt: ‚Mädel, druck’ mir einen Sechser aus!‘ Sie hatten es sehr schwer. Darum freuen wir uns alle umso mehr für die Familie über den Erfolg.“ Vor ihrem Geschäft hat Frau Regenspurger ein Plakat aufgehängt: „Michelhausen gratuliert unserem Überflieger.“

Schon als kleiner Bub ist Thomas Diethart mit dem Einrad durch den Ort gefahren. Auch Nachbar und Jugendfreund Daniel Veselinov erinnert sich: „Thomas und ich sind öfter auf der Straße vor dem Haus auf Inline-Skates über kleine Holzschanzen gesprungen. Egal, welcher Sport es war, er war immer der Beste.“

Die Ausdauer, das Talent und der Ehrgeiz des jungen Sportlers trugen erste Früchte, als Thomas Diethart von der Sporthauptschule Tulln ins Skigymnasium Stams, der Kaderschmiede des ÖSV, wechseln konnte. Später setzte er seine Schullaufbahn im Nordischen Ausbildungszentrum Eisenerz in der Steiermark fort, wo er im vergangenen Jahr die Ausbildung zum Industriekaufmann abschloss.

Während all dieser Zeit nahm er an unterklassigen Bewerben wie FIS- und Alpen- Cup teil sowie später am Continental- Cup, der „zweiten Liga“ der Skispringer. Sein Debüt im Weltcup gab er am 2. Jänner 2011 bei der Vierschanzentournee in Innsbruck, wo er den 28. Platz belegte.

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