"Die Zeit wäre reif für uns": Van der Bellen will es in die nächste Regierung schaffen

Parteichef über Willen zur Macht und grüne Themen Sommergespräch mit FORMAT vor Nationalratswahl

"Die Zeit wäre reif für uns": Van der Bellen will es in die nächste Regierung schaffen

Dieses Mal will es Van der Bellen, 62, endgültig wissen. Nach der vorgezogenen Nationalratswahl 2002 hatte er lange mit der ÖVP über eine Regierungsbeteiligung verhandelt, hatte sich dann aber doch zurückgezogen. In der letzten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM liegen die Grünen derzeit bei elf Prozent. Jünger, nämlich aus der ersten Augustwoche, ist die Umfrage von Imas für die "Presse", bei der die Grünen auf zwölf bis 13 Prozent kamen. Mit FORMAT spricht Van der Bellen über seinen Willen zur Macht, Koalitionsspiele und die klassischen grünen Themen.

FORMAT: Herr Professor Van der Bellen, bei den vergangenen Nationalratswahlen haben Sie immer kontinuierlich zugelegt. In die Regierung geschafft haben Sie es aber nie. Schaffen Sie es dieses Mal?

Van der Bellen: Die Zeit wäre reif für uns. Das wird natürlich davon abhängen, wie die Wahl ausgeht.

FORMAT: Sie haben bei den Wahlen meist schlechter abgeschnitten als in den Umfragen. Wie wollen Sie das dieses Mal ändern?

Van der Bellen: Wir sind nicht immer, aber schon oft enttäuscht worden von den guten Umfragen. Wenn ich davon ausgehe, dass die Umfragen nicht frei erfunden sind, dann ist offenbar die Bekenntnisbereitschaft zu den Grünen bei Umfragen stärker ausgeprägt als bei anderen Parteien, sodass am Wahlsonntag ein ganz anderes Ergebnis herauskommt. Anders kann ich mir das schwer erklären.

FORMAT: Sie stellen jetzt sehr selbstbewusst die Machtfrage. Und in Umfragen sind Sie einer der sympathischsten Politiker Österreichs. Vertreten Sie den Machtanspruch auch glaubwürdig genug?

Van der Bellen: Es kann schon sein, dass ich mich da etwas schwer tue. Ich hab einen Hang zur Selbstironie und eine Abneigung gegen Pathos. Ich sage eben nicht, wir machen jetzt alles besser, mit uns wird die Welt wirklich rosig. Ich verspreche nicht das Blaue vom Himmel, und das kann vielleicht als fehlender Machtwille interpretiert werden. Auf der anderen Seite halte ich mich jetzt neun Jahre als Bundessprecher der Grünen. Wenn mir der Machtwille ganz abgehen würde, wäre das nur schwer möglich.

FORMAT: Streben Sie weiter an, drittstärkste Partei zu werden?

Van der Bellen: Absolut. Das ist schon seit Jahren unser Ziel. Am Anfang wurden wir belächelt. Jetzt sind wir aber haarscharf dran.

FORMAT: Bei welchem Prozentsatz der Stimmen liegt die Latte zum Erfolg?

Van der Bellen: Ich will Stimmen gewinnen. Aber wenn wir die Umfragewerte von elf bis 13 Prozent einigermaßen erreichen, dann wäre das jedenfalls ein großer Erfolg.

FORMAT: Sie wären einer schwarz-grünen Koalition wohl nicht so abgeneigt. Wo liegen denn dabei die inhaltlichen Knackpunkte?

Van der Bellen: Eine Regierungsbeteiligung mit der ÖVP oder der SPÖ wäre für unsere eigenen Leute wohl nicht plausibel, wenn nicht im Bereich der Bildungspolitik, der Frauen, der Energiepolitik und bei aktuellen Fragen der Armutsbekämpfung etwas weitergehen würde. Es muss nachvollziehbar sein, dass hier Schritte gesetzt werden. Wenn das grüne Profil nicht hinreichend berücksichtigt würde, müssten wir vom Verhandlungstisch aufstehen wie 2002.

FORMAT: Mit Hans-Peter Martin gibt es jetzt einen neuen Player. Können Sie sich eine Zusammenarbeit mit ihm, beispielsweise in einer Ampelkoalition, vorstellen?

Van der Bellen: Ich will nicht sagen, dass das vollkommen ausgeschlossen ist, aber da muss ich auf gut Englisch sagen: "I reserve my judgement." Erstens wissen wir nicht, ob er überhaupt antreten wird. Zweitens wäre selbst bei Antreten unklar, ob seine Gruppierung mit ihm oder ohne ihn ins Parlament kommt. Und drittens habe ich keine Ahnung, was sein Programm ist. Wenn Sie mich vielleicht aufklären könnten.

FORMAT: Da wäre der Kampf gegen Bürokratie ...

Van der Bellen: Sein Antreten gegen Auswüchse der Bürokratie und bestimmte Korruptionsanfälligkeiten ist berechtigt. Seine Methoden mit der versteckten Kamera sind aber sehr problematisch. Sonst weiß ich aber nichts über sein Programm.

FORMAT: Welche Themen wollen Sie im Wahlkampf besetzen?

Van der Bellen: Wir konzentrieren uns seit Monaten auf vier Schwerpunkte. Drei davon sind eindeutig arbeitsmarktbezogen. Das heißt: bessere Chancen für Frauen am Arbeitsmarkt; Bildung als Investition für bessere Berufs-und Aufstiegschancen und als wichtigste Maßnahme gegen Arbeitslosigkeit. Dann die Energiepolitik, die nicht nur eine ökologische Frage ist, sondern auch Wachstumschancen und Arbeitsplätze für Österreich eröffnet, von der Biomasse bis zur Solarenergie. Und viertens als sozialpolitischer Schwerpunkt die Armutsbekämpfung für die, die in die Armutsfalle geraten sind. Hier wollen wir eine Grundsicherung bieten.

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