Die Zeichen stehen eindeutig auf Krieg: Südkorea will "tausendfache Vergeltung"

Verteidigungsminister: "Müssen scharf reagieren" Pjöngjang: Süden benutzt Zivilisten als Schutzschilde

Die Zeichen stehen eindeutig auf Krieg: Südkorea will "tausendfache Vergeltung"

Auf der koreanischen Halbinsel haben am Samstag beide Seiten ihre Kriegsrhetorik verschärft. Der Kommandant der südkoreanischen Marineinfanterie kündigte bei der Beisetzung von zwei getöteten Soldaten tausendfache Vergeltung für deren Tod an. Nordkorea dagegen nannte eine geplante südkoreanisch-amerikanische Militärübung eine "unverzeihliche Provokation". Das Regime in Pjöngjang warf dem Süden außerdem vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht zu haben.

Wenn es bei dem Artillerieangriff auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong tatsächliche zivile Opfer gegeben habe, sei das bedauerlich, berichtete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. "Die Verantwortung liegt in der unmenschlichen Handlung des Feindes, der menschliche Schutzschilde geschaffen hat, indem er Zivilisten in der Umgebung von Artilleriestellungen platzierte", hieß es weiter. Der Süden dramatisiere die zivilen Opfer als Teil seiner Propaganda und wolle den Eindruck erwecken, schutzlose Zivilisten seien einem wahllosen Beschuss durch den Norden ausgesetzt gewesen.

Bei dem Angriff waren am Dienstag zwei Soldaten und zwei Zivilisten getötet worden. Die beiden Soldaten wurden am Samstag in Südkorea beigesetzt. Angehörige und Politiker legten Blumen nieder. In Seoul forderten unterdessen rund 70 ehemalige Spezialkräfte der Streitkräfte eine schärfere Reaktion der Regierung auf den Beschuss. Die Teilnehmer der Protestaktion lieferten sich vor dem Verteidigungsministerium ein Handgemenge mit der Polizei.

"Müssen scharf reagieren"
Der neue südkoreanische Verteidigungsminister sprach sich einem Zeitungsbericht zufolge für ein härteres Vorgehen gegen Nordkorea aus. "Wir müssen auf Provokationen Nordkoreas scharf reagieren", sagte Kim Kwan-jin zu Mitarbeitern des koreanischen Präsidenten, wie die Zeitung "Chosun Ilbo" berichtete. Man müsse mit vielfacher Härte zurückschlagen. Der bisherige Verteidigungsminister war wegen des Beschusses der Insel Yeonpyeong durch Nordkorea zurückgetreten.

Es wurde erwartet, dass die Spannungen in der Region noch weiter steigen, wenn das südkoreanisch-amerikanische Manöver beginnt. Die Regierung in Pjöngjang drohte mit Vergeltung, sollte nordkoreanisches Gebiet verletzt werden. Dann würde die Hochburg der Feinde in ein Flammenmeer verwandelt, hieß es auf der staatlichen Website Uriminzokkiri. Nordkorea hatte erst am Freitag nochmals dem Süden mit Angriffen gedroht. Sollte Seoul wie geplant das gemeinsame Manöver mit den USA nahe der gemeinsamen Seegrenze im Gelben Meer abhalten, stünde die Region am "Rande eines Krieges", hieß es in einer Meldung der KCNA.

Zurückhaltung bei China
China, der engste Verbündete Nordkoreas, rief beide Seite zu Zurückhaltung auf. Die staatlichen chinesischen Medien berichteten, der Außenminister habe sich mit dem nordkoreanischen Botschafter in Peking getroffen. China hat äußerst zurückhaltend auf das geplante Manöver reagiert, während die Regierungen frühere Militärübungen deutlich schärfer kritisiert hatte.

Zu dem Manöver wurde auch der atomgetriebene Flugzeugträger "USS George Washington" im Gelben Meer erwartet. Das Manöver sollte nur rund 110 Kilometer südlich von der Insel Yeonpyeong stattfinden. Die USA, die mehr als 28.000 Soldaten in Südkorea stationiert haben, spielten die Kriegsrhetorik herunter und verwiesen darauf, dass die geplante Übung schon lange geplant gewesen sei. Das Manöver finde außerdem in internationalen Gewässern statt, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministerium in Washington.

(apa/red)