Die Wirtschaftspolizei ermittelt auch in Wien

Die Wirtschaftspolizei ermittelt auch in Wien

Das amerikanische FBI geht gegen eine Truppe weltweit agierender Finanzartisten vor, die von Kunden gigantische 15 Milliarden Schilling abgenommen haben soll. Die Drahtzieher besitzen seit vergangenem Herbst eine Bank in Wien. Die Wirtschaftspolizei ermittelt.

Hinter den Fassaden der seit dem Vorjahr unter Geschäftsaufsicht stehenden kleinen General Commerce Bank AG in der Wiener Schlickgasse 1Bank vermutet man aufschlußreiche Antworten zu einem gigantischen Betrugsfall. Die US-Bundespolizei hat den Finanz-Skandal nach mehr als einjährigen Ermittlungen und durch die Einschleusung von Undercoveragenten vor zwei Wochen hat aufgedeckt.

Nachdem die australische Börsenaufsicht von geleimten Kunden bombardiert worden war, kam es vor zehn Tagen in der thailändischen Hauptstadt Bangkok zur ersten Großrazzia: Unterstützt von FBI-Beamten, nahmen Polizisten 81Verdächtige, großteils Europäer, fest. Der Truppe wird vorgeworfen, in einem weltumspannenden Netz von Börsenmaklerbüros, sogenannten „Boiler rooms“, zuerst die Kurse wertloser Aktien künstlich in die Höhe getrieben und sie dann an Tausende Kunden verklopft zu haben. Dieser Tage sind Razzien in weiteren neun Städten auf drei Kontinenten vorgesehen.

Das FBI-Dossier: Finanzbetrüger ergaunerten eine Milliarde Dollar
Das FORMAT exklusiv vorliegende FBI-Dossier beschreibt die atemberaubenden Dimensionen der Deals: In 18 namentlich angeführten Boiler rooms, von den Philippinen über Thailand bis Singapur und Tschechien, hat die Truppe die sagenhafte Summe von einer Milliarde Dollar eingestreift – umgerechnet mehr als 15 Milliarden Schilling.

Aus österreichischer Sicht besonders aufschlußreich in dem FBI-Dossier sind die Protagonisten der Affäre: Hinter dem in Manila und in Los Angeles residierenden Amador Pastrana, laut FBI „Mastermind der Operationen“, bekleiden nämlich die beiden US-Amerikaner Regis Possino und Sherman Mazur die wichtigsten Ränge in der Hierarchie der Organisation. Der 52jährige Possino tauchte im Sommer des Vorjahres erstmals in Wien auf, wo er standesgemäß eine luxuriöse Wohnung im Radisson SAS Palais (Monatsmiete: 62.500 Schilling) bezog.

Kashoggi–Coup in Wien
Als neuer Aufsichtsratschef des mit eingeschränkter Banklizenz als Börsenmakler tätigen Instituts, das im Herbst dann in General Commerce Bank AG umbenannt wurde, betrat der in Belgien geborene und in Kanada aufgewachsene Raoul Berthaumieu die Bühne: Berthaumieus einschlägige Kontakte zu schillernden Finanzartisten bescherten der Wiener Bank dann im Oktober einen neuen Aktionär: den legendären saudischen Waffenhändler Adnan Kashoggi.

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