Die Wiking-Jugend: Im Jahr 1994
verbotene neonazistische Organisation

Steht in der Tradition der Hitler-Jugend

In der Tradition der Hitler-Jugend stehend: Das ist einer der schwersten Vorwürfe gegen die Wiking-Jugend, welche die deutschen Verfassungsschützer 1994 als neonazistische Organisation verboten haben. Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen in zehn deutschen Bundesländern folgten dem Verbot, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im November 1994 schrieb. Das Verbot beendete die mehr als 40-jährige Geschichte dieser neonazistischen Organisation.

Gegründet wurde die Wiking-Jugend Anfang der 50er Jahre. Ausgangspunkt war der Zusammenschluss mehrerer rechtsgerichteter Jugendgruppen. Sie widmete sich ganz wie ihr historisches Vorbild der Erziehung von "Pimpfen" und "Jungmädel". Die Kinder marschierten laut der Homepage des Arbeitskreises Antirassismus der deutschen Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Hamburg (ver.di) uniformiert. Militärischer Drill bis zu Übungen mit Waffen sollten die jungen Wikinger ideologisch fest ausbilden.

Die Wiking-Jugend vertrat "ein extrem völkisches, antisemitisches Weltbild, das ohne Furcht vor Konsequenzen öffentlich vertreten wird", heißt es auf der ver.di-Homepage. Weiters wird die Zeitschrift der Organisation, "Der Wikinger", zitiert: "Jeder Verhungerte in der Sahelzone und jeder bei Krawallen, Bürgerkriegen, Militärputschen und Stammeskämpfen in der Dritten Welt Umgekommene ist ein Glück für die Welt (...). Jeder in die Dritte Welt gelieferte Sack Lebensmittel und jeder gerettete Fortpflanzungsfähige in den Armutsländern ist für uns eine verlorene Schlacht der Zukunft und bringt die Erde dem Kollaps näher." Einer der bekanntesten Vertreter der Wiking-Jugend war der neonazistische Liedermacher Frank Rennicke.

Durch das Verbot war dem Treiben der Organisation ein Ende gesetzt worden, nicht aber den Ideen. In der Heimattreuen Deutschen Jugend sollen laut ver.di-Hamburg-Homepage einige frühere Funktionäre der Wiking-Jugend neue Aufgaben gefunden haben.

(apa/red)