Die erste Werkstatt für Frauen in Salzburg: Kundenbetreuung, Wohlfühlcouch, Kindereck

Macho-Mechaniker sind hier absolut unerwünscht Weibliche Fachkräfte werden aber dringend gesucht

Die erste Werkstatt für Frauen in Salzburg: Kundenbetreuung, Wohlfühlcouch, Kindereck

Die erste Frauen-Autowerkstatt Österreichs gibt es in der Stadt Salzburg. Geboten wird eine "frauengerechte" Kundenbetreuung mit Wohlfühlcouch, Frauenzeitschriften zum Lesen, Kinderecke und Wickeltisch. Allerdings mangelt es an Kfz-Mitarbeiterinnen. "Wir suchen ganz dringend zwei weibliche Lehrlinge", sagte die kaufmännische Leiterin Sandra Stückelschwaiger.

"Von Frauen für Frauen", so lautet das Motto von "diefrauenAUTOwerkstatt" in der Scherenbrandtnerhofstr. 6 im Salzburger Stadtteil Gnigl. "Unsere Kunden sollen sich hier wohlfühlen. Wir nehmen uns Zeit, anschaulich zu erklären, warum welche Reparaturen notwendig sind. Wichtig ist uns auch, dass ehrlich abgerechnet wird. Frauen sollen keine Scheu mehr haben, in eine Autowerkstätte zu gehen", erklärte Stückelschwaiger, warum sie mit ihrem Lebensgefährten und Geschäftsführer Stefan Ehrmann den Betrieb gegründet hat.

Anfangs belächelt
Die Frauenautowerkstatt zählt rund 240 Kunden, zwei Drittel davon sind Frauen. Anfangs wurde das Paar von der Konkurrenz belächelt, doch mittlerweile hat sich gezeigt: "Es funktioniert gut, das Arbeitskonzept geht auf." Ein Problem haben die Beiden aber noch zu meistern: "Es ist schwierig, weibliche Fachkräfte zu bekommen. Es gibt sehr wenige Frauen, die eine entsprechende Ausbildung haben oder eine Kfz-Lehre absolvieren wollen."

Macho-Mechaniker unerwünscht
Dringend benötigt werden neben zwei Lehrlingen (ab 20 Jahren mit Führerschein) noch eine Kfz-Technikerin und eine Meisterin. Genommen werden mangels Frauen auch Männer. "Das ist gar nicht so einfach. Sie dürfen keine Machos sein, sondern müssen einfühlsam sein und Frauen gut beraten können. Einmal hat einer den Kundinnen nachgepfiffen - genau so jemanden wollen wir nicht", so die Werkstättenleiterin.

Traumberuf: Mechanikerin
Die gebürtige Pinzgauerin absolvierte eine Tourismusfachschule und arbeitete neun Jahre am Standesamt in ihrer Heimatgemeinde Bruck an der Glocknerstraße. Ihr neuer Job in einer Autowerkstatt macht ihr jetzt genauso Spaß wie der Kfz-Technikerin Petra Zaunreiter. Die 41-Jährige erfüllte sich erst im Alter von 37 Jahren ihren Herzenswunsch. Für die Ausbildung zur Automechanikerin hängte sie ihre Stelle als Kindergartenpädagogin an den Nagel. Ihren Traumberuf scheint auch der frisch gebackene Lehrling Nadine Kaltenbrunner gefunden zu haben. "Hier ist es nie eintönig, sondern sehr interessant. Schon als Kind wollte ich wissen, wie die Autoreparatur funktioniert. Und Mechaniker sind ja immer gefragt", meinte die 20-jährige Salzburgerin und schraubte gleich wieder am Landrover weiter.

Alles für die Frau
Dass sich Frauen in der bisher männlichen Domäne wohlfühlen sollen, ist schon mit freiem Auge erkennbar. Die Toilette ist blitzsauber und mit schmuckem Regal und Blumen umrandetem Spiegel ausgestattet. Lieblicher Duft macht sich breit. Im Raum davor steht ein Wickeltisch mit Spielzeug, im Büro ist eine Kinderecke mit Spieltisch und Zeichentafel eingerichtet. Gegenüber lädt ein schwarzes Ledersofa zum Entspannen ein. Im Zeitschriftenständer stecken aktuelle Ausgaben von "Life Style" und "Brigitte", einladend zum Lesen ist auch das Buch "frauenAutomobil - die Ratgeberin für Frauen", in einfachen Worten geschrieben von Kfz-Meisterin Iris Seidler. (APA/red)