Die wichtigste Wahl dieser Legislaturperiode: das Duell in Wien

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Die wichtigste Wahl dieser Legislaturperiode: das Duell in Wien © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

H.-C. Strache stellt sich einer 'Bürgermeisterwahl'? Unsinn, die gibt es gar nicht. Selbst mit 35 Prozent der Stimmen hätter er keine Chance. Aber Platz 2 scheint seiner Partei sicher zu sein.

Natürlich hat es ein genialer Satiriker wie Robert Palfrader leichter: „Der Kaiser“ erklärt sich die Zugewinne der FPÖ unter H.-C. Strache recht einfach: Die könnten, so der Kabarettist bei einer seiner letzten Audienzen, „einen kaputten U-Bahn-Sitz oder einen vollen Aschenbecher“ als Spitzenmann aufstellen und hätten dennoch Erfolg, „wenn der nur ausländerfeindlich ist“. Voller Aschenbecher stimmt nicht – dazu gibt es zu wenig fanatische Raucher. Kaputter U-Bahn-Sitz käme schon eher hin – zumindest in Wien, derzeit das hauptsächliche Aufmarschgebiet der blauen, frühzeitig losballernden Werbearmee. Tatsächlich dürfte die Wahl in der Bundeshauptstadt (vermutlich im Frühjahr 2010) die gesamte politische Balance Österreichs entscheiden, sicher mehr als die noch heuer steigenden Wahlgänge zum EU-Parlament, in Oberösterreich und Vorarlberg.

H.-C. Strache kopiert stilistisch sein Ex-Vorbild Jörg Haider, an dem er zwischenzeitlich Vatermord begangen hat. Ob EU-Wahl, AK-Wahl, in Wien sowieso: Die FPÖ ist längst wieder zur One-Man-Show mutiert, ihr Frontmann tut so, als könne er alle Positionen gleichzeitig besetzen, in Brüssel wie in Wien, im Rathaus wie am Ballhausplatz. Erleichtert wird ihm das durch Journalisten, die ihm diesen Schmäh durchgehen lassen: etwa, wenn als große politische Sensation verkündet wird, Strache trete zur „Bürgermeisterwahl“ in Wien an, die es bekanntlich gar nicht gibt. Und so, als hätte Strache auf den Posten eine realistische Chance: Selbst wenn seine Partei auf 30, gar 35 Prozent käme, müsste ihn eine Abgeordnetenmehrheit wählen – daran glaubt er wohl selbst nicht.

Aber Blau wird hinter Rot sicher Platz 2 besetzen, Schwarz und Grün werden es in diesem Duell schwer haben. Dafür spricht auch die bundespolitische Ausgangslage: Die Wiener SPÖ schnitt unter Michael Häupl besonders gut ab, als es auch gegen eine schwarz-blaue Koalition ging. Jetzt darf die FPÖ als kantigste, skrupellos populistische Oppositionspartei auch auf Proteststimmen gegen Rot-Schwarz auf Bundesebene hoffen. Und natürlich auf ihre angstbesetzten Problemthemen, die sie hemmungslos ausnutzen, nicht lösen will: steigende Kriminalität, mangelhafte Integration, diesmal noch „Jung“ (Strache, Marke 69) gegen „Alt“ (Häupl, Marke 49). „Echte Österreicher“ wie die Straches (obwohl selbst erst seit einer Generation wieder hier)gegen „unechte“ („Isst du Schwein, darfst du rein“, heißt es tatsächlich zentral auf seiner Homepage, damit „erwischt“ es Moslems wie Juden, Vegetarier werden wohl nicht deportiert). Diesmal auch „Arm“ gegen „Reich“ (= Banken, dafür strickt H.-C. derzeit an einer „Raiffeisen-Verschwörung“). Die SPÖ kann dagegen darauf bauen, dass es sich in der Hauptstadt nach wie vor recht gut lebt – ein internationales Ranking hat dieser in Sachen Lebensqualität Platz 1 zuerkannt. Freilich: Rot wäre schlecht beraten, Probleme wegzuwischen, die tatsächlich größer geworden sind. Die einer (kleinen) Metropole in einer (global) schwierigen Wirtschaftszeit mit hohen Arbeitslosenraten eben, in der es verschiedene soziale und kulturelle Welten gibt. Gerade in Wien immer gab.