Die Vogelgrippe breitet sich weiter aus: Tote Ente am Bodensee - Verdacht auf H5N1-Virus

Vogelgrippe ist jetzt auch in Georgien angekommen Südkorea: Vier Menschen an H5N1-Virus erkrankt<br>Breitet sich der Virus bald auch in Amerika aus?

Die Vogelgrippe hat jetzt auch Süddeutschland erreicht. Bei einer am Bodensee gefundenen Ente sei das Virus festgestellt worden, bestätigte eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Allerdings habe noch nicht festgestellt werden können, ob es sich um die hoch ansteckende Variante des Erregers oder um die niedrig ansteckende Variante handle. Unterdessen gehen WHO-Experten davon aus, dass demnächst auch Amerika von der Vogelgrippe betroffen sein könnte.

Da sich dieser bei vielen Tieren jedoch im Erbgut befinde, bleibe das Ergebnis einer zweiten Untersuchung abzuwarten, in der geklärt werden solle, ob es sich bei dem Erreger um die hochpathogene Form handle. Die Sprecherin sprach zunächst von einem "Verdachtsfall".

Mittlerweile wurde das Virus in drei deutschen Bundesländern festgestellt, wie das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems am mitteilte. Neben Mecklenburg-Vorpommern fanden die Wissenschafter den Erreger demnach auch bei zwei Wildenten in Schleswig-Holstein sowie bei der Tafelente am Bodensee.

Ob es sich bei den Funden in Ostholstein um die hochpathogene oder weniger hochpathogene Form handelt, muss nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts aber noch geklärt werden.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern breitete sich die Vogelgrippe weiter aus: Wie das Friedrich-Loeffler-Institut erklärte, wurde der Erreger auch bei einem Schwan auf dem Festland festgestellt. Der genaue Fundort der Tiere war zunächst nicht bekannt. Zuvor war der H5N1-Erreger in Deutschland nur bei Tieren in Mecklenburg-Vorpommern festgestellt worden.

Keine Auswirkungen auf Vorarlberg
Das Auftreten der Vogelgrippe am deutschen Bodenseeufer bei hat vorerst keine Auswirkungen auf Vorarlberg. "Unsere Überwachungsmaßnahmen werden wie bisher fortgeführt. Jeder tote Wildvogel wird eingeschickt", erklärte der stellvertretende Landesveterinär Bernhard Zainer. Die Nachbar-Region werde selbstverständlich genauestens beobachtet.

Falls die Vogelgrippe auch das Vorarlberger Bodenseeufer erreichen sollte, "sind wir gerüstet", betonte der stellvertretende Landesveterinär. Es seien alle diesbezüglichen Vorbereitungen getroffen. Die Ausbreitung des H5N1-Virus über Europa zeige aber auch, "dass die Gefahr für das Hausgeflügel keine so große ist. Sonst wäre schon lange etwas hoch gegangen", sagte Zainer. Mit den ergriffenen Maßnahmen gelinge es offenbar, die Seuche unter Kontrolle zu halten.

Vogelgrippe auch in Georgien
In Georgien ist das gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 an toten Schwänen nachgewiesen worden. Die Tiere seien in der Region Adscharien im Westen des Landes gefunden worden, teilte Regierungschef Surab Nogajieli mit. Tests eines Labors in der georgischen Hauptstadt hätten den Verdacht bestätigt. Weitere Proben wurden ins EU-Referenzlabor in Großbritannien gesandt. Es ist das erste Mal, dass das Virus in Georgien entdeckt wurde.

Südkorea: Vier Menschen erkrankt
In Südkorea ist nach Medienberichten erstmals die Vogelgrippe bei Menschen nachgewiesen worden. Betroffen seien vier Koreaner, die während der Ausbreitung der Infektionskrankheit in dem Land zwischen Ende 2003 und Anfang 2004 an der Vernichtung von totem Geflügel beteiligt waren, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap.

Briten kaufen Impfstoff
Großbritannien hat dem Pharmaunternehmen Baxter einen Auftrag zur Produktion von zwei Millionen Dosen eines Kandidat-Impfstoffs für Menschen gegen den Vogelgrippe-Virus H5N1 erteilt. Der Impfstoff soll noch heuer an den britischen nationalen Gesundheitsdienst ausgeliefert werden. Baxter hatte bereits 2004 angekündigt, dass der Konzern ein solches Vakzin entwickeln werde.

Bald auch Amerika betroffen?
Die Vogelgrippe kann nach Einschätzung der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) auch Amerika erfassen. Nach Asien, Afrika und Europa sei eine Ausbreitung auf weitere Teile der Welt möglich, sagte OIE-Generaldirektor Bernard Vallat der Zeitung "Le Monde". Verschiedene Hinweise "lassen eine Ansteckung von Vögeln auf dem amerikanischen Kontinent befürchten", sagte er.

Nur Australien und Neuseeland befänden sich in relativer Sicherheit, sagte Vallat weiter. Sie lägen nicht an den Wanderwegen von Wasservögeln, die für die Übertragung der Krankheit verantwortlich seien. "Der Rest der Welt ist dem direkt ausgesetzt." Dem OIE-Spitzenvertreter zufolge wird die Vogelgrippe offenbar nur über Wasservögel verbreitet. "Landvögel wie Sperlings- und Taubenvögel scheinen von vornherein nicht betroffen zu sein."

Finanzielle Hilfe für Bauern
Die EU-Kommission erwägt wegen der Vogelgrippe finanzielle Hilfen für geschädigte Bauern. "Wenn es die Situation erfordert, ist EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel bereit, zusätzliche Finanzhilfen zu prüfen", sagte eine Sprecherin der Kommission. Außerdem forderte die Kommission die Mitgliedstaaten auf, bei Bedarf auch selbst zusätzliche Unterstützungen bereitzustellen.

Einige Mitgliedstaaten haben bereits seit längerem EU-Unterstützungen eingefordert. Die Kommission hatte Entschädigungszahlungen wegen der Vogelgrippe bisher ausgeschlossen. Nun will Fischer Boel, wenn notwendig, laut Sprecherin bereits im März einen Vorschlag im Agrarministerrat einbringen.

Wie hoch die finanziellen Hilfen für geschädigte Betriebe ausfallen könnten, lässt sich laut der Kommissions-Sprecherin aber noch nicht abschätzen. Auch das EU-Parlament müsste zusätzliche Agrarmitteln noch genehmigen.

(apa/red)