Die USA rüsten gegen elektronische Angriffe:
Wie groß ist die Gefahr eines Cyber-Krieges?

Cyberattacken könnten den Westen paralysieren Diskutieren Sie mit: <b>Beitrag kommentieren!</b>

Die USA rüsten gegen elektronische Angriffe:
Wie groß ist die Gefahr eines Cyber-Krieges? © Bild: APA/EPA/Armin Weigel

Stromausfälle, Flugverkehrsstörungen, Finanz­crashs: Attacken aus dem Internet könnten ganze Staaten lahmlegen. Die USA rüsten deshalb nun massiv gegen elektronische Angriffe auf. Wie groß ist die Gefahr einer digitalen Apokalypse wirklich?

Von Hubertus Breuer

Kevin Coleman hatte eine Überraschung parat. Der Computerexperte des US-Beratungsunternehmens Technolytics berichtete Ende April vor einer Kommission des amerikanischen Kongresses, China habe für seine Militär- und Regierungscomputer ein Betriebssystem namens „Kylin“ geschaffen, das gegen Internetangriffe amerikanischer Militärs und Geheimdienste nahezu immun sei. Außerdem hätten die Chinesen einen sicheren Mikroprozessor entwickelt, der sie zusätzlich gegen feindliche Hacker und Schadprogramme schütze. „Wir befinden uns in der Anfangsphase eines Wettrüstens im Cyberraum und müssen entsprechend handeln“, ließ Coleman die Vertreter des amerikanischen Volkes besorgt wissen.

Damit goss der Experte Öl in ein ohnehin schon loderndes Feuer. Denn in der US-Administration, aber auch unter Regierungen Europas und Asiens grassiert die Angst vor einem Cyberkrieg oder Terroranschlag im virtuellen Raum. Sie befürchten, Hacker könnten durch geschickte Eingriffe Stromausfälle herbeiführen, den Flugverkehr manipulieren oder den Finanzhandel zum Absturz bringen. Richard Clarke, Experte für Internetsicherheit unter George W. Bush, hatte bereits vor Jahren vor einem „elektronischen Pearl Harbor“ gewarnt; UN-Generalsekretär Ban Ki-moon schlug Anfang des Jahres vor, Cyberwaffen in die Liste der Massenvernichtungsmittel aufzunehmen; und im April malte der „Wall Street Journal“-Kolumnist Bret Stephens gar ein „Hiroshima, 2.0“ an die Wand. Grund genug für die USA, im Cyberspace mächtig aufzurüsten.

Doch niemand weiß letztlich genau, wie groß die Gefahr einer Katastrophe infolge eines Internetangriffs tatsächlich ist. Auf der einen Seite stehen Sicherheitsexperten, Regierungsmitglieder, Militärs, Vertreter der Rüstungsindustrie und nicht zuletzt auch die Medien, die Schockszenarien herauf­beschwören: explodierende Kraftwerke, abstürzende Flugzeuge, brechende Staudämme, unzählige Tote. Auf der anderen Seite finden sich Skeptiker, die einen größten anzunehmenden Unfall nicht ausschließen, aber eher für unwahrscheinlich halten. „Man sollte die Gefahren nicht verniedlichen“, sagt Myriam Dunn, an der ETH Zürich lehrende Expertin für Cyberrisiken. „Warnungen vor dem Weltende aus dem Internet hört man aber seit den späten achtziger Jahren, dazu gekommen ist es nicht.“

Cyberspione. Die Sorgen um das Gefahrenpotenzial der Netzwerke sind nicht unbegründet – vor allem, was Spionage betrifft. An der virtuellen Festung des US-Verteidigungsministeriums im Internet scheitern Hacker täglich. Doch beim Rüstungsunternehmen Lockheed Martin, das für das Pentagon das Tarnkappenflugzeug F-35 Lightning II baut (ein 300 Milliarden Dollar teures Großprojekt), ist Cyberspionen ein Fischzug gelungen. Seit 2007 haben sie, wie das „Wall Street Journal“ Mitte April berichtete, aus dem Computernetz von Lockheed Martin Terabytes an Daten über die Elektronik und das Design des Kampfjets abgesaugt.

Anfang April bestätigte die US-Regierung zudem, dass chinesische und russische Hacker versucht hätten, über das Internet das Stromnetz der USA auszukundschaften. Die Eindringlinge hätten außerdem Schadprogramme installiert, die sie eines Tages aktivieren könnten. Und im September 2008 entdeckten internationale Sicherheitsexperten Spionagesoftware auf einem Computer im indischen Dharamsala, dem Exilsitz des Dalai Lama. Mehrere Server, auf denen ­gestohlene Dokumente abgelegt wurden, wurden in China lokalisiert.

Auch erste Scharmützel wurden bereits via Internet ausgetragen. Als im vergangenen Sommer die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Russland und Georgien begann, griffen vermutlich russische Hacker Georgiens Computernetzwerke an und legten die elektronische Kommunikation der Regierung lahm. 2007 wiederum gab es einen Angriff auf die öffentlichen Computer Estlands, nachdem dort ein sowjetisches Kriegerdenkmal abgerissen werden sollte. „Das war nicht gerade ausgefeilt, aber effektiv“, sagt der frühere CIA-Agent Jack Devine, Präsident der Arkin Group, eines New Yorker Beratungsunternehmens für Nachrichtendienste.

All das hat die US-Regierung nun dazu bewogen, ein eigenes Militärkommando zu planen, das Cyberkrieger ausbilden, die digitalen Verteidigungsanlagen ausbauen und, falls nötig, selbst elektronische Angriffe ausführen soll. Das Cyberkommando wird alle Initiativen der USA für den Krieg im Netz unter sich vereinen. Bislang überwachen Sondereinheiten der Air Force, andere Teilstreitkräfte und Geheimdienste ihre eigene Netzsicherheit. Welche Organisation letztlich die neue Abteilung federführend leiten soll, ist noch nicht entschieden, doch es soll in Kürze bekannt gegeben werden, voraussichtlich zeitgleich mit der Ernennung eines „Cyber-Zar“, der die verschiedenen Behörden koordiniert.

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