Die drei Reinkarnationen des Ö-Rings:
Von Rindt und Niki Lauda bis Gerhard Berger

Die schönste und schnellste Strecke der Welt Neuer Red Bull-Ring mit fast identer Streckenführung

Die drei Reinkarnationen des Ö-Rings:
Von Rindt und Niki Lauda bis Gerhard Berger © Bild: GEPA/Tröster

Dank der Neueröffnung der Rennstrecke in Spielberg verfügt Österreich wieder über zwei permamente Rundstrecken-Rennanlagen. Nicht nur, dass das der Region im steirischen Aichfeld wirtschaftlich dringend benötigte Impulse bringt, auch heimische Rennsportfans werden hoch erfreut sein. Der Red Bull-Ring stellt die mittlerweile dritte Reinkarnation einer Strecke dar, die den ganz großen Formel 1-Boom in Österreich überhaupt erst auslöste.

Am Anfang stand der 1969 im Blitztempo erbaute Österreichring. Diese fast sechs Kilometer lange, superschnelle Berg- und Talbahn in einer idyllischen und ländlichen Landschaft mit am Streckenrand weidenden Kühen wurde geradezu in eine Aufbruchstimmung hinein gebaut. Einerseits waren die bis damals auf der Zeltweger Militärflugplatz-Rumpelpiste ausgetragenen Rennen zu gefährlich geworden, andererseits war in Österreich ein regelrechter Hype um Jochen Rindt entstanden.

Rindt schied als WM-Führender 1970 bei der Premiere rasch aus, verunglückte im selben Jahr in Monza tödlich und wurde posthum Weltmeister. Die Begeisterung an der boomenden Formel 1 war aber nicht mehr zu bremsen. Mit Rindt, Niki Lauda, Gerhard Berger, Alexander Wurz, Christian Klien usw. hatte Österreich seitdem fast durchgehend Fahrer in der Königsklasse und spielte als kleines Land auch sonst über Jahrzehnte eine erstaunliche Rolle im weltweiten F1-Zirkus. Dank Red Bull Racing besitzt sogar das aktuelle Weltmeister-Team starken Österreich-Bezug.

Die schnellste und schönste Strecke
Sicher war der Österreichring die damals schnellste Strecke der Welt, vermutlich auch die schönste. Die damalige Formel 1 war lebensgefährlich, die Rennen fast immer außergewöhnlich, manchmal auch tragisch. Der US-Amerikaner Mark Donohue verstarb 1975 nach einem Trainingsunfall, 1976 überlebte Niki Lauda mit Glück seinen Unfall am Nürburgring und fehlte daher beim Heimrennen.

Die 18. Auflage im Jahr 1987 war dann vorerst die letzte auf dem alten Ring. Massenkollisionen und Startabrüche schossen Österreich aus dem Formel 1-Kalender. 1996 war es aber wieder soweit: Die Strecke deutlich verkürzt, dafür aber hochmodern und erstmals mit Spielberg statt Zeltweg als Austragungsort eröffnete ein Lauf der Motorrad-WM den neuen Ring. Nur ein Jahr später kehrte auch die Formel 1 wieder zurück in die Steiermark.

Naturtribünen und Arena-Flair
Zwar fehlten nun die "Mut-Kurven", die neue Strecke war aber für die Zuschauer dank Naturtribünen und Arena-Flair hervorragend einsehbar. Statt Rindt, Helmut Marko und Lauda fuhr noch Gerhard Berger, die DTM und die Motorrad-WM (mit Valentino Rossi) waren zu Gast. Erster F1-Sieger wurde 1997 der Kanadier Jacques Villeneuve, letzter 2003 der spätere Rekord-Champ Michael Schumacher.

Sieben Formel 1-Rennen fanden bis zum nächsten Abschied im Aichfeld statt. Wegen finanzieller Probleme folgte aber 2003 der bisher dritte Abschied. Da hatte aber Dietrich Mateschitz den Ring bereits übernommen und große Ziele vor Augen.

Aber erst weitere acht Jahre später wird nun die Piste mit praktisch identischem Layout als Red-Bull-Ring wiedereröffnet. Die Strecke mit ihren fünf Rechts- und nur zwei Linkskurven ist Formel-1-genehmigt. Ob die Königsklasse aber tatsächlich ein drittes Mal mit Grand-Prix-Rennen in die Alpenrepublik zurückkehrt, steht freilich in den Sternen.

(apa/red)