Die Next Generation der Videoüberwachung
FORMAT - Digitale Systeme lösen analoge ab

200.000 bis 300.000 Kameras bereits in Österreich Vorteile, Gefahren und Kosten für "Big Brother 2.0"

Die Next Generation der Videoüberwachung
FORMAT - Digitale Systeme lösen analoge ab

Willkommen im Videozeitalter, wo jeder mindestens einmal am Tag seinen großen Auftritt hat - freiwillig auf YouTube oder unfreiwillig in der U-Bahn. Und wo heimische Kids ihre Lieblings-Boyband über das Handy beobachten.

Weltmeister sind aber die Briten. Ein Fünftel aller weltweiten Überwachungskameras sind auf der Insel installiert - jeder Londoner wird rein statistisch 300-mal pro Tag gefilmt. Und auch in Österreich boomt das Geschäft mit der Videoüberwachung. Das aus verschiedensten Gründen steigende Sicherheitsbedürfnis beschert den Dienstleistern zweistellige Umsatzzuwächse pro Jahr.

Wie viele Kameras in Österreich auf privatem und öffentlichem Gelände zoomen, ist offiziell nicht erfasst, Branchenkenner schätzen sie auf 200.000 bis 300.000. Neben verstärktem Einsatz auf öffentlichen Plätzen, in der U-Bahn oder neuerdings auf heimischen Bahnhöfen müssen sich Konsumenten daran gewöhnen, dass man "ein Auge auf sie hat": am meisten im Handel. "Immer öfter sind es aber auch Firmengelände oder Baustellen, die mit Videoanlagen abgesichert werden", sagt Edmund Haberbusch von der Telekom Austria, die mit dem Geschäftsbereich "Safety & Security" ebenfalls unter die Sicherheitsdienstleister gegangen ist.

Nach der Sprache kommt das Video
Für die Telekom ein logisches und einträgliches Geschäft, um vorhandene Breitbandinfrastruktur auszunutzen. Denn der technische Gezeitenwandel macht auch vor dieser Branche nicht halt. Digitale Aufzeichnungen lösen die analogen Bänder ab: Video over IP (Internet Protocol). "Seit drei Jahren geht der Trend klar in Richtung IP-Systeme", beobachtet Gernot Frauscher von Kapsch. In der Anschaffung sind die Analogsysteme zwar noch billiger, doch die Vorteile der Digitalisierung überzeugen immer mehr Kunden. IP-Systeme können bei erhöhtem Bedarf an Kameras leichter und günstiger nachgerüstet werden, etwa im Falle von Übersiedelungen. Wenn ein leistungsfähiges Netzwerk vorhanden ist, "reduzieren sich dazu die Erstinstallationskosten beträchtlich", rechnet Frauscher vor.

Die Digitalisierung bietet denn auch in der Archivierung Vorzüge. "Der Zugriff auf die Bilddaten ist über eine Datenbank natürlich viel schneller", sagt Frauscher. Voraussetzung sind entsprechende Rechner- und Speicherkapazität. "Der 600-Euro-Rechner aus dem Elektronikmarkt ist nicht perfekt für einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb", sagt er. Die Preise der Kameras bewegen sich von wenigen 100 bis mehrere 1.000 Euro, dazu kommen Software-Lizenzen für Aufzeichnungsprogramme und geringe Wartungskosten für die regelmäßigen Software-Updates. Ein kleines System mit ein paar Kameras im Innenbereich, etwa für einen Shop, gibt es um 3.000 bis 4.000 Euro.

Privatsphäre versus Eigentumsschutz
Doch anders als die Scheichs in Dubai müssen heimische Unternehmer bei ihren Videobeobachtungen auf die geltende Rechtslage Rücksicht nehmen, die im Polizeibegleitgesetz geregelt ist. Es gibt eine eigene Datenschutzkommission, die Videoanlagen zur Überwachung von Geschäftslokalen abnimmt. "Wer sein Firmengelände überwacht, muss darauf achten, mit den Objektiven nicht den Nachbarn zu streifen", sagt Baumgartner.

Wenn die Privatsphäre gegen den Schutz des Eigentums steht, kommen sowohl "Dienst-, Straf- und Telekomrecht zum Tragen", sagt Jurist Georg Zanger. Angesichts eines Überwachungsbooms werden so manche Videobotschaften für Diskussionsstoff sorgen. Wie etwa die Aktion eines Grieskirchner EDV-Händlers, der die Fahndung nach zwei dreisten Notebook-Dieben vor zwei Wochen kurzerhand selbst in die Hand nahm und auf YouTube sein eigenes "Aktenzeichen XY" schaltete. Mit Erfolg. Und laut Jurist Zanger rechtlich auch einwandfrei.

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