Die Nerven liegen blank: Iran dementiert möglichen Prozess gegen britische Soldaten

Botschafter spricht von einem "Übersetzungsfehler"<br>Großbritannien dämpft Hoffnung auf schnelle Lösung KLICKEN: Die Bilder der 15 gefangenen Matrosen

Die Nerven liegen blank: Iran dementiert möglichen Prozess gegen britische Soldaten

Im Tauziehen um die festgehaltenen 15 britischen Soldaten im Iran liegen die Nerven blank: Zuerst hieß es, dass ein Prozess kurz bevor stehe. Die iranische Nachrichtenagentur IRNA zitierte den iranischen Botschafter in Moskau, Gholamreza Ansari, mit den Worten: "Die gerichtlichen Schritte sind eingeleitet, und wenn sich die Vorwürfe gegen die Soldaten bewahrheiten, werden diese bestraft." Einen Tag später bestreitet Ansari die Aussage und spricht von einem Übersetzungsfehler.

Von den iranischen Behörden gab es zunächst keine Stellungnahme zu dem Agenturbericht. Ein Vertreter des Außenministeriums in London sagte auf Nachfrage lediglich, man bleibe bei der Forderung nach einer Freilassung der 14 Männer und einer Frau. Der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki hatte bereits vor einigen Tagen angedeutet, dass sich die Briten eventuell vor Gericht für ihr Vergehen verantworten müssten.

London: "Wir beginnen jetzt zu reden"
Großbritannien und der Iran haben unterdessen die Kontakte zur Affäre um die festgehaltenen britischen Marinesoldaten fortgeführt. Außenministerin Margaret Beckett sagte am Rande eines EU-Treffens in Bremen, ihre Regierung habe auf das iranische Schreiben geantwortet. "Wir beginnen jetzt zu reden", sagte sie. Zugleich warnte sie vor großen Hoffnungen auf eine schnelle Lösung und verwies auf die Neujahrsfeiern im Iran: "Das ist vielleicht nicht zu hilfreich." In der Note Teherans wird eine "Erklärung" der angeblichen Verletzung iranischer Hoheitsgewässer durch die am 23. März festgenommenen britischen Soldaten verlangt.

Zugang zu Soldaten gefordert
Eine britische Sprecherin bekräftigte, Großbritannien habe klargestellt, dass sich das britische Patrouillenboot, das die Iraner Ende vergangener Woche im Persischen Golf aufgebracht hatten, auf irakischen Hoheitsgebiet befunden habe. London fordere unverzüglich konsularischen Zugang zu den Soldaten und ihre sofortige Freilassung.

Iran fordert Schuldeingeständnis
Die iranische Regierung bekräftigte unterdessen ihre Forderung nach einem britischen Schuldeingeständnis. Dies sei Voraussetzung für Verhandlungen über die Freilassung der Soldaten, sagte der iranische Außenminister Mottaki nach Angaben seines australischen Amtskollegen Alexander Downer in einem Telefongespräch. Downer kritisierte das iranische Vorgehen in dem Gespräch als unverhältnismäßig, wie er im Rundfunksender ABC sagte. Teheran riskiere damit eine weitere Isolation.

Deutschland warnt vor Zuspitzung der Krise
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte ebenfalls vor einer Zuspitzung der Krise. "Ich appelliere an die Führung in Teheran, die angespannte Lage zu entschärfen", schrieb Steinmeier in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Bild am Sonntag". "Wenn die Führung in Teheran glaubt, dass irgendwer diese Aktion als Demonstration der Stärke auffasst, befindet sie sich im Irrtum."

EU stärkt Großbritannien den Rücken
Die Europäische Union hatte Großbritannien beim informellen EU-Außenministertreffen in Bremen demonstrativ den Rücken gestärkt. Die EU-Außenminister einigten sich am ersten Tag ihres Treffens auf eine Resolution, in der die "sofortige und bedingungslose" Freilassung der Seeleute gefordert wird. Die deutsche Bundeskanzlerin und amtierende EU-Ratsvorsitzende Angela Merkel begrüßte am Samstag in Jordanien die Forderung der EU-Außenminister nach einer unverzüglichen Freilassung der im Iran festgehaltenen Soldaten als "klares Signal" an Teheran.

USA schließen Austausch mit iranischen Gefangenen aus
Derweil haben die USA einen Austausch der Briten gegen fünf im Irak festgenommene Iraner ausgeschlossen. Berichte, dass ein solcher Austausch der Schlüssel für die Lösung der Gefangenen-Krise sein könnte, seien falsch, erklärte laut dem britischen Sender BBC ein Sprecher des US-Außenministeriums.

Haftstrafe von 18 Monaten droht
Bei einem Prozess wegen illegalen Grenzübertritts könnte den britischen Soldaten eine Haftstrafe von 18 Monaten drohen. Dazu war der deutsche Tourist Donald Klein im Jänner 2006 verurteilt worden, der im November 2005 bei einem Segel- und Angelausflug auf iranischem Hoheitsgebiet festgenommen worden war. Erst nach fast 16 Monaten Haft, zuletzt im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis, kam er am 12. März wieder frei.

(apa/red)