Die Langatmigkeit der Wiederholung: Das TV-Duell zwischen Molterer-Van der Bellen

Von der Noblesse der beiderseitigen Zurückhaltung Der Kuschelkurs als schwarz-grünes Markenzeichen

Die Langatmigkeit der Wiederholung: Das TV-Duell zwischen Molterer-Van der Bellen © Bild: APA/Andreas Pessenlehner

Und wieder ein TV-Duell, wieder eine Konfrontation der Spitzenkandidaten mit sich wiederholenden Argumenten. Euphemistisch wurde diese Auseiandersetzung als unaufregend betitelt. Treffender könnte man sie als reizlos bezeichnen. Die Zeit der liebevollen Avancen zwischen Schwarz und Grün ist vorbei. Dennoch ist der Kuschelkurs zum Markenzeichen in dieser politischen Konstellation geworden. Angriffe werden getadelt, wodurch die Debatte gänzlich zur Einförmigkeit verkommt.

Die Krise des Finanzmarktes bot den passenden Einstieg für die Diskussion. Die Welt wurde mit der jüngsten Pleitewelle wieder auf die Unsicherheit bestimmter Finanzprodukte aufmerksam gemacht. Beschwichtigung oder Überspitzung der Risikoeinschätzung, je nach Ausgangslage wählten die Kontrahenten passende Argumentationsstrategien. Dennoch blieben die eigentlichen Bruchlinien im Verborgenen. Selbst Thurnhers Bemühen als Moderation konnte diese nicht freilegen.

Der verbleibende Reiz solcher Debatten eröffnet sich meist dann, wenn das Team hinter den Spitzenkandidaten nicht korrekt arbeitet. Was bleibt ist die Schadenfreude der Zuseher, wenn man wieder auf die Tatsache aufmerksam gemacht wird, dass selbst das politische Expertentum nicht vor Fehlern gefeit ist. Als Molterer seinem Gegner vorwarf, er würde für eine Grundsicherung eintreten, wurde er von Van der Bellen korrigiert. Man habe dies wohl mit dem Liberalen Forum verwechselt. Ein peinlicher Fauxpas, der sich in der Rückschau als Highlight entpuppte.

Der gesamte Ton der Debatte zeugte von der kulturellen Nähe der TV-Kontrahenten. Gut gebildete, der oberen Einkommensschicht angehörende Menschen versuchen Haltung für jene Wählerschaft zu bewahren, die demselben Bildungshorizont entstammen. Jede Anstalt der Angriffslust wird als würdelos verunglimpft. "Auf diesem Niveau bin ich Sie gar nicht gewöhnt", weist Molterer Van der Bellen zurecht. Eine Noblesse, die den politischen Wettkampf zu einer monotonen Tretmühle verkommen lässt.
(Sebastian Baryli)