Die Krise hat den Arbeitsmarkt eingeholt:
287.147 Österreicher im Dezember ohne Job

Arbeitslosigkeit um 8,2 Prozent höher als im Vorjahr AK-Chef Tumpel will Instrument Kurzarbeit schärfen

Die Krise hat den Arbeitsmarkt eingeholt:
287.147 Österreicher im Dezember ohne Job © Bild: APA/Barbara Gindl

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im Dezember 2008 um 8,2 Prozent gestiegen, die ungünstige Entwicklung hat sich damit gegenüber dem Vormonat deutlich beschleunigt. Beim Arbeitsmarktservice (AMS) waren per Ende Dezember 287.147 Arbeitssuchende gemeldet. Das waren um 21.841 mehr als vor einem Jahr. Die geschätzte Zahl der unselbstständig Beschäftigten stieg nach wie vor, nämlich um 1,3 Prozent auf 3,375 Millionen Menschen.

Gegenüber November stieg die Arbeitslosigkeit saisonbedingt um 27,3 Prozent um 61.556 Personen. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung schnellte im Jahresvergleich um 0,4 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent hoch. Die Arbeitslosenzahl im Dezember ist trotz der deutlichen Verschlechterung aber "noch deutlich niedriger als vor drei Jahren (Dezember 2005: 307.282 Arbeitsuchende)", relativiert das Arbeitsmarktservice (AMS) in einer Aussendung.

Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich in den Bundesländern recht unterschiedlich. Während in Wien der Anstieg der Arbeitslosigkeit noch kaum spürbar war (+0,2%) und in Niederösterreich (+4,7%) und dem Burgenland (+7,6%) der Anstieg vergleichsweise moderat ausfiel, "stieg die Arbeitslosigkeit in den anderen Bundesländern rapide mit jeweils mehr als 12% gegenüber dem Vorjahr", schreibt das AMS.

21 % mehr Arbeitslose in der Industrie
Nach Branchen betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit am stärksten im Bereich der Arbeitskräfteüberlassung (+6.896 oder 26,7 Prozent). Während in der in der Nebensaison befindlichen Bauwirtschaft die Zahl der Arbeitslosen nur leicht anstieg (+3,8 Prozent), stieg die Zahl der Jobsuchenden in der Industrie ("Sachgütererzeugung") stark an (+5.688 oder +21,0 Prozent).

Die Arbeitslosigkeit stieg in allen Altersgruppen. Den stärksten Anstieg gab es bei den Jobsuchenden unter 25 (plus 6.601 oder 16,5 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen im Alter zwischen 25 und 44 Jahren nahm um 7.751 oder 5,5 Prozent zu, die der über 45-Jährigen um 7.489 oder 8,8 Prozent.

Tumpel will Instrument Kurzarbeit reformieren
Herbert Tumpel, Präsident der Arbeiterkammer, will im Kampf gegen die Krise das Instrument der Kurzarbeit reformieren bzw. ergänzen, die Ausbildung der Facharbeiter verstärken und die Übergangsfristen auf dem Arbeitsmarkt voll ausschöpfen: "Jetzt drängt die Zeit, um gegenzusteuern. Wir müssen alles tun, um die Arbeitsplätze zu schützen", erklärt Tumpel in einer ersten Reaktion auf die deutlich verschlechterten Dezember-Zahlen am Arbeitsmarkt.

Um Kündigungen zu vermeiden, brauche es eine finanziell abgesicherte Kurzarbeit sowie den Ausbau von Arbeitsstiftungen, speziell für Leiharbeiter: "Kurzarbeit muss viel leichter und besser als bisher mit Aus- und Weiterbildung der kurzarbeitenden ArbeitnehmerInnen verbunden werden können", so die AK in einer Aussendung.

AMS bekräftigt optimistische Prognose für 2009
Trotz der deutlichen Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt steht AMS-Vorstand Herbert Buchinger zu seiner im Vergleich zu anderen Experten "optimistischen" Prognose, von durchschnittlich 20.000 Arbeitslosen mehr im kommenden Jahr. Die Wirtschaftsforschungsinstitute etwa rechnen mit 100.000 Arbeitslosen mehr in den nächsten drei Jahren.

"Die Dezemberzahlen sind nicht gut, aber sie bestätigen unsere Prognosen", sagte Buchinger am Freitag zur APA. Weil im vergangenen Dezember die Beschäftigungslage in der Bauwirtschaft und im Tourismus außergewöhnlich günstig gewesen sei, hätte man eigentlich mit einem noch stärkeren Anstieg rechnen müssen. Die Zahlen in den beschäftigungssstarken Sektoren Bau (3,8 Prozent mehr Arbeitslose) und Tourismus (2,1 Prozent mehr Arbeitslose) haben die Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt aber gedämpft.
(apa/red)