Die Konsumwut in den USA geht zu Ende: Verbraucher entdecken die Sparsamkeit

Gemüsegärten und Sammelgutscheine sind im Trend Amish als Vorbild und Ratgeber für Enthaltsamkeit

Die Konsumwut in den USA geht zu Ende: Verbraucher entdecken die Sparsamkeit © Bild: EPA

Im Land des Konsums stehen die Zeichen auf Sparsamkeit: Die US-Verbraucher entdecken angesichts explodierender Energie- und Gebrauchsgüterpreise die Tugend der Bescheidenheit und des kostengünstigen Wirtschaftens. Angesichts eines Benzinpreisanstiegs um 25 Prozent in den vergangenen fünf Monaten und stetig kletternder Lebensmittelpreise machen in Zeitungen jetzt Spartipps die Runde. Spritsparend Autofahren, Gemüse im eigenen Garten ziehen und Leitungswasser trinken sind die neuen Trends.

Sparen beginne beim vernünftigen Einkaufen, rät die Tageszeitung "Kansas City Star": "Machen Sie eine Einkaufsliste und halten Sie sich daran. Und gehen Sie nie mit leerem Magen einkaufen", empfiehlt das Blatt. Die Leute sollten Spontankäufe vermeiden, sagt Finanzberaterin Janet Fox-Kreielsheimer in der Zeitung. "Essen Sie weniger, trinken Sie Leitungswasser und führen Sie eine Woche mit Resteessen ein", schreibt der "Star".

Internetbörse für Sammelgutscheine
Letzter Schrei unter den Sparwütigen ist das Sammeln von Treuepunkten. Damit lasse sich viel Geld sparen, "auch wenn es einem Teilzeitjob gleichkommt", sagt Expertin Michelle Harrison. Die junge Mutter aus North Carolina surft geduldig im Internet auf der Suche nach Websites für den Tausch von Sammelgutscheinen oder Tipps für besonders günstige Angebote.

Auch Hinweise für benzinsparendes Autofahren finden sich mittlerweile in jeder Zeitung: Nicht mit kaltem Motor fahren, langsamer fahren, Fahrgemeinschaften bilden und eher eine große als viele kleine Touren machen, raten die Blätter. Einige Firmen und Gemeindeverwaltungen haben mittlerweile sogar die Vier-Tage-Woche eingeführt, um damit ein Fünftel des Wochenbudgets für Benzin einzusparen.

Amish-Geschäfte im Trend
Auf der Suche nach einer weniger kostspieligen Lebensweise entdecken die US-Verbraucher auch alte Bekannte mit Erfahrung wieder: Die Amish, eine konservative christliche Gruppierung, die ohne Elektrizität lebt, sind mit ihren günstigen Geschäften gefragt wie nie. Viele Mitglieder der Amish betreiben Billig-Geschäfte, in denen es Produkte mit bald ablaufendem Haltbarkeitsdatum zu unschlagbar günstigen Preisen gibt.

Und wer einen Garten hat, tauscht Dahlien und Margeriten gegen Bohnen und Tomaten. Der Gartenverband Garden Writers Association teilte mit, die Zahl der Gartenbesitzer, die in diesem Jahr Gemüse anbauen wollten, sei im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 40 Prozent gestiegen. Der Internetverkauf von Sämereien verzeichnet zweistellige Wachstumsraten. 1,4 Mrd. Dollar (898 Mio. Euro) gaben die Amerikaner im vergangenen Jahr für Gemüsepflanzen aus - eine Zunahme um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

(Virginie Montet/AFP)