Die Klima-Zeitbombe tickt immer schneller: Bis 2015 muss Erderwärmung gestoppt sein!

Ausstoß von Treibhausgasen soll stabilisiert werden 3. Teil des UN-Klimaberichts: "Müssen jetzt handeln!"<br>PLUS: Wie lässt sich der CO2-Ausstoß verringern?

Die Klima-Zeitbombe tickt immer schneller: Bis 2015 muss Erderwärmung gestoppt sein!

Die Zeit für den Klimaschutz wird knapp. Bis zum Jahr 2015 muss der Treibhausgasausstoß stabilisiert werden. Aber: Die Klimakatastrophe lässt sich mit nur einem Tausendstel der Weltwirtschaftsleistung vermeiden. Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse des jüngsten UN-Klimaberichts, dessen dritter Teil in Bangkok veröffentlicht worden ist.

"Wir müssen handeln und dürfen keine zehn Jahre mehr warten", mahnte einer der Mitherausgeber des Reports, Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg. "Die Reduktionsziele für den Treibhausgasausstoß müssen ehrgeiziger sein."

Die Klimaschutzkosten sind nach Analyse des UN-Klimarats IPCC überschaubar. "Im ehrgeizigsten Szenario würde das Weltwirtschaftswachstum bis 2030 im Jahr höchstens 0,12 Prozentpunkte niedriger liegen", sagte einer der beiden Co-Vorsitzenden der IPCC- Arbeitsgruppe, Bert Metz. Das bedeute keine gravierenden Einbußen in der Lebensqualität, betonte der andere Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Ogunlade Davidson. "Es geht hier nicht um Opfer, die die Menschen bringen müssen, sondern um Änderungen des Lebensstils." So schlagen die Wissenschafter etwa vor, mehr Rad zu fahren und zu gehen, statt das Auto zu benutzen.

Um die Erderwärmung im beherrschbaren Bereich von 2 bis 2,4 Grad Celsius zu halten, müssen die weltweiten Kohlendioxidemissionen bis Mitte des Jahrhunderts um 50 bis 85 Prozent sinken - verglichen mit den Werten vom Jahr 2000. Damit soll die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre begrenzt werden, und zwar auf 445 bis 490 ppm (Teile pro Millionen Teile Luft). "Um das zu erreichen, ist eine riesige Anstrengung erforderlich", sagte Metz.

Viele nötigen Techniken sind nach Angaben des UN-Klimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) bereits heute verfügbar, andere müssen entwickelt oder verbessert werden. In allen Sektoren könnte eine Art Preisschild darüber informieren, wie viel Kohlendioxid ein Gegenstand oder eine Dienstleistung verursacht, und damit zu einem Bewusstseinswandel beitragen.

"Höchste Dringlichkeit für internationales Abkommen"
Von der "höchsten Dringlichkeit für ein internationales Abkommen" sprach der in Bangkok weilende Klimaexperte des österreichischen Umweltbundesamtes, Klaus Radunsky. Er sagte, dass Experten von einem weiteren Ansteigen der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2100 ausgehen, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden. Diese Abkommen müssten so wirksam bzw. der politische Wille so groß sein, dass bis zu drei Prozent des Bruttonationalprodukts zur Erreichung der Schutzziele aufgewendet werden müssen.

Der Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, warnte angesichts der teils dramatischen Prognosen möglicher Klimawandelfolgen vor Fatalismus. "Im Jahr 2007 werden uns nicht nur die Konsequenzen in drastischer Weise vor Augen geführt, sondern die Lösungen bekommen eine klarere Kontur", sagte Steiner. "Der dritte Teil des Berichts setzt sich mit der Machbarkeit von Lösungsansätzen auseinander, das ist Grund für Mut und Optimismus."

Nach Ansicht von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas müssen sich Industrie- und Schwellenländer so schnell wie möglich auf verbindliche Klimaschutzziele einigen. Es sei höchste Zeit, dass die internationale Gemeinschaft dem Vorbild der EU folge und sich zu einer drastischen Reduktion der Treibhausgase verpflichte, sagte Dimas.

Umweltminister Josef Pröll plädierte ebenfalls für rasches globales Handeln. Es sei notwendig, dass die UNO jetzt auch entsprechende Schritte zur globalen Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen setze. Er schlug vor, dass sich neben internationalen Organisationen wie der WTO (Welthandelsorganisation) auch der Weltsicherheitsrat mit dem Thema beschäftigen solle. (apa/red)