"Die Hypo war mein Baby": Ex-Boss Kulterer
geht jetzt im FORMAT-Talk in die Offensive

"BayernLB läuft bei Problemen schreiend davon" Verschwundene Yachten? - "Prüfbericht ist Quatsch"

"Die Hypo war mein Baby": Ex-Boss Kulterer
geht jetzt im FORMAT-Talk in die Offensive © Bild: René Prohaska

Der langjährige Chef der Hypo Alpe Adria, Wolfgang Kulterer, schlägt zurück. Er geht mit Bayern, Kärnten, Jörg Haider und auch mit sich selbst hart ins Gericht.

FORMAT: Wie geht es Ihnen damit, dass die Hypo ein Skandalfall wurde?
Kulterer: Es geht mir damit überhaupt nicht gut, und ich mache kein Geheimnis daraus, dass mich die Sache sehr belastet. Die Hypo war mein Baby, und ich habe 15 Jahre viel Zeit und Energie in diese Bank gesteckt. Und wenn ich dann mit ansehen muss, was jetzt geschieht, kann es mir damit nicht gut gehen.
FORMAT: Wie hat die Hypo überhaupt in so eine Lage geraten können?
Kulterer: 2008 sind wir von der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 1929 überrollt worden, die die Hypo, die ja vor allem im Osten Europas aktiv ist, in Mitleidenschaft gezogen hat.
FORMAT: Aber die Wirtschaftskrise allein kann ein so arges Debakel doch nicht auslösen …
Kulterer: Ich tue mir schwer, das zu beurteilen. Die letzte Hypo-Bilanz, die ich unterschrieben habe, war die von 2005. Ich habe die Bank 2006 als Vorstandschef und Mitte 2007 als Aufsichtsratspräsident verlassen. Seither ist die Bank, was das Kredit- und Leasinggeschäft betrifft, um 50 Prozent gewachsen. Ich kann nur über den Teil reden, den ich mitgestaltet habe.

"Bei Problemen läuft die BayernLB davon"
FORMAT: Welche Schuld trägt die BayernLB am Hypo-Debakel?
Kulterer: Die BayernLB ist eine interessante Bank. Immer, wenn es bei einer Tochter Probleme gibt, läuft sie schreiend davon und schmeißt alles hin. Das haben wir bei der Bawag erlebt oder in Kroatien bei der Rijecka banka. Dort hat man die Bank praktisch über Nacht zurückgegeben, was für mich unfassbar war.
FORMAT: Aber warum hat man dann die Bayern als Partner genommen?
Kulterer: Das kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht der Verkäufer war. Meine Aufgabe bestand darin, Kontakte herzustellen. Ich war auch nicht unter den Hypo-Investoren.
FORMAT: Warum haben Sie diese Kontakte hergestellt?
Kulterer: Glauben Sie, ich gehe nach 15 Jahren, wenn man so was aufbaut, und denke: hinter mir die Sintflut? Ich agiere nicht wie die Bayern. Ich habe nach der Swap-Geschichte auf Wunsch des Aufsichtsrats in London vor 30 oder 40 internationalen Fonds eine Roadshow abgehalten. Die Bank benötigte damals dringend Eigenkapital. Zum Schluss ist nach einem Auswahlverfahren der Investor Tilo Berlin & Co übrig geblieben. Die Sache mit der Bayerischen Landesbank hat sich erst später entwickelt.
FORMAT: Die Bayern sagen jetzt, sie hätten die Hypo so marod übernommen.
Kulterer: Das ist eine Zumutung.
FORMAT: Aber kann man wirklich alles so schnell in den Abgrund fahren?
Kulterer: Ich bin am 30. September 2006 aus der Bank ausgestiegen. Danach wurde ein Risikomanager eingestellt, der bis heute diese Aufgabe hat. Glauben Sie wirklich, dass der Mann eine Schrecksekunde von dreieinhalb Jahren hat? Die Bank ist von oben bis unten umgedreht worden. Dazwischen hat es drei Wirtschaftsprüfungen gegeben, auch Prüfungen von FMA und Notenbank.

"Geldwäsche-Vorwürfe haben sich in Luft aufgelöst"
FORMAT: Ihre Ära ist dennoch umstritten. So gehörte der ins Zwielicht geratene kroatische Politiker Vladimir Zagorec zu Ihren Kunden. War jeder recht?
Kulterer: Ich habe Zagorec nicht als Kunden gewonnen, sondern ihn von der kroatischen Hypo-Tochter gewissermaßen vererbt bekommen. Bis 2007 habe ich ihn nicht einmal gekannt. Die Geschäfte, die mit ihm gemacht wurden, waren gut besicherte Immobiliengeschäfte. Gerüchte, dass es irgendwo bei der Hypo große Schwarzgeld-Depots von Zagorec gab, stimmen einfach nicht. Das hat ja auch eine Prüfung durch die Nationalbank ergeben.
FORMAT: Sie glauben also nicht, dass sich die Vorwürfe wegen Geldwäsche erhärten werden?
Kulterer: Die Geldwäsche-Vorwürfe haben sich damit schon in Luft aufgelöst. Denn die Nationalbank hat 2007 eine Spezialtruppe damit beauftragt, alles zu untersuchen. Auch die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hat sich die Sache angesehen und stieß auf keine Ungereimtheiten. Es gab keine großen Einlagen von Zagorec bei der Hypo.
FORMAT: Hätte man sich von Zagorec nicht früher verabschieden müssen?
Kulterer: Das ist eine Frage, die man im Nachhinein leicht stellen kann. Als ich gesehen habe, welche Immobiliengeschäfte gelaufen sind, war mir klar, dass die Sache beendet werden muss. Aber in meiner Zeit war das ordentlich besichert.
FORMAT: Auch 400 von der Hypo finanzierte Yachten sollen laut Prüfbericht verschwunden sein.
Kulterer: Der Prüfbericht ist Quatsch. Wenn Sie im Oktober an alle kroatischen Häfen einen Brief schreiben und bitten, bekannt zu geben, ob diese oder jene Yacht gerade dort liegt, werden sie nur von den großen Häfen eine Antwort erhalten, nicht aber von den vielen kleinen. Denn in gewissen Zeiten gibt es dort kein Personal, das antworten könnte. Es ist eine Mär, dass Yachten verschwunden sind. Wahr ist, dass es keine Rückmeldungen gab. Vielleicht sind drei, fünf oder zehn verschwunden, aber sicher keine 400.

"Fehlgriffe in der Personalauswahl"
FORMAT: Die Hypo soll in Kroatien zu leichtfertig Kredite vergeben haben.
Kulterer: Das jetzt zu sagen ist einfach. Die Wirtschaftskrise hat brutal zugeschlagen und den gesamten Immobilienmarkt in Kroatien zum Erliegen gebracht. Aber nicht nur in Kroatien. In allen CEE-Ländern haben wir Immobilienpreise, die heute nur mehr halb so hoch sind wie noch vor drei Jahren.
FORMAT: Haben Sie in all den Jahren keine Fehler begangen?
Kulterer: Natürlich habe auch ich Fehler gemacht. Wir waren sehr euphorisch, wahrscheinlich zu euphorisch. Es steckte viel Dynamik im Aufbau der Hypo.
FORMAT: Wo lief denn was schief?
Kulterer: Bei der Personalauswahl, aber Namen nenne ich keine. Wenn man hundert Führungskräfte hat, kann man da und dort einen Fehlgriff machen.

Interview: Silvia Jelincic, Miriam Koch

Wie es Kulterer mit seinem neuen Unternehmen geht und warum man in Haider-Land keine Bank leiten kann, lesen Sie in der aktuellen FORMAT-Ausgabe 5/10.

Kommentare

Hypo mein Baby Auch wieder einer, bei dem alle anderen Schuld sind. Zu seiner Aussage, er ist gegangen muß man sagen, daß er wegen Bilanzfälschung gegangen wurde. Un so einem macht der Haider zum Aufsichtsratvorsitzenden.

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