Die Geschichte der Wiener Sofiensäle: Vom ehemaligen Schwimmbad zum Wohnobjekt

Denkmalamt setzte sich erfolgreich gegen Abriss ein IFA sieht Wohnungen und Kulturinitiativen vor

Vor neun Jahren brachten die Flammen das vorläufige Ende für die Wiener Sofiensäle. Am Areal wurde nun der Bau von Wohnungen und Kulturinitiativen angekündigt.

Am Anfang der Wiener Sofiensäle stand das Element Wasser, schließlich hatte die derzeitige Brandruine ihre Geschichte als russisches Dampfbad begonnen. Am 14. Jänner 1838 eröffnete der Tuchscherer Franz Morawetz eine Badeanstalt in der Marxergasse im heutigen Bezirk Landstraße. Die Anlage benannte er nach der Mutter Kaiser Franz Josephs, Erzherzogin Sophie, "Sophienbad".

1948: "Sophienbad" wird Veranstaltungssaal
Bereits zehn Jahre später folgte ein Neubau durch das Architektenpaar Eduard van der Nüll und August Siccard von Siccardsburg. Die beiden realisierten Jahre vor ihrem Entwurf für die Staatsoper ein technisch höchst innovatives Projekt. Der Mehrzwecksaal war als Schwimm- und Veranstaltungshalle nutzbar und bot bis zu 2.700 Personen Platz. Er war damals das größte öffentliche Lokal Wiens. Eine weitere Umgestaltung erfolgte 1870, als in zwei Geschoße Logen eingebaut wurden.

Mit neuer Fassade zu "Sofiensäle" umbenannt
Erst seit der Eröffnung des Kleinen Saales 1886 mit eigenständiger Fassade wurde für das Ensemble der pluralisierte Name "Sofiensäle" geläufig. 1898/99 erhielten die Anlage schließlich noch ihre sezessionistisch gestaltete Schaufront zur Marxergasse. Diese Arbeiten waren für längere Zeit die letzte größere Veränderung an dem Ensemble. Erst 1948 erfolgte eine Renovierung durch den Architekten Carl Appel.

1986: Denkmalschutz
Am 21. August 1986 wurde der Kernbau, also der große Festsaal samt Foyer und Bühnenhaus einschließlich der dazugehörigen Fassaden, unter Denkmalschutz gestellt. In der Begründung hieß es: "Von den zahlreichen großen Wiener Tanz- und Vergnügungsetablissements der Gründerzeit sind nur die Sofiensäle fast unverändert erhalten geblieben, alle anderen sind verschwunden."

In dem Bescheid wurde auf "herausragende Ereignisse" verwiesen, wie etwa Konzerte der Familie Strauß oder die Uraufführung von Werken Arthur Schnitzlers. Daneben wurde in den Sofiensälen aber auch von Richard Suchenwirth im Jahr 1926 der Österreichableger der NSDAP gegründet und der Bau nach der Reichspogromnacht als Sammelstelle vor der Deportation von Juden genutzt.

2001 zerstört ein Brand die Säle
Das vorläufige Ende für die Sofiensäle als intakter Bau brachte schließlich der 16. August 2001. Ein Brand, verursacht bei Flämmarbeiten, zerstörte die Dach- und Deckenkonstruktion. Ein Dachdeckermeister wurde später zu einer dreimonatigen bedingten Haftstrafe wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst verurteilt. Bei den folgenden Sicherungsarbeiten wurde auch das desolate Bühnenhaus abgerissen.

Wohnungsbau statt Abriss
Gegen den völligen Abriss der Sofiensäle setzte sich das Denkmalamt mit Erfolg zur Wehr: Der ursprüngliche Eigentümer veräußerte die Ruine nach Jahren des Zuwartens 2006 an die Wohnbaugesellschaft Arwag. Im September 2010 gab diese nun bekannt, das Objekt an die Soravia-Tochter IFA zu veräußern, die am Areal Wohnungen und Kulturinitiativen vorsieht.

(apa/red)