Menschen von

Besser geht's nicht

Andrea Breth inszenierte „Die Geschichte von Ihnen“ John Hopkins am Akademietheater

DIESE GESCHICHTE VON IHNEN © Bild: Bernd Uhlig

Für das große psychologische Schauspielertheater braucht es wirkliche Könner. Solche sind im Wiener Akademietheater bei John Hopkins „Die Geschichte von Ihnen“ am Werk. Andrea Breth machte das Stück des Briten mit den exzellenten Hauptdarstellern Nicholas Ofczarek und August Diehl zum Psychothriller.

THEMEN:

Im Zentrum steht Nicholas Ofczarek in Gestalt des englischen Polizisten Johnson. Während eines Verhörs hat er einen als Kinderschänder verdächtigen Immobilienmakler zu Tode geprügelt. Ober der Mann tatsächlich schuldig, war erfährt man jedoch nicht.

Hopkins erzählt „Die Geschichte von Ihnen“ im chronologischen Zickzack-Kurs.

DIESE GESCHICHTE VON IHNEN
© Bernd Uhlig

Am Anfang steht die Selbstanklage. Und da schafft bereits das Bühnenbild Beklemmung. Martin Zehetgruber hat eine düstere Wohnung, im Stil der Sechzigerjahre mit Sitzgruppen, Bett, Esstisch und einem mit Porzellanfiguren überfrachteten Wandschrank aufgebaut. Johnson ist sich selbst überlassen, seine Verzweiflung ertränkt er im Alkohol, seine Ehefrau (Andrea Clausen) ist ihm ein schwaches Gegenüber. Als Beichtmutter taugt sie nichts.

Cool wie Columbo

Auf Selbstanklage folgt die Verteidigung. Die findet auf der Polizeistation statt. Johnson wird von Chefinspektor Cartwright (Roland Koch) vernommen. Wie Koch den nervösen, kettenrauchenden Ermittler gibt, hat nahezu Columbo-Format. Mit wenig Aufwand macht Cartwright klar, das Verhör, das Johnson durchgeführt hat, war illegal, die Beweise hätten nicht ausgereicht, um den Verdächtigen überhaupt festzuhalten und, was den Polizisten am härtesten trifft, eigentlich ist Johnson ein Niemand, der es nie über den Rang eines Sergeant hinausgebracht hätte. Und diesen Niemand gibt Ofczarek mit größter Virtuosität. Und dieses Niemand-Sein nimmt er in den dritten Akt mit. Und der zeigt den Ausgangspunkt. Johnsons tödliches Verhör des mutmaßlichen Kinderschänders Baxter (August Diehl).

DIESE GESCHICHTE VON IHNEN
© Bernd Uhlig

Fulminantes Schauspiel

Dass man beim dritten Akt bereits zu Beginn weiß, wie der endet, ist sehr gut. Denn umso mehr kann man sich auf das grandiose Spiel der beiden Hauptdarsteller konzentrieren. Auf die Grausamkeiten des Polizisten Johnson haben Akt eins und zwei ausführlich vorbereitet. Nicht aber auf die Wandelbarkeit des Verdächtigen. August Diehl lässt nichts erkennen, weder Schuld noch Unschuld. Er gibt einen Psychopathen, der einem anderen Psychopathen gegenübersteht. Ebenbürtige Gegner sind sie, der eine, Baxter, siegt mit seinem Intellekt, richtet den anderen mit Worten zugrunde, ruft dessen Kindheit in Erinnerung, trifft ihn in der Seele und überführt ihn als verkommenen, Perversen. Der andere, Johnson, wehrt sich mit roher Gewalt. Ob er tatsächlich noch glaubt, dass Baxter ein Kinderschänder ist, bleibt offen. Die Indizien, die er für sich, quasi als Ausrede vorbringt, sind fadenscheinig und würden keinem Ermittler reichen. Wie Diehl und Ofczarek mit den Unwägbarkeiten des Stücks umgehen, hat Hitchcock-Format.

Kommentare