"Die Geschichte ist gelebt": Hundstorfer diskutierte mit voestalpine-Betriebsräten

Infos über 'Baustellen' BAWAG, Finanzen und Reform Keine Austrittswelle aber "wenig erfreuliche Bilanz"

ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer hat im Rahmen seiner Bundesländertournee in Linz Station gemacht und mit Betriebsräten, Vertrauensleuten und Jugendvertrauensräten der voestalpine diskutiert. Er entschuldigte sich für die Vorfälle der vergangenen Monate und informierte über mehrere "Baustellen": die BAWAG, die Finanzen des ÖGB und dessen Reformprozess. Nach Gewerkschaftsangaben waren rund 130 Personen zu der Veranstaltung gekommen.

"Die Geschichte ist gelebt", betonte Hundstorfer im Zusammenhang mit der BAWAG-Affäre. Sie könne nicht rückgängig gemacht werden, man sei aber dabei, sie "schonungslos und ohne Tabus" aufzuarbeiten. Der ÖGB-Reformprozess sei eingeleitet und in Arbeitsgruppen ein Fragebogen ausgearbeitet worden, der im September an die 1,3 Mio. Mitglieder versandt werde, so Hundstorfer. Bis zum ÖGB-Kongress im Jänner kommenden Jahres, bei dem neue Statuten und eine neue Geschäftsordnung beschlossen werden, solle die erste Etappe der Reform geschafft sein.

Im Zuge des BAWAG-Skandals sei es zu keiner Austrittswelle gekommen, erklärte Hundstorfer, der von einigen neuen Mitgliedern berichtete. Dennoch werde die Bilanz, die der ÖGB im Herbst lege, "nicht sehr erfreulich". Man verfüge nur mehr über die Mitgliedsbeiträge - eine Summe von rund 190 Mio. Euro -, aber nicht mehr über die Dividende der BAWAG. 70 Mio. Euro müssten eingespart werden. Ein Streik könne wenn nötig dennoch immer finanziert werden, betonte Hundstorfer.

"Uns ist das Herz in die Hose gefallen"
Die Arbeitnehmervertreter der voestalpine übten u.a. Kritik an der ÖGB-Führung: Diese habe keinen Bezug zur Basis. "Uns ist das Herz in die Hose gefallen", sagte der Landesjugendvorsitzender der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung, Jürgen Michlmayr, über die Ereignisse rund um die BAWAG. Er pochte darauf, das Gemeinschaftsgefühl wieder stärker ins Bewusstsein zu rufen und auf einen besseren Informationsfluss im ÖGB. Die Bundesländer und Regionen müssten mehr Mitspracherecht erhalten, forderte Helmut Oberchristl, ehemaliger langjähriger Zentralbetriebsratsvorsitzender der voestalpine: "In Wien alleine wird man es nicht zusammenbringen."

Doppelgleisigkeiten müssten beseitigt und die interne Administration gestrafft werden, betonte Hundstorfer. Als "Riesenaufgabe" bezeichnete er die Schaffung von zusätzlichen Betriebsratskörperschaften. Vertrauen zu gewinnen nannte der Präsident als Herausforderung für die Zukunft. 2,2 Mio. Menschen seien nicht ÖGB-Mitglieder: "Das ist unsere Zielgruppe."

Am Ende der Veranstaltung wurden dem ÖGB-Präsidenten symbolisch einen Kompass für den "richtigen Weg" und eine Statuette der Heiligen Barbara überreicht. Im Anschluss warf Hundstorfer einen Blick auf das voestalpine-Werksgelände, dabei sei es auch zu einer kurzen Begegnung mit Generaldirektor Wolfgang Eder gekommen, ein ausführliches Gespräch hat es dabei nach Auskunft des Unternehmens aber nicht gegeben. Ende Juli war bekannt geworden, dass Politiker keine Wahlkampfauftritte bei der voestalpine absolvieren dürfen.

(apa/red)