Die Fremden aus dem wilden Kaukasus:
Aserbaidschan fordert Österreich heraus

Boomendes Land schöpft seinen Reichtum aus Öl Berti Vogts mit Team als Riesentöter erfolgreich

Die Fremden aus dem wilden Kaukasus:
Aserbaidschan fordert Österreich heraus © Bild: Corbis/Conger

Am 8. Oktober trifft Österreichs Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation auf ein Land, mit dem der normale Österreicher im Regelfall recht wenig anfangen kann. Ja ja, irgendwo da hinten im Kaukasus, weiß man zu berichten. Das war es aber auch schon. Auch die politischen und wirtschaftlichen Kontakte beschränken sich bisher auf das Notwendigste. Eine österreichische Botschaft in Baku ist überhaupt erst heuer im Juni eröffnet worden. Die aktuelle Nummer 102 der FIFA-Weltrangliste verfügt über keine klingenden Namen in der Nationalmannschaft, der einzige Prominente ist ein Import, nämlich der deutsche Trainer Berti Vogts. Müssen sich Constantinis Jungs fürchten, und wer sind die überhaupt, diese Aserbaidschaner?

Also eines vorweg, Aserbaidschaner ist schon einmal nicht ganz richtig. Die Einwohner nennen sich Aseri. Aber Aserbaidschaner geht natürlich auch. Davon gibt es rund 8,7 Millionen, die ein Land mit einer Fläche von 86.600 Quadratkilometern bevölkern (Im Vergleich dazu Österreich 83.871 Quadratkilometer). Die Sprache (Aseri) ist sehr eng mit dem Türkischen verwandt, die Verständigung mit Türken funktioniert mühelos. Als Geschäftssprache dient auch Russisch. Vorherrschende Religion ist der Islam - der aber nur von wenigen Menschen in dem Nachfolgestaat der ehemaligen Sowjetunion praktiziert wird. Die Hauptstadt Baku ist eine wichtige Hafenstadt am Kaspischen Meer und hat 1,8 Millionen Einwohner. Die heimische Küche ähnelt jener der Türkei.

Die Wirtschaft boomt. Pro Kopf betrug die Wirtschaftsleistung allerdings trotzdem nur gut 8.200 Euro (Österreich: 32.900 Euro). Die Auslandsverschuldung ist mit rund 1,7 Mrd. Euro kaum nennenswert. Die Arbeitslosigkeit beträgt etwa 7 Prozent. Die Inflation war 2009 mit 1,5 Prozent ebenfalls moderat. Allerdings leidet das Land unter einer hohen Korruption.

Wir wollen ihr Öl
Die Wirtschaftsbeziehungen mit Aserbaidschan laufen noch auf Sparflamme. Im vergangenen Jahr exportierte Österreich in das Kaukasus-Land nach Auskunft der Wirtschaftskammer nur Waren im Wert von knapp 42 Mio. Euro. Aserbaidschan kauft von Österreich vor allem Maschinen, pharmazeutische Produkte sowie Waren aus Eisen und Stahl. Von Aserbaidschan bezieht Österreich vor allem Erdöl und Erdgas. Eine Schlüsselrolle spielt Aserbaidschan für das OMV-Projekt Nabucco. Das Land soll für die Pipeline zumindest anfangs der wichtigste Gaslieferant sein und bis zu einem Drittel der geplanten Leitungskapazität ausnützen. Die EU setzt viel Hoffnung in dieses Projekt, doch auch Russland spitzt auf die Rohstoffreserven des Landes. Aserbaidschan strebt in Zukunft einen Beitritt zu EU an, die diese Ambitionen vorsichtig unterstützt.

Krankls Waterloo
Hütet euch vor Unterschätzung! Auch wenn Aserbaidschans Nationalmannschaft nicht zu den Fußball-Großmächten zählt - die Fähigkeit, einem Favoriten ein Bein zu stellen, hat sie schon des öfteren bewiesen. Selbst die ÖFB-Auswahl machte schon unliebsame Bekanntschaft mit den Aserbaidschanern: In der Qualifikation für die WM 2006 setzte sich Rot-Weiß-Rot im September 2004 in Wien zwar mit 2:0 durch, ein Jahr später jedoch reichte es in Baku nur zu einem 0:0 - damit war die Teamchef-Ära von Hans Krankl beendet.

Die momentane Nummer 102 der Weltrangliste hat aber noch weit prominentere Teams auf der Abschussliste. In der Qualifikation für die WM 1998 wurde die Schweiz mit 1:0 besiegt, in der Qualifikation für die WM 2002 mussten sich die Slowaken 0:2 geschlagen geben und im Rennen um eine Teilnahme an der EM 2004 kassierte Serbien-Montenegro eine peinliche 1:2-Niederlage gegen den Underdog.

Stärker als Liechtenstein
Diese Achtungserfolge änderten aber nichts daran, dass die mit einem 1:6 in Deutschland in die aktuelle EM-Qualifikation gestarteten Aserbaidschaner der Teilnahme an einem großen Turnier nie wirklich nahe kamen. In der vergangenen WM-Qualifikation wurden in zehn Partien gerade einmal fünf Punkte ergattert. Vier davon holten die Aserbaidschaner gegen Liechtenstein, einen überraschend gegen Russland.

Damals fungierte bereits Berti Vogts als Teamchef. Der frühere deutsche Nationaltrainer trat sein Amt im April 2008 an. Auf wirkliche Top-Stars kann der Weltmeister von 1974 nicht zurückgreifen, schließlich scheinen im derzeitigen 24-Mann-Aufgebot nur zwei Legionäre auf.

Sie sind schon da!
Dies hat aber den Vorteil, dass Vogts seine Teamspieler weit länger als seine europäischen Teamchefkollegen zur Verfügung hat. Für die Österreich-Partie etwa reiste die Auswahl bereits am Sonntag an - einen Tag, bevor die von der FIFA vorgeschriebene Abstellungspflicht beginnt.

In Wien gelandet ist auch Aras Abdullajew, der als größtes Talent des Landes gilt. Laut britischen Medienberichten hat sich Everton bereits die Rechte an dem 18-jährigen Mittelfeldspieler gesichert. Sofern es mit der Arbeitsgenehmigung keine Probleme gibt, soll der dreifache Internationale im Winter von Neftschi Baku zum Club aus Liverpool wechseln.

(apa/red)


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Kommentare

Normaler Österreicher Ich bezeichn mich schon als solchen, bin auch in Österreich zur Schule gegangen und habe dort auch etwas gelernt - auch in Geogrfie(was mein Vater partout nicht glauben wollte) und weiss trotzdem,wo Aserbeidschan liegt!

Fehlt Euch diese Grundbildung? Na, wundern täts mi net!

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