Die Entscheidung fällt im Einzelzeitfahren:
Evans klarer Favorit, Kohl glaubt an Chance

Australier könnte ersten Sieg für Down Under sichern Bernhard Kohl hat sich "im Zeitfahren verbessert"

Die Entscheidung fällt im Einzelzeitfahren:
Evans klarer Favorit, Kohl glaubt an Chance © Bild: AP/Czerwinski

Die Tour de France erlebt am Samstag ihr großes Finale. Im Einzelzeitfahren über 53 Kilometer von Cerilly nach St.-Amand-Montrond fällt die Entscheidung über den Gesamtsieg in der 95. Auflage. Fünf Fahrer kommen für die Podestplätze in Frage, als Topfavorit gilt der Vorjahrs-Zweite Cadel Evans. Der Österreicher Bernhard Kohl nimmt die Prüfung gegen die Uhr als Gesamt-Dritter in Angriff, ist aber Realist: "Gegen die hinter mir liegenden Zeitfahr-Spezialisten wird's sehr schwer."

Ex-Mountainbiker Evans greift nach dem ersten Gesamtsieg eines Australiers in der 105-jährigen Geschichte der "Großen Schleife". Der 31-Jährige, zweifacher Gewinner der Österreich-Rundfahrt (2001, 2004), hat als Vierter vor dem "Showdown" 1:34 Minuten Rückstand auf den führenden Spanier Carlos Sastre und nur eine Sekunde auf den vor ihm platzierten Kohl. Vom Potenzial her ist der "Aussie" aus dem belgischen Silence-Lotto-Rennstall über seinen spanischen Rivalen zu stellen. Doch Evans warnt. "Das letzte Zeitfahren der Tour kann immer eine Überraschung bringen."

Evans hat bisher eine Tour-Etappe gewonnen. Den Sieg im Zeitfahren des Vorjahres in Albi bekam er nach Disqualifikation des gedopten Alexander Winokurow aber erst nachträglich zugesprochen. Diesmal geht es weniger um den Tagessieg als um die Gesamtwertung auf dem welligen Kurs in der Auvergne, auf dem drei Steigungen mit Höhenunterschieden von rund 100 Meten zu bewältigen sind. Im Vorjahr hatte Evans dem späteren Gesamt-Vierten Sastre im letzten Zeitfahren 2:33 Minuten abgenommen...

Kohls Chancen auf Podestplatz stehen nicht sehr gut
Bernhard Kohl weiß, dass er nach der Papierform wohl keine Chance hat, den dritten Gesamtrang zu halten. Der Rückstand auf Sastre (1:33 Minuten) ist zu groß, der Vorsprung auf Evans (1 Sekunde) und den Russen Denis Mentschow (1:06) wohl zu gering. Vom bisher zweitplatzierten Fränk Schleck (LUX) trennen ihn neun Sekunden.

In der Vorbereitung auf die Tour hat Kohl intensiv am Ausmerzen seiner "größten Schwäche" gearbeitet. Seine Hoffnungen, das unmöglich Scheinende vielleicht doch zu schaffen, beruhen auf harter Arbeit auf der Zeitfahr-Maschine. Da profitierte der Niederösterreicher von den Kenntnissen und den Tipps des Ex-Vize-Weltmeisters Michael Rich, der nun für den Gerolsteiner-Rennstall tätig ist. "Bernhard hat sich sehr verbessert, hat mit Rich speziell an der Position gearbeitet", erklärte der Sportliche Leiter Christian Henn bei der Tour.

"Ich habe mich im Zeitfahren verbessert"
Ausgestattet mit gesteigertem Selbstvertrauen will der 26-jährige Kohl, der sich in den Bergen als großer Kämpfer präsentiert hat, auch im Zeitfahren alles versuchen. "Ich probiere das Letzte aus meinem Körper herauszuholen. Ich habe mich im Zeitfahren verbessert, schauen wir, was rauskommt", erklärte der Kapitän des Teams Gerolsteiner. Als Gewinner des Bergtrikots ist er bei der Siegerehrung am Sonntag in Paris auf jeden Fall dabei. "Damit habe ich bei der Tour schon mehr erreicht, als ich erwartet habe."
(apa/red)