Die grosse Chance von

Sido war früher "plump"

Vom Bengel zum Engel: NEWS sprach mit ihm über seine wundersame Wandlung.

Die grosse Chance - Sido war früher "plump" © Bild: ORF/Schafler

Vom Bengel zum Engel. Der einstige Rüpel-Rapper sorgt als "Die große Chance"-Juror für Spitzenquoten. NEWS sprach mit ihm über seine wundersame Wandlung.

Das ist doch arrogante Scheiße hier!“, „Ich lasse mir nicht den Mund verbieten. Wenn etwas Kacke ist, dann sage ich das auch!“ – Starke Statements für den öffentlich-rechtlichen ORF. Doch der Berliner Ex-Rüpel-Rapper Sido nimmt sich in seiner Funktion als Juror der Talentshow „Die große Chance“ kein Blatt vor den Mund. Er ist frech – bis zur Untergriffigkeit. Und damit hat das „SuperIntelligente DrogenOpfer“ (Sido) seine persönliche große Chance perfekt genutzt. Denn auch dank seiner flotten Sprüche zappten zuletzt 929.000 Seher zur ORF-Castingshow. Die für das TV Schandmaul erfreuliche Belohnung: Ab Mitte Dezember darf Sido, 30, dessen bürgerlicher Name profan Paul Würdig lautet, in seiner eigenen Sendung „Blockstars“ aus unterprivilegierten Jungendlichen eine Band formen – nach „Helden von Morgen“ und „Die große Chance“ Sidos dritte ORF-Show in Folge. NEWS sprach mit der Lichtgestalt der österreichischen Castingshows über seine Wandlung, seine Vorbildfunktion und die Liebe zu Österreich.

NEWS: Sie sitzen bei „Die große Chance“ in der Jury, bekommen mit „Blockstars“ demnächst eine eigene Castingshow. Ist Sido der neue ORF-Superstar?
Sido: Das hat sich eben so ergeben. Erst habe ich ein paar Konzerte in Wien gespielt, dann kam „Helden von Morgen“. Da hätte ich eigentlich nur einmal den Coach geben sollen, doch es war dann offenbar so unterhaltsam, dass ich in der Jury gelandet bin. Ich habe wohl ein gutes Bild hinterlassen. Einen Masterplan oder so habe ich aber nicht. Ich sage einfach, was ich denke.

NEWS: Denken Sie, dass man Sido hierzulande noch aus jenen Zeiten kennt, in denen seine Liedtexte sehr explizit und aggressiv waren?
Sido: Jeder kennt doch mittlerweile den „Arschf***song“. Aber so was würde ich heute nicht mehr machen. Und ich denke, diese Veränderung hat sich rumgesprochen. Früher war ich einfach plump. Ich habe mit Schimpfwörtern ohne viel Sinn dahinter um mich geworfen, weil ich wusste, dass ich damit Aufmerksamkeit erziele. Das habe ich bis zum Anschlag ausgereizt. Aber irgendwann war mir nach was Neuem. Heute möchte ich tiefgründigere Texte schreiben.

NEWS: Finden Sie es mutig vom ORF, Sie so stark einzusetzen?
Sido: Ich bin ja nicht unkontrollierbar! Man kann mit mir reden, und ab und zu sehe auch was ein (lacht). Wenn man mir zum Beispiel sagt, dass ich während der Performances von „Die große Chance“ schweigen soll, hätte man sich diesen Satz sparen können. Ich bin ja nicht blöde. Ich weiß, wie eine gute Show funktioniert und wie ich mich zu verhalten habe. Aber ich bin nicht angepasst, und das gefällt den Leuten, weil es ehrlich und locker ist.

NEWS: Ab Dezember sieht man Sie in „Blockstars“, einer Show, in der unterprivilegierte Jugendliche eine Chance bekommen sollen. Sehen Sie sich als Vorbild?
Sido: Guck mich an, aus mir ist ja was geworden! An mir sieht man, dass es mit der Karriere klappen kann, auch wenn du aus einer schlechten Gegend kommst oder deine Eltern arm sind. Das macht Mut. Ich bin nicht angepasst und habe trotzdem Erfolg. Warum? Weil ich echt ein sehr fleißiger Mensch bin. Ich stehe früh auf und arbeite viel, gönne mir keinen Urlaub. Ich weiß nämlich, dass dieser ganze Hype auch wieder mal vorbei sein kann. Ich denke voraus. Und es gibt auf dieser Welt eben viele Jugendliche, die kein Ziel haben, die nicht vorausdenken können. Wie bei mir damals: Wenn ich früher an die Zukunft gedacht habe, wurde mir schlecht. Ich hatte keine Perspektive. Heute gibt es immer etwas zu tun, Pläne, die meine Zukunft beeinflussen. Deswegen bin ich prädestiniert, ein Vorbild zu sein.

NEWS: Früher waren Sie ein großer Gegner von Castingshows …
Sido: Was Castingshows betrifft, habe ich meine Meinung nicht geändert. Aber in Österreich läuft es anders als in Deutschland. Sonst wäre ich nicht dabei. Und „Die große Chance“ ist einfach witzig und faszinierend. Ich mag das, diese skurrilen Talente – von Nägel-in-die-Nase-Schlagen bis Hunde-Dressieren. Die Sänger und
Rapper reizen mich wenig.

NEWS: Sehen Sie sich als Entertainer?
Sido: Ja, klar. Ich unterhalte, mit meiner Musik oder auch im Fernsehen. Sogar beim Tätowieren, denn da bin ich richtig schlecht (lacht). Nur im Business, da bin ich so richtig streng.

NEWS: Was mögen Sie an Österreich?
Sido: Ich bin ein großer Schnitzel-Fan, aber ich mag keinen Tafelspitz. In ein paar Discos war ich, auch im „Maxim“. Ich mag die Leute hier, den Schmäh, die Arroganz, die Landschaften. Allerdings: Die Rückgratlosigkeit mancher Einwohner dieses beschaulichen Ländchens ist gruselig …

NEWS: Und dennoch wollen Sie sich in Wien eine Wohnung nehmen?
Sido: Ja, im zweiten Bezirk. Außerdem werde ich in Wien ein Tattoo-Studio aufmachen, wahrscheinlich in der Nähe der Mariahilfer Straße. In so einem Hinterhof.