Dicke Luft an den Wiener Universitäten: Wie Beschränkungen Studenten schikanieren

Neue Zugangsrestriktionen und ellenlange Wartelisten NEWS zeigt eine Stichprobe Betroffener in der Praxis

Dicke Luft an den Wiener Universitäten: Wie Beschränkungen Studenten schikanieren

Der Hörsaal ist überfüllt, die Luft ist stickig. Kein Wunder, denn obwohl im Audimax 800 Studenten Platz haben, sind weit über 1.500 Personen zur Einführungsvorlesung "Publizistik" gekommen. Zu viele, wie das Wissenschaftsministerium findet. Daher wurde erstmals eine Aufnahmebeschränkung wirksam. Die Beschränkung soll nach dem neuesten Entwurf des Ministeriums bis 2009 verlängert werden.

Die SPÖ legte umgehend Protest ein. "Hier wird immer mit Halbwahrheiten argumentiert", kontert SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal. "Hahn behauptet, die Verlängerung der Zugangsbeschränkungen ist notwendig, da jetzt in Deutschland doppelte Maturajahrgänge fertig werden. Das ist aber in Wahrheit im Großteil Deutschlands erst 2011 bis 2014 der Fall."

Auswahlverfahren im Jänner
Allerdings werden die angehenden Publizisten nicht vor oder gleich zu Beginn des Studiums ausgesiebt, sondern erst im Jänner. Nach drei Prüfungen wird entschieden, wer einen der 962 Plätze bekommt. "Es ist eine furchtbare Regelung", klagt Jessica Schreckenfuchs, 20. "Und vor allem ist sie erst eineinhalb Wochen vor Studienanfang bekannt geworden. Da hat man sich doch schon längst für ein Studium entschieden und eine Wohnung gesucht."

"Sinnvoll" ist die neue Regelung hingegen für Klaus Lojka, Studiengangsleiter Publizistik. "Wenn man nicht genommen wird, hat man am Ende des Semesters trotzdem Zeugnisse in der Hand, die man sich dann für eine neue Studienrichtung anrechnen lassen kann." Von einer Prüfung vor dem Studium hält Lojka hingegen nicht viel: "Da weiß man überhaupt nicht, ob man die Richtigen selektiert."

1.220 Anmeldungen, 283 Plätze
Eine Aufnahmeprüfung vor dem Studium gibt es auf der Veterinärmedizinischen Universität. 1.220 Interessierte haben sich hier für das Wintersemester angemeldet, aber es gibt nur 283 Studienplätze. "Es haben sich 587 Deutsche und 570 Österreicher beworben", so Vizerektor Wolfgang Künzel. Zum Studium zugelassen worden seien dann aber nur 36 Prozent Deutsche. Er sehe das Problem nicht, dass nur noch Deutsche an den Unis seien. Ein weiterer Vorteil aus seiner Sicht: Durch die Zugangsbeschränkung gibt es keine Wartelisten für Praktika.

Franziska Schmid, 20, ist bereits zweimal angetreten - und zweimal durchgefallen. Doch sie will nicht aufgeben: "Auch wenn ich fünfmal antrete. Mein Traum ist es, Tierärztin zu werden, und das werde ich auch schaffen." In der Zwischenzeit studiert Schmid Biologie in Salzburg. Verärgert ist die 20-Jährige darüber, dass es "keinerlei Feedback darüber gibt, wieso man durchgefallen ist".

Markus Winnisch, 21, hat die Prüfung zwar geschafft, einen Praktikumsplatz hat er dennoch nicht. Der Medizinstudent schaffte die Studieneingangsprüfung im 2. Anlauf. Seine Note: 3. Das reichte allerdings nicht. Er wurde auf die Warteliste gesetzt - und wartet mittlerweile bereits fast ein Jahr. Ohne Erfolg. Auch in diesem Wintersemester konnte er keinen Praktikumsplatz ergattern. Die Studiengebühren müsse er dennoch weiterzahlen, erzählt der Student, "sonst falle ich ganz aus der Warteliste raus". Nebenbei arbeitet er als Notfallsanitäter beim Roten Kreuz. "Es ist schade, dass eine derartige Arbeit nicht anerkannt wird", so Winnisch.

Den kompletten Beitrag können Sie im NEWS 40/07 nachlesen!