Welt-Diabetes-Tag von

Todesursache Diabetes

Welches Risiko die Krankheit mit sich bringt und wie man vorbeugen kann

Auf einem Schild steht "Diabetes" geschrieben. © Bild: Shutterstock.com

Über 600.000 Österreicher leiden an Diabetes mellitus. Bis 2040 wird weltweit mit einem Zuwachs von 50 Prozent gerechnet. Gleichzeitig werden die Betroffenen immer jünger. Zu spät diagnostiziert, können die Folgen der Erkrankung tödlich sein. Wie man Diabetes rechtzeitig erkennt, welches Risiko die Krankheit mit sich bringt und wie man vorbeugen kann.

Insulin senkt den Blutzuckerspiegel, indem es Körperzellen dazu anregt, Glukose aus dem Blut aufzunehmen, erklärt Prof. Alexandra Kautzky-Willer, Stoffwechselexpertin der MedUni Wien. Bei Diabetes Typ 1, einer Autoimmunerkrankung, werden die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die für die Insulinproduktion notwendig ist, von Antikörpern zerstört. Der Körper kann folglich kein Insulin mehr erzeugen und ist auf die Zufuhr von außen angewiesen.

Die häufigsten Formen von Diabetes

Diabetes Typ 1 tritt für gewöhnlich vor dem 35. Lebensjahr, meist sogar schon im Kindesalter auf. Die Zahl der Patienten hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Und sie nimmt weiter zu. Derzeit kommt es zu rund 300 Neuerkrankungen pro Jahr. Geheilt kann Diabetes Typ 1 nicht werden. Zumindest noch nicht. "Aufgrund der guten Behandlungsmöglichkeiten können aber sogar jene, die schon jung erkrankt sind, heute sehr gut leben", erklärt die Expertin.

Rund 10 Prozent der Diabeteserkrankungen entfallen auf den Typ 1. Rund 90 Prozent auf den Typ 2. "Übergewicht, vermehrtes Bauch- und Leberfett und eine Insulinresistenz, das sind die Hauptprobleme für Diabetes Typ 2", erklärt Kautzky-Willer. Aufgrund der Resistenz kann das Insulin also schon mal nicht so wirken, wie es eigentlich sollte. Hinzu kommt, dass der Körper bei dieser Form des Diabetes über kurz oder lang zu wenig Insulin ausschüttet. Ein erhöhter Blutzuckerspiegel ist die Folge.

Eine weitere sehr häufig auftretende Form ist der Schwangerschaftsdiabetes. "Jede siebte Schwangere ist von einer Form von Diabetes in der Schwangerschaft betroffen", so die Expertin. Tendenz steigend. Dabei handelt es sich um eine Art Vorstufe zu Diabetes Typ 2. Diagnostiziert wird er in der Regel beim sogenannten Zuckerbelastungstest, der allen Schwangeren im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche empfohlen wird.

»Bei allen Formen von erhöhtem Blutzucker in der Schwangerschaft ist auch das Kind gefährdet«

Kautzky-Willer sieht die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes als Chance, wird die Erkrankung hier doch meist in einem sehr frühen Stadium erkannt. Wer umgehend seinen Lebensstil ändert, etwa mehr Bewegung macht und sich gesünder ernährt, könne einer späteren Erkrankung vorbeugen. Umgekehrt würde etwa die Hälfte jener, die keine präventiven Maßnahmen ergreifen, später an Diabetes Typ 2 erkranken. Wobei auch hier Übergewicht eine bedeutende Rolle spielt.

Bei etwa einem Viertel der stark übergewichtigen Frauen wird schon in der frühen Schwangerschaft Diabetes diagnostiziert. In diesem Fall handelt es sich allerdings um mehr als einen reinen Schwangerschaftsdiabetes. Oft liegt bereits ein Typ-2-Diabetes vor. "Bei allen Formen von erhöhtem Blutzucker in der Schwangerschaft ist auch das Kind gefährdet", warnt die Expertin. Besonders bei Diabetes Typ 1 und Typ 2.

Zwar ist bis heute nicht eindeutig geklärt, wodurch Diabetes Typ 1 entsteht. Viruserkrankungen, Umweltfaktoren und eine Veränderung der Darmbakterien könnten eine Rolle spielen. Möglicherweise aber trägt auch Übergewicht der Mutter während der Schwangerschaft zu einer Erkrankung des Kindes bei.

So können Sie das Risiko senken

Sicher jedenfalls ist, dass bei Diabetes Typ 2 der Lebensstil eine massive Rolle spielt. "Durch einen gesunden Lebensstil kann man das Erkrankungsrisiko um bis zu 70 Prozent reduzieren", so Kautzky-Willer. Nicht zu vernachlässigen ist auch der genetische Faktor. "Wenn beide Eltern Diabetes haben, dann ist das Risiko, ebenso zu erkranken, sehr groß." Doch zurück zum gesunden Lebensstil. Was können wir tun, um einer Erkrankung vorzubeugen?

Bewegung ist eines der Zauberwörter in Sachen Prävention. Wer einen sitzenden Beruf ausübt, sollte alle halben Stunden aufstehen und ein bisschen herumgehen, empfiehlt die Expertin. Insgesamt 10.000 Schritte sollte man täglich machen. Abgesehen davon sollte man wöchentlich mindestens 150 Minuten bei mäßiger Anstrengung körperlich aktiv sein. Bewegungsmangel gilt als prinzipieller Risikofaktor für Diabetes Typ 2. Für Frauen fast aber noch mehr als für Männer.

»Durch einen gesunden Lebensstil kann man das Erkrankungsrisiko um bis zu 70 Prozent reduzieren«

"Die große Masse der Frauen bewegt sich zu wenig. Nach der Menopause steigt das Übergewicht oft stark an", warnt die Expertin. Apropos Übergewicht: Besonders gefährlich ist hier das Bauchfett. Prinzipiell gilt ein Bauchumfang ab 88 cm bei Frauen und 102 cm bei Männern als riskant. Und wer es noch genauer will, der dividiert Bauchumfang durch Körpergröße. Beträgt das Ergebnis über 0,5, besteht ein erhöhtes Diabetesrisiko. Diese Formel gilt für Männer wie für Frauen.

Täglich sollte man bis zu 800 Gramm Obst und Gemüse verzehren. Idealerweise mehr Gemüse als Obst. Zucker dagegen gilt es so weit als möglich zu vermeiden. "Wir essen zu viel Zucker. Frauen noch mehr als Männer", weiß Kautzky-Willer. Was für Speisen gilt, gilt natürlich auch für Getränke: keine Fruchtsäfte, keine Softdrinks und "Kindern gleich gar nicht den süßen Geschmack angewöhnen". Der gesündeste Durstlöscher ist nach wie vor Wasser. Ein weiteres No-Go in Sachen Prävention sind Zigaretten.

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Auch Schlafmangel und ein starker Wechsel im Biorhythmus, wie es etwa bei Schichtarbeit der Fall ist, erhöhen das Diabetesrisiko. Ebenso wie Stress. Studien zufolge ist die Zahl der Diabetiker im Osten Österreichs höher als im Westen. Dies dürfte wohl darauf zurückzuführen sein, dass das Leben in einer Großstadt mehr Stress, weniger Bewegung und alles in allem einen ungesünderen Lebensstil mit sich bringt. Zudem gilt es als erwiesen, dass Feinstaub das Erkrankungsrisiko erhöht.

Die Folgen von Diabetes können fatal sein

Wer all diese Aspekte nicht berücksichtigt und möglicherweise auch noch erblich vorbelastet ist, riskiert mitunter fatale Folgen. "Schon bei Blutzuckerwerten ab 130, 140 kann es zu Organschäden kommen", warnt die Expertin. "Eine Schädigung der Nieren kann bis zur Dialyse, eine Schädigung der Augen bis zur Erblindung führen." Durchblutungsstörungen der Beine wiederum können in eine Amputation münden.

Es steigt nicht nur die Gefahr, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, etwa einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall, zu erleiden. Auch das Krebs- und das Demenzrisiko erhöhen sich. Bei Diabetes im gebärfähigen Alter wiederum erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Fehlbildungen beim Kind, zu einem Frühabort, einer Fehl- oder einer Totgeburt kommt. Alles in allem zählt Diabetes zu den häufigsten Todesursachen überhaupt.

»Schon bei Blutzuckerwerten ab 130, 140 kann es zu Organschäden kommen«

Umso wichtiger ist es, die Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen. Was im Falle von Diabetes Typ 2 nicht immer leicht ist. Die Krankheit verläuft meist schleichend. Oft wird sie erst nach Jahren diagnostiziert. Um dem zuvorzukommen, empfiehlt die Expertin, sich ab dem 45. Lebensjahr testen zu lassen. Liegen eine oder mehrere der genannten Risikofaktoren vor, sollte man sich bereits vor dem 45. Lebensjahr entsprechenden Tests unterziehen.

Obgleich sich der Typ-1-Diabetes wesentlich deutlicher zeigt, wird auch er bei Kindern oft nicht rechtzeitig erkannt. "Die Symptome treten erst dann zutage, wenn der Blutzuckerspiegel schon sehr hoch und der Großteil der Bauchspeicheldrüse zerstört ist." Betroffene wirken meist müde und abgeschlagen, leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten, zeigen ein starkes Durstgefühl und vermehrten Harndrang. Weitere mögliche Anzeichen sind Bettnässen und Gewichtsverlust.

Wiederkehrende Harnwegsinfekte oder Pilzinfektionen im Genitalbereich können auf Diabetes Typ 2 hinweisen. Dabei gilt es, schon den ersten kleinen Anzeichen Aufmerksamkeit zu schenken. Denn nur so kann man handeln, bevor weit größere Schäden entstehen.

Buchtipp

Diabetes, Buchcover
© Manz Verlag

In "Diabetes. Vorsorgen, rechtzeitig erkennen und richtig behandeln" erklären Alexandra Kautzky-Willer und Yvonne Winhofer, wie man Diabetes durch frühzeitige Lebensstiländerungen gegensteuern, die Symptome besser deuten und trotz Erkrankung lange gut leben kann.

Erschienen im Manz Verlag Wien
Softcover, 174 Seiten, 21,90 Euro
ISBN 978-3-214-00991-5