Deutschlands Erfolg erregt Europas Ärger:
Frankreich rügt Berlins Handelsüberschuss

Ministerin Lagarde vermisst deutsche Nachfrage Deutschland kontert mit Außenwirtschaftsoffensive

Deutschlands Erfolg erregt Europas Ärger:
Frankreich rügt Berlins Handelsüberschuss © Bild: Reuters/Schwarz

Die deutsche Exportwirtschaft erstarkt wieder - zum Leidwesen Europas: Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde hat die deutsche Wirtschaftspolitik kritisiert. Der derzeitige deutsche Handelsüberschuss könnte für die Nachbarstaaten in der Euro-Zone nicht tragbar sein, sagte Lagarde. Die Bundesrepublik gehört zu den Staaten mit dem weltweit größten Handelsüberschuss; das heißt, die deutsche Wirtschaft exportiert deutlich mehr Waren als sie importiert - Exporteure aus anderen europäische Ländern schauen dabei in die Röhre.

Deutschland hat in den vergangenen rund zehn Jahren außerordentlich gute Arbeit geleistet, die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert und die Lohnkosten unter Druck gesetzt", betonte sie zwar. Sie sei sich aber nicht sicher, ob dies "langfristig ein nachhaltiges Modell" für die gesamte Euro-Gruppe sei. "Wir brauchen ganz deutlich eine stärkere Annäherung", so Lagarde in der "Financial Times".

Die "Bild"-Zeitung berichtete, auch einige andere EU-Staaten hätten Deutschland vorgeworfen, "mit seinem exportorientierten Wirtschaftsmodell sein Wirtschaftswachstum auf Kosten anderer" Euro-Staaten zu erreichen. Deutschland solle daher einige ihrer Wirtschaftsreformen zurückdrehen, hieß es in dem Zeitungsbericht unter Berufung auf einen Bericht der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU für den Bundestag.

Ungerührt von der Kritik aus dem EU-Ausland an der deutschen Exportlastigkeit hat der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle eine Außenwirtschaftsoffensive angekündigt. Es gelte, die Erschließung weiterer Märkte für deutsche Güter und Dienstleistungen sowie den Zugang zu wichtigen Rohstoffquellen zu sichern. "Für mich ist Wirtschaftspatriotismus kein Schimpfwort", sagte der FDP-Politiker.
(apa/red)