Deutschland liegt im Protestfieber: Noch größerer Streik gegen Telekom-Sparkurs

15.000 Menschen im ganzen Land auf der Straße Beeinträchtigungen werden für Kunden befürchtet

Deutschland liegt im Protestfieber: Noch größerer Streik gegen Telekom-Sparkurs

Im Konflikt mit der Deutschen Telekom hat die Gewerkschaft ver.di ihre Streiks ausgeweitet. Rund 15.000 Beschäftigte sind der Arbeit ferngeblieben, um gegen den Sparkurs im Service zu protestieren, teilte ver.di mit. In Österreich erklärten sich der T-Mobile-Austria-Betriebsrat und die GPA mit den Streikenden solidarisch.

Schwerpunkte der Streiks waren Berlin-Brandenburg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Der Arbeitskampf ziele auf die Call-Center, den technischen Kundendienst und die technische Infrastruktur, sagte ein ver.di-Sprecher. Der Streik ist der erste in der Geschichte des früheren Staatsunternehmens.

Seit Tagen protestieren Beschäftigte des Bonner Konzerns gegen die Pläne des Vorstands, rund 50.000 Mitarbeiter in konzerneigene Service-Gesellschaften auszugliedern. Die Beschäftigten sollen dort 38 statt bisher 34 Stunden in der Woche arbeiten und weniger verdienen. Das Management begründet die Pläne damit, den Konzern im Inland wettbewerbsfähiger machen und die Arbeitsplätze langfristig sichern zu wollen. Auch am Wochenende waren Telekom-Mitarbeiter in den Ausstand getreten. Am Freitag hatten nach Gewerkschaftsangaben gut 11.000 Menschen die Arbeit niedergelegt.

ver.di lehnt die Pläne des Managements ab: Damit würden weder die Service-Probleme des Konzerns gelöst noch der Kundenschwund gestoppt. Mit dem Streik will die Gewerkschaft bessere Beschäftigungsbedingungen und Löhne herausholen. Seit ver.di auch ein zweites Angebot der Telekom ausgeschlagen hat, ruhen die Gespräche.

Ein Kompromiss bis zum Stichtag für die Ausgliederung am 1. Juli scheint kaum möglich, da die Telekom zwar Gesprächsbereitschaft signalisiert, nun aber ver.di am Zug sieht. Die Telekom wird den betroffenen Mitarbeitern bis Ende Mai bereits mit ver.di für andere Bereiche ausgehandelte Tarifverträge anbieten. Theoretisch bliebe auch die Möglichkeit, die Mitarbeiter ohne Tarifvertrag in die Gesellschaften zu überführen. Auch mit dem möglichen Verkauf von Service-Sparten müsse sich die Telekom auseinandersetzen, hatte Konzernchef Rene Obermann am Wochenende betont. ver.di-Verhandlungsführer Lothar Schröder unterstrich daraufhin, dass die Gewerkschaft auf einen langen Arbeitskampf vorbereitet sei.

ver.di sieht erste Auswirkungen des Ausstands: Die Telekom sei angesichts der großen Zahl an Streikenden nicht in der Lage, die Ausfälle immer schnell genug zu kompensieren, sagte der ver.di-Sprecher. Obermann hatte eingeräumt, dass es zu Beeinträchtigungen im Außendienst und den Call-Centern kommen könne. Der Konzern versucht dies aufzufangen, in dem Mitarbeiter anderer Standorten, Beamte oder externe Kräfte eingesetzt werden oder Arbeitszeitkonten ausgenutzt werden, hatte ein Sprecher erklärt.

(apa/red)