Deutschland hat neuen, alten Präsident:
Helmut Köhler bleibt in Amt und Würden

Absolute Mehrheit bereits im ersten Anlauf erreicht SPD-Gegenkandidatin Schwan zeigt sich enttäuscht<br>Köhler stellt erneut eine Direktwahl zur Diskussion

Deutschland hat neuen, alten Präsident:
Helmut Köhler bleibt in Amt und Würden
© Bild: APA/Kappeler

Der deutsche Bundespräsident Köhler ist für eine fünfjährige Amtszeit wiedergewählt worden. Köhler schaffte bereits im ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit in der Bundesversammlung. Im ersten Wahlgang erhielt der von den konservativen Parteien unterstützte Köhler 613 der 1223 Stimmen und setzte sich damit auf Anhieb gegen die SPD-Kandidatin Schwan durch.

Köhler erreichte die absolute Mehrheit auf die Stimme genau. Die ihn unterstützenden Parteien haben 614 Delegierte in dem Wahlgremium. Auf Schwan entfielen 503 Stimmen, um neun Stimmen weniger als die sie unterstützenden Gruppierungen SPD und Grüne. Der von der Linkspartei aufgestellte Kabarettist und frühere "Tatort"-Kommissar Peter Sodann schnitt dagegen besser ab, als zu vermuten war. Er erhielt 91 Stimmen, obwohl die Linkspartei nur 89 Delegierte in der Bundesversammlung hat.

Köhler erklärte nach der Verkündung des Wahlergebnisses, dass er die Wahl annehme, und wandte sich daraufhin in einer Rede an die Bundesversammlung. Er bezeichnete er Arbeit, Bildung und Integration als "die Felder, auf denen wir vorankommen müssen" und verwies darauf, dass es in Deutschland immer weniger junge und immer mehr ältere Menschen gebe. "Wir wollen uns für eine menschliche Globalisierung mit verlässlichen Regeln einsetzen und für eine umweltgerechte Welt", bekräftigte Köhler seine sozialen und ökologischen Positionen.

Enttäuschung bei Schwan
Die SPD-Kandidatin Gesine Schwan hat sich enttäuscht über ihre Niederlage bei der deutschen Bundespräsidentenwahl gezeigt. "Ja, ich hätte lieber gewonnen", sagte sie am Samstag im TV-Sender Phoenix. Doch sie bereue ihre Bewerbung nicht. Zwar sei ihre Kandidatur von den Mehrheitsverhältnissen her "knapp nicht gelungen". Es sei aber wichtig gewesen, eine Alternative zum Amtsinhaber Horst Köhler aufzuzeigen. "Ich glaube, ich habe Profil gezeigt", sagte die ehemalige Hochschulpräsidentin.

Offen für eine Direktwahl
Köhler hat kurz nach seiner Wiederwahl durch die Bundesversammlung in Berlin die Direktwahl des Staatsoberhauptes durch das Volk zur Diskussion gestellt. Seiner Ansicht nach sollten die Bürger in einer Demokratie bei wichtigen politischen Fragen stärker einbezogen werden, "am Ende sogar mitentscheiden", sagte Köhler am Samstag im ZDF. Eine Volkswahl des Präsidenten brauche man "nicht aus der Diskussion ausklammern". Er wisse, dass dies sofort Fragen aufwerfe, etwa wie dies die Machtstruktur zum Bundeskanzler verändern könnte. "Alles legitime Fragen", sagte Köhler. (apa/red)