Deutscher soll Stieftocher getötet haben: Arzt wird nach 30 Jahren Prozess gemacht

Deutsche Justiz schloss Ermittlungen ohne Anklage ab Leiblicher Vater ließ Arzt nach Frankreich entführen

Deutscher soll Stieftocher getötet haben: Arzt wird nach 30 Jahren Prozess gemacht

Fast 30 Jahre nach dem Mord an der damals 14-jährigen Kalinka wird nun in Paris ihrem mutmaßlichen Mörder der Prozess gemacht. Kalinka soll von ihrem Stiefvater, dem heute 75-jährigen deutschen Mediziner Dieter K., ermordet worden sein. "Es ist unerträglich für Herrn K., verurteilt zu werden, aber dieses Mal kommt er nicht davon", sagte einer der Anwälte von Kalinkas leiblichem Vater Andre Bamberski vor dem Prozessauftakt im Pariser Justizpalast. Einer der Anwälte des Angeklagten kündigte an: "Wir sind hier, um zu kämpfen und wir kämpfen bis zum Schluss."

Eineinhalb Jahre nach seiner Entführung aus Süddeutschland steht der deutsche Mediziner Dieter K. seit Dienstag in Paris vor Gericht. Der 75-Jährige muss sich vor einem Schwurgericht verantworten, weil er vor fast 30 Jahren seine 14-jährige Stieftochter Kalinka getötet haben soll.

Bamberski hatte sich fast 30 Jahre lang dafür eingesetzt, dass K. vor Gericht gestellt wird. Der Franzose wirft dem früheren Kardiologen vor, Kalinka im Sommer 1982 am Bodensee missbraucht und durch eine Spritze getötet zu haben. Die deutsche Justiz hatte ihre Ermittlungen gegen den Arzt 1987 ohne Anklageerhebung abgeschlossen. Ein französisches Gericht verurteilte K. 1995 in Abwesenheit zu 15 Jahren Gefängnis.

Um K., der von Deutschland nicht ausgeliefert wurde, doch noch vor Gericht zu bringen, ließ Bamberski den 75-Jährigen nach Frankreich entführen. Der Angeklagte, der bei der Entführung verletzt wurde, kam mit Krücken in den Saal. Der Prozess soll bis Freitag kommender Woche dauern.

(apa/red)