Deutscher Kampfjet in Schweiz abgestürzt: Ein Tornado-Pilot kam bei Crash ums Leben

Flugzeug war am Weg von Korsika nach Deutschland

Beim Absturz eines Tornados der deutschen Bundeswehr in der Schweiz ist einer der beiden Piloten ums Leben gekommen. Der zweite Pilot konnte verletzt von der Absturzstelle auf einem Gletscher im Berner Oberland geborgen werden, wie eine Sprecherin der Berner Kantonspolizei auf AP-Anfrage mitteilte.

Einer der beiden Piloten habe vor dem Aufprall der Maschine den Schleudersitz betätigen können, sagte der Berner Polizeisprecher Markus Schneider auf Anfrage. Er sei danach mit dem Fallschirm in der Felswand hängen geblieben und mit einer Seilwinde von einem Helikopter befreit worden. "Offenbar kam dieser Pilot mit leichteren Verletzungen davon", sagte der Polizeisprecher. Ob auch der zweite Pilot noch rechtzeitig den Schleudersitz auslösen konnte, stand zunächst nicht fest. Er sei tot auf dem Trümmerfeld unterhalb der Felswand auf einem Gletscher gefunden worden.

Der Tornado sei in Korsika gestartet und zum Auftanken auf dem Militärflugplatz Emmen zwischengelandet, sagte ein Sprecher der Schweizer Luftwaffe, Jürg Nussbaum, der AP. Anschließend sei die Maschine auf dem Rückweg nach Deutschland zu einem bewilligten Navigationsflug gestartet. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt bestätigte diese Darstellung, sagte aber, die Maschine sei im südfranzösischen Nimes gestartet. Ziel in Deutschland sei Lagerlechfeld in der Nähe von Augsburg gewesen.

Die Bergungsaktion war durch große Eis- und Steinschlaggefahr behindert. Die Absturzstelle liegt rund 3.250 Meter über dem Meeresspiegel in einer Felswand. Zudem musste sichergestellt werden, dass keine Mikrofasern aus der Flugzeugkonstruktion in der Luft waren. Waffen hatte der Tornado nach bisherigen Erkenntnissen der Behörden nicht an Bord.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin betonte, dass es keine Verbindung zu dem Tornado-Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan gebe. Der abgestürzte Tornado habe nicht zu den zwei Kampfjets der Bundeswehr gehört, die am 2. April im Rahmen des Afghanistan-Einsatzes nur bis Sardinien statt weiter in Richtung Afghanistan geflogen waren. Ab 20. April sollen dann alle sechs Aufklärungs-Flieger zunächst bis zum 13. Oktober voll einsatzfähig sein.

Laut Augenzeugen raste das Flugzeug kurz vor 15.00 Uhr im Lauterbrunnental im Berner Oberland in die Nordwand der Aebniflue und explodierte, wie die Kantonspolizei Bern mitteilte. Die Leiche des Piloten wurde nach diesen Angaben um 17.45 Uhr im Absturzgebiet geborgen.

Der Gemeindepräsident von Lauterbrunnen, Jost Brunner, berichtete im Schweizer Radio DRS, er habe den Jet auf einem Spaziergang gesehen. "Ich sah sofort, dass es sich nicht um ein Flugzeug der Schweizer Luftwaffe handelte, da es viel größer war", sagte Brunner. Zudem habe der Jet scheinbar auch Unterlast gehabt. Ein anderer Augenzeuge berichtete im Schweizer Fernsehen, er habe nach dem Absturz einen Feuerschwall gesehen.

Die Tornados werden seit 1981 in der Bundeswehr eingesetzt. Seitdem gab es nach Angaben des Verteidigungsministeriums 44 so genannte Totalverluste. Darin beinhaltet sind sowohl Abstürze als auch beispielsweise Verluste durch Brände am Boden. Bei den Unglücken gab es 36 Tote.
(APA/red)