Deutscher Buchpreis von

Ursula Krechel gewinnt

Für ihren Roman "Landgericht". Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert.

Ursula Krechel gewinnt den Deutschen Buchpreis
© Bild: REUTERS/Kai Pfaffenbach

Der Deutsche Buchpreis 2012 geht an Ursula Krechel! Und zwar für ihren im Salzburger Verlag Jung und Jung erschienenen Roman "Landgericht". Diese Entscheidung der Jury wurde im Kaisersaal des Frankfurter Römers bekannt gegeben.

Die renommierte Auszeichnung wurde zum achten Mal vergeben. Sie ist mit 25.000 Euro dotiert. Auf der sechs Namen umfassenden Shortlist standen auch Wolfgang Herrndorf, Ernst Augustin, Stephan Thome, Ulf Erdmann Ziegler sowie der 29-jährige Grazer Autor Clemens J. Setz.

Um das geht es in ihrem Roman "Landgericht"

„Ursula Krechel erzählt in ihrem Roman 'Landgericht' die Lebensverwicklung des aus dem Exil zurückkehrenden Richters Richard Kornitzer. Er ist vom Glauben an Recht und Rechtsstaatlichkeit durchdrungen und zerbricht, als er in der Enge Nachkriegsdeutschlands den Kampf um die Wiederherstellung seiner Würde verliert", heißt es in der Begründung der sieben Jury-Mitglieder. "Die Sprache des Romans oszilliert zwischen Erzählung, Dokumentation, Essay und Analyse. Bald poetisch, bald lakonisch, zeichnet Krechel präzise ihr Bild der frühen Bundesrepublik – von der Architektur über die Lebensformen bis hinein in die Widersprüche der Familienpsychologie. 'Landgericht' ist ein bewegender, politisch akuter, in seiner Anmutung bewundernswert kühler und moderner Roman.“

Einzige Frau unter sechs Kandidaten

Die in Berlin lebende 64-jährige Autorin war die einzige Frau unter den letzten sechs Kandidaten zum Deutschen Buchpreis. Ihren Namen hat sie sich vor allem als Lyrikerin gemacht. "Landgericht" ist nach "Shanghai fern von wo" erst ihr zweiter Roman. Ihrem Salzburger Verlag Jung und Jung, der bereits vor zwei Jahren mit Melinda Nadj Abonjis "Tauben fliegen auf" einen Überraschungssieg gelandet hatte und sich erneut gegen Verlags-Giganten wie dem dreimal nominierten Suhrkamp Verlag durchsetzen konnte, dankte Krechel in ihrer Dankesrede "für die in jedem Punkt wunderbare Zusammenarbeit".

Über die Autorin Ursula Krechel

Ursula Krechel wurde 1947 als Tochter eines Psychologen in Trier geboren. Nach der Promotion war sie von 1969 bis 1972 Dramaturgin an den Städtischen Bühnen Dortmund, ehe sie sich 1972 als freie Schriftstellerin selbstständig machte. "Für mich war das Schreiben ein Weg ins Offene, ins Freie - eine Trennung von bestimmten bürgerlichen Vorstellungen", sagte sie im Interview. Lange engagierte sie sich auch praktisch in der Frauenbewegung, später griff sie in ihren Gedichten, Hörspielen und Essays auch andere gesellschaftliche Themen auf. Zu ihren jüngsten Gedichtbänden gehören die Titel "Stimmen aus dem harten Kern" (2005), "Mittelwärts" (2006) und "Jäh erhellte Dunkelheit" (2010), die den Leser durchaus herausfordern. Positive Kritiken erhielten etwa auch der Prosaband "Die Freunde des Wetterleuchtens" (1990) sowie die Erzählung "Der Übergriff" (2001) um eine arbeitslos gewordene Journalistin. Über ihre eigenen Erfahrungen als Autorin berichtet sie in dem Handbuch "In Zukunft schreiben" (2003). Heute lebt Krechel mit ihrem Mann im Berliner Stadtteil Wilmersdorf.

Ursula Krechel: "Landgericht", Jung und Jung, Salzburg, 496 S., 29,90 Euro

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