Junge Frau schildert ihr Leid

19-Jährige nach acht Jahren gerettet - Mutter soll von Martyrium gewusst haben

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    Die 19-jährige Bettina S. wurde in dem bosnischen Dorf Karavlasi wie eine Sklavin gehalten. Acht Jahre lang soll die junge Deutsche von ihrem Stiefvater und seiner Frau brutal misshandelt worden sein.

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    Der Nachbar Sead Makalic schoss ein Foto des Mädchens und machte die Polizei auf das Martyrium der 19-Jährigen aufmerksam.

Die schweren Übergriffe hätten begonnen, als sie 15 Jahre alt war, sagte die junge Frau laut der Tageszeitung "Dnevni avaz, die sich auf Aussagen des Opfers gegenüber den Ermittlern berief. Sexuellen Misshandlungen war sie nach eigenen Angaben seitens der bosnischen Familie nicht ausgesetzt.

Mit glühendem Messer gefoltert
Die 19-Jährige bestätigte offenbar fast alle Angaben der Nachbarn darüber, wie sie gequält worden sei. Bei einer Gelegenheit hätten ihre Peiniger sie eine ganze Woche lang hungern lassen und dabei schwer verprügelt. Der Sohn eines Bruders ihres Stiefvaters Milenko M. habe ihr damals mit einem glühenden Messer Schnitte im Gesicht und am Körper zugefügt. Ein anderes Mal habe sein Vater Zoran in betrunkenem Zustand ihren Kopf gegen eine Wand geschlagen. Zuletzt sei sie besonders häufig von Monika misshandelt worden.

Die Polizei entdeckte die junge Deutsche in einem Wald nahe dem Dorf Karavlasi und nahm die mutmaßlichen Peiniger fest, wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte.

Der Stiefvater Milenko und seine Frau Slavojka M. hätten das Mädchen jahrelang in ihrem Haus in Karavlasi im Nordosten Bosniens eingesperrt und es unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten und misshandelt, sagte ein Polizeisprecher dem Fernsehsender FTV. Das Kind habe keinen Kontakt zu Außenstehenden gehabt und nicht zur Schule gehen dürfen.

Mutter der 19-Jährigen: "Alles ist eine Lüge"
Die leibliche Mutter, Christina S., soll von dem Leiden der 19-Jährigen gewusst haben. Die Frau ist mit Milenko M. verheiratet und hat dem Horror-Paar ihr Kind angeblich vor acht Jahren überlassen. Die Mutter lebte Medienberichten zufolge abwechselnd in Deutschland und Bosnien. Laut FTV war sie zum Zeitpunkt des Polizeieinsatzes gegen die mutmaßlichen Peiniger ihrer Tochter in dem Dorf und wurde als Zeugin befragt. Ihr wurde der Reisepass abgenommen, sie darf das Land vorerst nicht verlassen.

Einem AFP-Reporter sagte Christine S. am Sonntag im Haus der Familie in Karavlasi, alles sei eine "Lüge" und "erfunden". "Wir haben hier alle sehr gut gelebt", sagte die Frau. Auch ein Bruder des Festgenommenen wies die Vorwürfe zurück. Bettina sei nur nicht zur Schule geschickt worden, "weil sie geistig behindert ist", sagte er.

Opfer in Frauenhaus untergebracht
Derzeit ist die 19-Jährige in einem Frauenhaus untergebracht. Sie soll zuvor wiederholt versucht haben, zur Polizei in der Kleinstadt Kalesija zu gelangen. Ihre Peiniger hätten sie daran aber immer gehindert. Die Justiz hatte am Wochenende ihren Fall öffentlich gemacht und bestätigt, dass Bettina jahrelang "wie eine Sklavin gehalten" worden sei. Die Polizei hatte die 19-Jährige am 17. Mai verängstigt, verwirrt und verletzt in einem Wald entdeckt, nachdem Nachbarn Alarm geschlagen hatte.

Der Anwohner Sead Makalic verständigte schließlich die Polizei. Dorfbewohner sagten der Zeitung "Dnevni Avaz", sie hätten das Mädchen oft schreien und weinen hören und hätten vermutet, dass es von "Freunden der Familie" sexuell missbraucht werde.

Nachbar: "Sie wurde wie ein Pferd eingespannt"
Makalic sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe gesehen, wie das Mädchen geschlagen und zu schwerer Feldarbeit gezwungen worden sei. Er habe auch beobachtet, wie sich das Paar von dem Mädchen auf einem Karren ziehen ließ: "Sie haben sie anstelle des Pferds eingespannt und lachten", sagte Makalic. Das Mädchen habe dasselbe essen müssen wie die Schweine.

Makalic sagte, er habe schon in der Vergangenheit die Polizei eingeschaltet. Als die Beamten in das Dorf gekommen seien, habe die Familie das Mädchen jedoch versteckt. Am 15. Mai habe er schließlich mit seinem Handy ein Foto von dem Mädchen gemacht und erneut die Polizei alarmiert. Am 17. Mai wurde die junge Frau gefunden, das Ehepaar sitzt seither in Haft.

Bettina war nach Angaben der bosnischen Familie 2005 mit ihrer Mutter Christine S. nach Bosnien gekommen, als die Mutter eine Scheinehe mit dem jetzt festgenommenen Mann eingegangen haben soll, um ihm eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland zu beschaffen. Er und seine bosnische Frau waren demnach im Bosnien-Krieg (1992-1995) nach Deutschland geflohen und von Christine S. "in einem kleinen Ort zwischen Berlin und Hannover" aufgenommen worden.

Als die Frau später nach Bosnien ging, brachte sie nach Angaben von Makalic insgesamt drei Töchter mit. Die beiden anderen Schwestern sollen demnach mit Brüdern von Bettinas Peiniger verheiratet sein, die oft geschäftlich nach Deutschland und Österreich reisten.

Spur bis nach Österreich
Der Fall zieht Kreise bis nach Österreich: Laut Medienberichten haben die bosnischen Behörden Rechtshilfeersuchen an Deutschland und an Österreich gestellt, weil sich einige der Beteiligten u.a. auch in Tirol aufgehalten haben sollen. "Wir haben das Rechtshilfeersuchen noch nicht erhalten", sagte Justizministeriumssprecherin Dagmar Albegger am Dienstag. Über dessen Inhalt sei daher vorerst nichts bekannt.

Kommentare

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Bosnischer Frau? Bosnischer Frau, oder Serbische Frau? Was jetzt? Wer in Bosnien ist bosnisch? Habe leider keiner schimmer mehr.

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Re: Bosnischer Frau? Ist dies nicht nebensächlich , woher die Frau kommt ?

hadzelvi melden

strafe Diese Mutter gehört ins Gefängnis und zwar nicht in Deutschland, sondern in Bosnien SOLL sie die Straffe absitzen. Dort gibt es kein Internet Anschluss im zimmer usw. , oder Einzelbett Zimmer!!
Soll die nächste 15 Jahre dort verbleiben und nachdenken was Sie falsch gemacht hat

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Re: strafe Leider wird es nicht so sein und Mutter kann man diese Frau nicht nennen.

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Re: strafe Auf Bild.de ist ein Interview mit der " Mutter " zu hören, bei ihren Aussagen kann einem schlecht werden. Der Nachbar hat zwar dem Leid ein Ende gemacht,aber warum nicht viel früher ?
Auch wenn er den Behörden Bescheid gegeben hat und nichts passiert ist, wäre ich immer wieder
bei den Behörden gewesen,da er ja auch die Verletzungen gesehen haben will.

freud0815 melden

@landleben wenigstens hat der nachbar letztendlich erfolg gehabt
i

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