Deutsche Milchbauern vor neuem Boykott:
Dauerhafte Lösung im Preisstreit noch offen

Erhöhungen um 10 Cent pro Liter sind im Gespräch Ganze Tankladungen Milch landeten bereits im Abfluss

Deutsche Milchbauern vor neuem Boykott:
Dauerhafte Lösung im Preisstreit noch offen © Bild: Reuters

Nach dem Ende des Milch-Lieferboykotts in Deutschland bleibt eine dauerhafte Lösung für den eskalierten Preisstreit weiter offen. Nach Lidl und Edeka gab es zunächst keine weiteren Ankündigungen von Preiserhöhungen aus dem Handel. Zudem blieb unklar, ob die angekündigten höheren Preise für die Bauern einen Anstieg des Einkaufpreises in dem von ihnen erwarteten Umfang bedeuten werden.

Während es im Handel bisher vor allem um zehn Cent mehr für einen Liter Milch ging, verwiesen die Molkereien bereits darauf, dass Trinkmilch nur einen geringen Teil der von ihnen produzierten Produkte ausmache. Die Bauern drohen mit einem erneuten Lieferstopp. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) warnte die Molkereien davor, vom Handel zugesagte Preiserhöhungen nicht an die Bauern weiterzugeben.

Erhöhung von 10 Cent pro Liter?
"Nach dem Lieferstopp könnte vor dem Lieferstopp sein", mahnte der Geschäftsführer des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Thorsten Josef Sehm. Um kostendeckende Preise zu erzielen, müsse es eine flexible Mengensteuerung geben: Verträgt der Markt mehr Milch, bekomme er mehr, wenn nicht, dann weniger. Die Milchbauern fordern einen Einkaufspreis von 43 Cent je Liter. Zuletzt lag er zum Teil um zehn Cent darunter, was den zehntägigen Lieferboykott ausgelöst hatte.

Handelsexperten gehen davon aus, dass die meisten Handelsketten dem Beispiel des Diskonters Lidl folgen und den Milchpreis um zehn Cent pro Liter Milch erhöhen werden. Die Butter will Lidl um 20 Cent für 250 Gramm teurer machen. In den deutschen Supermärkten ist zum Wochenende in Erwartung höherer Preise die Nachfrage nach Milch sprunghaft gestiegen.

Ganze Tankladungen im Abfluss
Der Lieferboykott, wegen dem wiederholt ganze Tankladungen Milch in den Abfluss geschüttet wurden, stieß in Deutschland auf ein gespaltenes Echo. Laut einer Umfrage haben 54 Prozent Verständnis dafür, 45 Prozent billigten die Aktion nicht, ermittelte das Institut TNS Emnid. (apa/red)