Deutsche Lokführer verhandlungsbereit:
Verlangen aber einen eigenen Tarifvertrag

Über Lohnforderung von 31 Prozent lasse sich reden Erneute Streiks sind ab Dienstagnachmittag möglich

Deutsche Lokführer verhandlungsbereit:
Verlangen aber einen eigenen Tarifvertrag

Bei der Deutschen Bahn scheinen neue Streiks in dieser Woche unvermeidlich. An diesem Dienstag um 13.00 Uhr läuft ein Ultimatum der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ab. Gestreikt werden soll frühestens am Mittwoch, sollte die Bahn bis zum Fristende kein verbessertes Angebot vorlegen. Arbeitsniederlegungen bereits am Dienstag seien nicht geplant. "Es gibt definitiv keinen Streik", sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert in Frankfurt.

Bei möglichen Streiks müsste sich die GDL nach einer Gerichtsentscheidung vom Freitag auf den Regionalverkehr beschränken. Ein solcher Streik könnte wegen der komplexen Abläufe im Bahnsystem "auch Auswirkungen auf den Fern- und Güterverkehr haben", sagte ein Bahnsprecher.

Die Gewerkschaft verlangt für Lokführer und Zugbegleiter einen eigenständigen Tarifvertrag und eine Erhöhung der Löhne um 31 Prozent. Der Konzern machte am Montag nochmals klar, dass für ihn ein neues Angebot nicht in Frage komme. "Wir haben ja ein gutes Angebot gemacht", sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale im ZDF. Es sieht wie der Tarifabschluss mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA eine Einkommenserhöhung von 4,5 Prozent Anfang kommenden Jahres sowie eine Einmalzahlung von 600 Euro vor. Mit Mehrarbeit könnten die Lokführer netto auf etwa 10 Prozent mehr kommen, erklärt die Bahn.

Diese Rechnung akzeptiert die GDL nicht, die nicht längere, sondern kürzere Arbeitszeiten für die Lokführer verlangt. Sie wirft der Deutschen Bahn zudem vor, die bei Vermittlungsgesprächen gegebene Zusage nicht einzuhalten, über einen eigenständigen Tarifvertrag zu verhandeln. Über die Höhe der Lohnforderung könne man dann rede, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert im MDR. "Wer 31 Prozent fordert, schließt nicht 31 Prozent ab."

Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Günther Kinscher verwies nochmals auf die geänderte Streiktaktik. Streiks würden nicht mehr langfristig angekündigt, "damit wir der Bahn gar keine Gelegenheit geben können, uns wieder vor Gericht zu zerren und dort einstweilige Verfügungen zu erwirken". Das Arbeitsgericht Chemnitz hatte am Freitag per einstweiliger Verfügung bis auf weiteres Streiks im Güter- und Fernverkehr verboten, aber im Regionalverkehr erlaubt. Die schriftliche Urteilsbegründung soll nach Auskunft des Gerichts im Laufe der Woche beiden Seiten übermittelt werden. Die GDL könnte dann Widerspruch vor dem Landesarbeitsgericht einlegen.

(apa/red)