Deutsche Geisel in Afghanistan endlich frei:
Dreimonatiges Martyrium zu Ende gegangen

Kollege und Mitgefangener wurde erschossen Sechs Taliban wurden im Gegenzug dazu freigelassen

Deutsche Geisel in Afghanistan endlich frei:
Dreimonatiges Martyrium zu Ende gegangen

Der Deutsche Rudolf B. hat die afghanische Polizei beschuldigt, mit schuld an seiner Verschleppung zu sein. Nach fast dreimonatiger Geiselhaft in Afghanistan trat der Bauingenieur die Heimreise an. Er war gemeinsam mit fünf Afghanen frei gelassen worden. Im Austausch dafür waren vier Gefolgsleute eines regionalen Taliban-Chefs aus dem Gefängnis entlassen worden.

B. war am 18. Juli gemeinsam mit einem weiteren Deutschen und den Einheimischen entführt worden. Die Geisel aus Mecklenburg-Vorpommern hatten die Täter getötet. B. sagte dem Radiosender Antenne Bayern zufolge, die Polizisten, die ihn und seine Kollegen Mitte Juli beim Besuch eines Staudamms zum Schutz begleitet hätten, hätten die Taliban erwartet und begrüßt. "Das war eine abgesprochene Sache", wurde B. im Radio zitiert. Die Polizei habe den Entführern vorher Bescheid gegeben, dass die Ingenieure dorthin fahren würden.

B. über die Zeit als Geisel
Die Umstände seiner Geiselhaft beschrieb B. als sehr schlecht. Die Gruppe sei Hunderte Kilometer gelaufen. Dabei hätten die Gefangenen Waffen und Ausrüstung der Taliban tragen müssen. Auf 3.000 Metern Höhe habe die Gruppe im Freien gelebt. B. hatte dabei nach eigenen Worten nur Sommerkleidung, weil die andere Kleidung nach der gescheiterten Übergabe im Auto des Roten Kreuzes blieb. "Es sind also sehr schlechte Bedingungen", sagte B.. Sein 44-jähriger deutscher Kollege sei von den Taliban erschossen worden, weil er das Marschtempo nicht habe mithalten können. "Die Taliban sagen, es sei ein Versehen gewesen, aber es sah nicht so aus."

Antenne Bayern teilte mit, er habe bereits vor einigen Tagen ein Gespräch des 62-jährigen Ingenieurs mit seiner Familie über Satellitentelefon aufgezeichnet. "Um eine sich andeutende Übergabe nicht zu gefährden, wurde das Gespräch aber zunächst nicht veröffentlicht". (APA/red)