Deutsche Geisel in Afghanistan endlich frei:
Dreimonatiges Martyrium zu Ende gegangen

Kollege und Mitgefangener wurde erschossen Sechs Taliban wurden im Gegenzug dazu freigelassen

Deutsche Geisel in Afghanistan endlich frei:
Dreimonatiges Martyrium zu Ende gegangen

Der Mitte Juli in Afghanistan entführte Deutsche Rudolf B. ist nun nach drei Monaten Geiselhaft freigelassen worden. Zusammen mit dem 62 Jahre alten Ingenieur kamen auch vier seiner afghanischen Begleiter auf freien Fuß. "Darüber sind wir froh und erleichtert", erklärte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Im Gegenzug wurden sechs Taliban-Kämpfer aus der Haft entlassen, wie der Chefverwalter des Bezirks Jaghato in der Provinz Wardak, Mohammed Nahim, berichtete.

B. und die übrigen Geiseln wurden zunächst von Stammesältesten an afghanische Geheimdienstbeamte übergeben. Der deutsche Botschafter telefonierte bereits mit dem Ingenieur, wie Steinmeier berichtete.

"Mir geht es gut, ich bin nur müde", sagte B. nach Angaben von "Spiegel online" am Telefon. B. war zusammen mit seinem 43-jährigen Kollegen Rüdiger D. am 18. Juli in der Provinz Wardak verschleppt worden. D. hatte in der Gefangenschaft kurz danach einen Schwächeanfall erlitten und wurde am 21. Juli erschossen aufgefunden.

Steinmeier erklärte: "Wir sollten in diesem Augenblick der Erleichterung innehalten und an das Schicksal des in der Geiselhaft verstorbenen Deutschen erinnern. Und ich möchte dran erinnern, dass sich im Irak noch immer Sinan Krause, der Sohn von Hannelore Krause, in den Händen seiner Entführer befindet." Die Regierung arbeite weiter mit aller Kraft auch an Krauses Freilassung, versicherte der SPD-Politiker.

Steinmeier dankte dem Krisenstab in Berlin, der Botschaft in Kabul, den dorthin entsandten Beamten und besonders der afghanischen Regierung für ihren "unermüdlichen und letztlich erfolgreichen Einsatz". Bereits Ende September war B. bei einer misslungenen Übergabe zunächst freigelassen, dann aber erneut verschleppt worden. In mehreren Videobotschaften hatte der 62-Jährige auf Geheiß seiner Kidnapper um seine Freilassung gebeten, zuletzt in dieser Woche.

Nach Informationen von "Spiegel online" holten Dorfälteste aus dem Distrikt den Deutschen aus den Bergen ab. Es habe sich bei der Befreiung nicht um eine gewaltsame Aktion afghanischer oder deutscher Sicherheitskräfte gehandelt. Demnach konnten afghanische Vermittler die Geiselnehmer in langen Verhandlungen überzeugen, den Deutschen freizulassen.

Ob Lösegeld gezahlt wurde, war zunächst unklar.

(APA/red)