Deutschland von

Merkel verabschiedet
sich als CDU-Chefin

In ihrer letzten Rede als CDU-Chefin hat sich die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Freitag nach mehr als 18 Jahren vom Parteivorsitz verabschiedet.

"Es war mir eine große Ehre, es war mir eine Freude", schloss Merkel ihre knapp 35-minütige Ansprache vor rund tausend Delegierten auf dem CDU-Parteitag in Hamburg. Merkel blickte auf ihre Amtszeit zurück und zeigte sich stellenweise selbstkritisch.

»Es war mir eine große Ehre, es war mir eine Freude«

Merkel wurde nach ihrer Rede mit rund neunminütigem Applaus verabschiedet: Die Delegierten erhoben sich von ihren Plätzen, viele hielten Schilder mit der Aufschrift "Danke, Chefin" in die Höhe. Manche der CDU-Mitglieder waren angesichts des Abschieds Merkels zu Tränen gerührt. Merkel selbst wählte in ihrer Rede teilweise sehr persönliche Worte und war von dem langen Beifall sichtlich bewegt.

Meilensteine Merkels Amtszeit

Das Motto auf ihrem ersten Parteitag als Vorsitzende habe schlicht "Zur Sache" gelautet, erinnerte die 64-Jährige vor den Delegierten. Das sei "typisch Merkel", einfach nur "knochentrocken" gewesen. Aber darum sei es damals gegangen, als die Partei nach der Spendenaffäre "am Boden" gelegen habe. Die scheidende Parteivorsitzende erinnerte an Meilensteine ihrer Amtszeit wie die Abschaffung der Wehrpflicht oder die innerparteilich umstrittene Entscheidung, im Jahr 2015 Hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen.

Entlang des Mottos des Parteitags in Hamburg "Zusammenführen. Und zusammen führen", beschrieb Merkel die Aufgaben, vor denen die CDU nun auch mit der Wahl des neuen Vorsitzenden stehe. Die Kanzlerin rief die CDU auf, für die Geschlossenheit der Gesellschaft zu kämpfen. Es gehe "in Zeiten wie diesen" mit der AfD als Partei rechts neben der Union und einer polarisierten Gesellschaft darum, "unser Land", Europa, Ältere und Jüngere, Ost und West, Stärkere und Schwächere, Einheimische und Migranten, zusammenzuführen, sagte die Kanzlerin.

Zugleich mahnte sie den Zusammenhalt der Unionsparteien an. "Wohin uns nicht endend wollender Streit führt, haben CDU und CSU in den letzten Jahren bitter erfahren", sagte Merkel. Aber CDU und CSU hätten auch erfahren, "wohin uns Einigkeit führt", fügte sie unter Verweis auf die 50 Jahre hinzu, in denen die Union bisher in der Bundesrepublik den Bundeskanzler gestellt habe.

Merkel erntet kräftigen Applaus

Die Partei habe es mit ihr nicht immer einfach gehabt, räumte Merkel ein. So habe sie nach dem Geschmack vieler Christdemokraten so manchen "deftigen, scharfen Angriff" auf den politischen Gegner von rechts oder links vermissen lassen. "Ich habe stattdessen das Florett gewählt oder es vorgezogen zu schweigen oder gar nicht erst über das Stöckchen zu springen, das man mir hinhielt", sagte Merkel - und erhielt dafür kräftigen Applaus.

Indirekt räumte Merkel aber auch ein, zu einer Spaltung des Landes beigetragen zu haben. Staatsdiener müssten alles in ihrer Macht Stehende für den inneren Frieden und den Zusammenhalt des Landes tun. Sie müssten sich daher immer wieder prüfen, was sie persönlich tun könnten. "Das Ergebnis meines Nachdenkens kennen sie", sagte die scheidende Parteivorsitzende.

Abschiedsgeschenk für Merkel

Die scheidende CDU-Parteichefin Angela Merkel hat zum Abschied einen Taktstock des bekannten Dirigenten Kent Nagano geschenkt bekommen. Merkels Vize, der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier überreichte ihr auf dem Parteitag als offizielles Präsent den in einem Rahmen gefassten Stock, mit dem Nagano während des G-20-Gipfels in Hamburg im vergangenen Jahr in der Elbphilharmonie Beethovens Neunte Sinfonie für die Staats- und Regierungschefs dirigierte.

Die Aufgabe einer Parteivorsitzenden sei gut mit der Aufgabe eines Dirigenten zu vergleichen, meinte Bouffier zur Begründung der Auswahl. Es gelte ein vielschichtiges großes Orchester zu leiten, "Solisten" einzubinden und dabei eine Vorstellung zu organisieren, die "im besten Fall das Publikum begeistert".

Kommentare